Bayern 2 - Notizbuch

Erfahrungen mit Facebook-Suche Alle meine Freunde, die Rassisten sind!

Graph Search heißt die neue Suchfunktion bei Facebook. Mit ihr kann man seinen Freundeskreis nach Informationen durchsuchen. Facebook ist stolz darauf. Web-Spezialisten sind skeptisch. Und die Suchergebnisse oft ziemlich skurril.

Stand: 22.01.2013
Digitales Spielzeug | Bild: picture-alliance/dpa

So funktioniert Graph Search

Anders als bei Internetsuchmaschinen sucht man mit Graph Search nicht im ganzen Netz, sondern nur innerhalb von Facebook. Und dort auch nur innerhalb seiner Freunde beziehungsweise in Informationen, die auf Facebook öffentlich zugänglich sind. Suchen kann man zum Beispiel nach "Leuten, die in meiner Firma arbeiten und Ski fahren" oder "Bilder meiner Freunde aus dem Jahr 2009".

Dinge, die man nicht wissen wollte

Bisher ist die Suchfunktion nur im englisch-sprachigen Facebook gestartet. Dort haben User die Suche bereits ausprobiert und schreiben in Blogs und Foren über ihre Ergebnisse. Viele mit einer guten Portion Ironie.

"Es ist interessant mit Facebooks glitzernder neuer Suchmaschine Dinge über dich selbst, deine Vergangenheit und deine Freunde herauszufinden. Und es ist ein Kinderspiel dazu auch noch Leute zu finden, die ganz offen rassistisch, sexistisch und einfach nur peinlich sind. Welch Spaß!..."

(Gizmodo-Blog)

Alte und neue Sünden

Mit der Suchmaschine kommt alles ans Licht, was man irgendwann einmal geliked hat – also angeklickt und zu seinen Lieblingsseiten hinzugefügt hat. Da das viele im Laufe ihres Facebook-Lebens fast wahllos machen, kommen dann auch Likes wie "Ich liebe Frauen mit großen Brüsten" ans Tageslicht. Oder aber, da man im Netz ja gerne so vermeintlich anonym ist, Aussagen, die explizit rassistisch oder sexistisch sind. Graph Search findet alles, was man vorher nicht ausdrücklich für die Öffentlichkeit gesperrt hat.

Kandidat: ungeeignet

Weniger skurril, aber dafür nicht weniger brisant, könnte ein Beispiel aus der Geschäftswelt sein. Vor der Einladung zum Vorstellungsgespräch könnten Personaler in Zukunft alle Bewerber schnell und leicht checken: "Alle, die chronischen Krankheiten haben", "Alle, die Extremsportarten lieben". Vorausgesetzt die Bewerber haben diese Informationen nicht gut gesichert und nur ihren Freunden zugänglich gemacht, wird es somit leicht, vermeintliche Risikobewerber für eine Stelle von vorne herein auszusortieren.

Neue Suchmaschinen

Auch auf der jährlich in München stattfindenden digital life design Konferenz DLD, eine Zukunfts-Konferenz bei der Web- und Technikexperten diskutieren, war die Facebook-Funktion Thema. Denn Graph Search macht das, was viele Suchmaschinen in Zukunft auch wollen: Gezielt Leute und Themen suchen, die man mit Google nicht findet, weil sie entweder zu klein oder zu speziell sind.

Viele Experten sind sich einige, dass man nur mit solchen Suchmaschinen dem Giganten Google Konkurrenz machen kann. Etwa mit extra Suchmaschinen für die Wissenschaft oder einer Suchmaschine, die sich nicht merkt, was man schon alles gesucht hat und deshalb jedes Mal wieder neutral und damit offen für alle möglichen Ergebnisse startet.


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