Bayern 2 - Notizbuch

Der Umgang mit Geld Finanzpolitik in der Familie

Teurer Schulanfang, kostspielige Wünsche: Kinder müssen lernen, dass man nicht alle Wünsche sofort erfüllt bekommt. Sparen kann man lernen - in der Familie.

Stand: 01.10.2012
Illustration: Kaufverhalten | Bild: colourbox.com; Illustration: BR

Erst knapp drei Wochen ist es her, dass Eltern tief ins Portemonnaie greifen mussten, um ihre Kinder einschulungstauglich in den nächsten Lebensabschnitt zu schicken. Laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) betrugen die Kosten dafür durchschnittlich 215 Euro pro Kind. Klar, die Schultüte konnte noch selbst gebastelt werden, aber Ranzen, Federmäppchen und alles andere, was dazu gehört, soll ja auch neu und modern sein.

Nicht nur der Schulanfang kostet

Aber auch Töchter und Söhne, die nun von der Grund- in die weiterführende Schule wechselten, benötigen neue Sportkleidung, Arbeitshefte, Zirkel, Schnellhefter, Taschenrechner, Atlanten, Arbeitsmaterialien, Mittagsbetreuung, Mittagessen im G8. Ganz zu schweigen von den Kosten für Schullandheimaufenthalte. Und mit dem Schuljahresanfang ist es ja nicht vorbei.

Unterstützung für finanziell benachteiligte Eltern

Für finanziell benachteiligte Eltern, die den Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen, gibt es immerhin seit dem 1. Januar 2011 die Möglichkeit, für jedes anspruchsberechtigte Kind ein sogenanntes Bildungs- und Teilhabepaket zu beantragen. Darin sind unter anderem 100 Euro jährlich für den Schulbedarf vorgesehen - 70 Euro für den Schulanfang, die restlichen 30 Euro zum zweiten Halbjahr.

In der Familie lernt man den Umgang mit Geld

Wie gelingt es Familien, die ständig notwendigen Ausgaben für ihre Kinder zu bezahlen? Die Überlegung, ob wirklich immer alles neu sein muss, kann Geld sparen helfen. Oft haben Mütter und Väter selbst von den eigenen Eltern gelernt, mit Geld umzugehen, das heißt, nicht gleich am Monatsanfang aus dem Vollen zu schöpfen und zum Monatsende hin bei trockenem Brot zu darben. Auch hier sollte man seinen Kindern ein Vorbild sein.

Geld spielt ständig eine Rolle im Familienalltag. Es geht um die Verteilung der Gesamtmenge. Über das Thema "Geld" wird auch in Beziehungen sehr häufig gestritten: Da wird aufgerechnet, wer wie viel wofür ausgibt. Wichtig ist dann eine klare Plaung: Wie viel Geld kommt in die Haushaltskasse und wie viel Taschengeld bekommt jedes Familienmitglied - aber auch Mutter und Vater.

Mit dem Taschengeld können Kinder üben

Wie lernen Kinder einen sinnvollen Umgang mit Geld? Erst einmal ist Geld für Kinder etwas sehr Abstraktes. Erst ab dem Grundschulalter können Kinder überhaupt verstehen, dass Geld nicht einfach so aus dem Automaten gezogen werden kann, sondern erst einmal erarbeitet werden muss.

Mit dem Taschengeld können Kinder den Umgang mit Geld "üben". Wichtig ist, dass es regelmäßig gezahlt wird und dann über diese Summe hinaus kein weiteres Geld gewährt wird. Und auch das Sparen müssen Eltern ihre Kinder lehren: Mit einem Sparbuch, auf das größere Geldgeschenke oder der Inhalt der Spardose eingezahlt werden, geht das am einfachsten.

Dringender Wunsch, aber kein Geld?

Mit Blumengießen und anderen Hausjobs kann man seine Kinder Geld verdienen lassen.

