Bayern 2 - Notizbuch

Zwischenzeugnisse Immer Ärger mit den Noten

Keine Zeit für gar nichts: Blasse, müde Kinder, die bis zum Umfallen über Hausaufgaben sitzen. Viertklässler, die Experten im Notenschnitt-Berechnen geworden sind, damit es für Gymnasium oder Realschule reicht. Eltern, die kostenpflichtige Beispielproben aus dem Internet herunter laden - all das ist derzeit Alltag in vielen Familien. Zeit, sich Gedanken zu machen, ob das so sein muss.

Stand: 02.02.2012
Illu: Mutter und Tocher | Bild: colourbox.com; Illustration: BR

Das Halbjahr geht dem Ende zu, der Notenschluss für das Zwischenzeugnis rückt näher.  Wenn der Notendruck verhindert, dass Kinder ihre Freunde treffen, dass sie frei spielen können, dann ist es Zeit, einmal genauer hinzuschauen: Die Angst vor schlechten Schulnoten spornt nicht an, ganz im Gegenteil, wenn die Belastung zu hoch ist, geht gar nichts mehr.

Eltern im Dauer-Schulstress

Doch geht es den Eltern denn anders? Wie bedrückend ist die selbstgestellte Aufgabe, ständig die Kinder kontrollieren zu müssen? Mutter, Vater, Kinder befinden sich im Dauerstress. Wo bleibt in diesem Spannungszustand noch Zeit, miteinander zu lachen, sich gemeinsam zu erholen, einfach mal die Schule auszublenden? Gibt es Strategien, die verhindern, dass das Leben außerhalb der Schule verloren geht?

So halten Eltern den Stress in Schach

Wochenendpause

Frage eines Vaters: Freitags kommt mein Sohn aus der Schule, völlig am Ende, wirft seine Schulmappe in die Ecke und will die gerade aufgegebenen Hausaufgaben erst Sonntag machen. Ist es überhaupt erlaubt, freitags Hausaufgaben aufzugeben? Und muss ich darauf dringen, dass er sich Freitagnachmittag an den Schreibtisch setzt, oder lasse ich ihn erst einmal in Ruhe?
Melitta Walter: Lassen Sie ihn erst einmal tief durchatmen. Er kommt sozusagen von einer langen Arbeitswoche nach Hause. In Schulen mit Fünf-Tage-Woche können von Freitag zu Montag Hausaufgaben gegeben werden, wenn am Freitag kein Nachmittagsunterricht stattfindet oder wenn nicht mehr als zwei Stunden Nachmittagsunterricht erteilt werden. Besprechen Sie mit Ihrem Sohn, wie viel Zeit er zur Bewältigung brauchen wird und entscheiden Sie dann, ob er sich samstagvormittags erholt an die Aufgaben setzt, um den Sonntag wirklich "privatisieren" zu können.

Erholungsplan

Frage einer Mutter: In unserer Familie dreht sich nun seit Weihnachten alles nur noch um das leidige Thema Schulnoten, Zwischenzeugnis. Von früh bis spät hängt dieser Druck über uns. Wie kommen wir da raus?
Melitta Walter: Verabreden Sie jetzt einen Samstag oder Sonntag, an dem mit keinem Wort - ja am besten mit keinem Gedanken - das Thema "Schule" Raum gewinnt. Was tun Sie gern zusammen? Notieren Sie am Mittwoch gemeinsam einen Erholungsplan, der dann wirklich auch ohne schlechtes Gewissen genossen werden kann.

Hausaufgabenbetreuung

Frage einer Mutter: Die Lehrerin meiner elfjährigen Tochter erwartet selbstverständlich, dass wir Eltern uns täglich um die Hausaufgaben kümmern. Für uns als berufstätige Eltern bedeutet das, statt Muße und gemeinsame Unternehmungen nur noch Stress. Außerdem verstehe ich viele Hausaufgaben meiner Tochter selbst gar nicht. Ganz abgesehen davon, finde ich, zu meinen Aufgaben als Mutter gehört eher, den Kindern Alltagsfähigkeiten beizubringen, also Kochen, Backen, Wäsche waschen und solche Sachen. Aber dazu kommt es gar nicht mehr. Immer geht die Schule vor.
Melitta Walter: Erst einmal ganz grundsätzlich: Eltern dürfen nicht als pädagogische Assistenten, also als verlängerter Arm der Lehrkräfte, in Anspruch genommen werden. Viele  Lehrkräfte sind sogar der Meinung, dass Eltern gar nicht in die Hausaufgaben eingreifen sollen. Nur so können sie herausfinden, was die Kinder verstanden haben. Fragen Sie Ihre Tochter, wie viel Begleitung sie in schulischen Fragen selbst wünscht.
Das wirkliche Leben, da haben Sie ganz recht, besteht aus Alltagsfertigkeiten. Und bei gemeinsamen Arbeiten im Haushalt lässt es sich oftmals viel entspannter - auch über schulische Belange - plaudern.

Bauchschmerzen

Frage einer Großmutter: Ich sehe mit Sorge, dass mein Enkel seit Wochen unter Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und Schlafstörungen leidet. Der ständige Schulstress hat ihm jede Lebensfreude genommen. Aber mein Sohn meint, das Kind simuliere aus Faulheit. Was kann ich tun, um dem Kind zu helfen?
Melitta Walter: Wenn Ihr Enkel ständig unter diesen Symptomen leidet, ist es höchste Zeit, den Dauerdruck zu mildern. Kinder, die in dieser Situation nicht ernst genommen werden, können ernsthaft erkranken. Wenn möglich, vermitteln Sie Ihrem Sohn, dass Sie sich Sorgen machen: um das Kind, aber auch um ihn. Vielleicht steht Ihr Sohn selbst unter enormem Druck?