Arbeiten für die Ausgaben: Hier kann man seinen Kindern ganz handfest vermitteln, dass sie für ihre Wünsche etwas tun müssen. Mit sogenannten Hausjobs können sich Kinder etwas dazu verdienen. Die Hilfe im Haushalt wie Tisch abräumen oder Müll rausbringen ist natürlich selbstverständlich. Rasen mähen, Auto waschen oder Blumen gießen - das könnten Hausjobs sein, die eigens entlohnt werden.
Für die ganz großen Wünsche Heranwachsender wie den Computer reicht das natürlich nicht. Hier können Eltern einen Teilbetrag stellen und den Rest der Finanzierung den Jugendlichen überlassen. Manche Eltern wenden dieses Prinzip auch beim Kleiderkauf an: Sie zahlen einen Grundbetrag und wenn es unbedingt die viel teurere Jeans sein muss, müssen Jugendliche eigenes Geld beisteuern. Bei Kreditgewährung sollten Eltern unbedingt auf die Rückzahlung des Geldes bestehen.

Finanzen in der Familie - Beispiele

Wünsche

Frage einer Mutter: Seit meine Tochter in der Schule ist, kommt sie ständig mit kostspieligen Wünschen nach Hause. Ihre beste Freundin wird offenbar von ihren wohlhabenden Großeltern mit Geschenken überhäuft. Wir haben nur das eher kleine Einkommen meines Mannes. Doch selbst wenn ich könnte, würde ich ihr dieses dauernde Habenwollen nicht durchgehen lassen. Nur, meine Tochter ist ständig beleidigt und wirft uns vor, sie nicht genügend zu lieben.
Melitta Walter: Schaffen Sie Tatsachen: Erstens hat elterliche Liebe nichts mit dem Konsumieren von Dingen zu tun. Fragen Sie, ob die Tochter sich wirklich ungeliebt fühlt. Wenn ja, woran kann dies liegen? Zweitens: Rechnen Sie mit ihr die Fixkosten einmal durch - Miete, Strom, Lebensmittel etc. Und dann wird sie sehen, wie viel Geld vom monatlichen Familieneinkommen übrig bleibt. Nehmen Sie Ihre Tochter mit zum Lebensmitteleinkauf. Rechnen Sie mit ihr die Preise der einzelnen Produkte zusammen, bevor Sie zur Kasse gehen. Das ist eine gute Übung und zeigt, wie schnell sich das Portemonnaie leert. Und verbitten Sie sich klar das beleidigte Verhalten. Offenbar sucht Ihre Tochter sowohl Liebesbestätigung als auch Grenzen.

Patenkind

Frage eines Patenonkels: Ich würde gerne mit meinem 10-jährigen Patensohn Felix öfter mal was Besonderes unternehmen und ich glaube, mein Freund erwartet das auch von mir. Aber ich bin zur Zeit arbeitslos und alle besonderen Unternehmungen kosten so viel. Ich will mich kümmern, ich habe ja auch mehr Zeit, als die Eltern von Felix. Haben Sie einen Tipp für mich?
Melitta Walter: Erst einmal kann Ihr Freund froh sein, dass Sie Ihre Patenonkelrolle so ernst nehmen. Ich habe Ihrer Frage nicht entnehmen können, was Felix selbst sich wünscht. Grundsätzlich gibt es in den Städten zum Beispiel Stadtteilbibliotheken. Sie können dort Bücher, Filme, Spiele ausleihen und so gemeinsame Zeit verbringen. Kinderbibliotheksausweise sind kostenlos. Nachmittagsvorstellungen in Kinos sind oft billiger. Wenn Sie beide Fahrräder haben, machen Sie Radtouren, lassen sich von den Eltern ein Picknickpaket packen. Oder sie gucken bei Trainingsspielen des örtlichen Fußballclubs zu. Wertvoll ist die Zeit, die Sie Felix bereit sind zu schenken. Das ist mit Geld ohnehin nicht aufzuwiegen.

Extrageld

Frage einer Mutter: Wir haben in der Familie eine gute Regelung: Jeden Freitag bekommen unsere Kind Taschengeld. Nicht viel, aber mit dem Geld können sie machen, was sie wollen. Bisher funktionierte das gut. Die 8-jährige Tochter setzt ihre drei Euro in Süßigkeiten um, der zwei Jahre ältere Sohn spart seine vier Euro, weil er sich einen Fußball kaufen will. Neuerdings versucht die Tochter meinem Mann Extrageld aus der Tasche zu ziehen. Ich bin dagegen, er lässt sich immer wieder erweichen.
Melitta Walter: Kinder gehen sehr unterschiedlich mit ihrem Geld um. Wer gleich alles ausgibt, hat dann eben nichts mehr bis zum nächsten Freitag. Eine wichtige Übung für das spätere Leben. Dass Kinder trickreich sind, ist ja nicht neu. Meist gelingt der mitleiderregende Augenaufschlag vom Sohn bei der Mutter, der der Tochter beim Vater. Es ist nicht gut, nachzugeben, wenn das Kind den Umgang mit Geld erlernen soll. Fragen Sie Ihre Tochter, wofür sie ihr Geld ausgibt. Wichtig: Tun Sie das ohne moralischen Unterton. Überlegen Sie gemeinsam, wie es ihr gelingen kann, ihr Taschengeld zu sparen. Ihr Mann sollte sich fragen, weshalb er sich von der Tochter um den Finger wickeln lässt. Auf die Dauer tut er ihr damit keinen Gefallen.

Konto

Frage eines Großvaters: Meine Enkelkinder (Zwillinge) kamen jetzt in die Schule. Wir finden, sie sind nun alt genug, um langsam zu lernen, mit eigenem Geld umzugehen. Macht es Sinn ihnen je ein eigenes Konto bei einer Bank einzurichten und dort monatlich einen fest vereinbarten kleinen Betrag einzuzahlen, über den sie dann auch verfügen können?
Melitta Walter: Wenn Sie als Großeltern ein Konto einrichten wollen, vielleicht sogar ein Tagesgeld-Konto, dann schließen Sie einen Vertrag ‚zugunsten Dritter’ ab. Bis zum Alter von 18 Jahren sind die Eltern nämlich vertretungsberechtigt. Sprechen Sie erst mit Ihren erwachsenen Kindern, sie sollten ja informiert und einverstanden sein. Die Eltern sind im Alltag dafür zuständig, Ihre Enkel ausreichend mit dem Umgang mit Geld vertraut zu machen. Im Internet finden Sie die Banken, bei denen Ihr Wunsch überhaupt umsetzbar ist.

Patchwork

Frage einer Patchwork-Mutter: Ich habe einen Mann mit zwei Söhnen geheiratet und gemeinsam haben wir eine 5-jährige Tochter. Die beiden Größeren leben bei der Mutter, kommen in den Ferien zu uns. Und jedes Mal gibt es zwischen meinem Mann und mir Streit, weil er seinen Ferienkindern ständig Geschenke macht, die wir uns eigentlich gar nicht leisten können. Unser gemeinsames Kind wir immer knapp gehalten. Das finde ich ungerecht. Mein Mann meint, die Kindsmutter erwartet das von uns.
Melitta Walter: Das ist ein häufiges Konfliktthema. Kinder aus unterschiedlichen Beziehungen kommen zu Besuch und dann muss sozusagen jeden Tag ein Braten auf dem Tisch stehen. Hier geht es aber um gemeinsam verbrachte Tage, um Zuhören, gemeinsames Erleben. Offenbar setzt die Ex Ihren Mann unter Druck und er kann sich dem nicht erwehren. Dass Sie selbst verärgert sind, ist logisch. Es braucht also ein Familiengespräch zwischen den Ferienkindern, Ihrem Mann, Ihnen und auch der Tochter, damit sie sich nicht ausgegrenzt fühlt. Welche Wünsche an die gemeinsame Zeit hat jede Person? Legen Sie eine Ferien-Geld-Schachtel an. Daraus wird aber für alle Familienmitglieder Geld entnommen. Die Summe muss realistisch sein. Und es tut dem emotionalen Klima sicher auch gut, wenn die Jungs ihr Ferientaschengeld mitbringen.


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