Abzug der Bundeswehr So geht's auch!
Truppenabzug und Standortschließung – das macht vielen Ortschaften in Bayern Angst. Jahrelang haben sie von und mit dem Militär gelebt. Bei der Gemeinde Münsingen ist die Konversion zehn Jahre her. Die Gemeinde hat sie gut gemeistert.
2,7 Prozent Arbeitslosigkeit. Bürgermeister Mike Münsing hat die neuen Zahlen gerade erst bekommen. Er ist stolz. Seine Gemeinde hat es geschafft, die Konversion gemeistert. Die Münsinger haben umgesattelt. Von Militär auf Tourismus. Gemeinsam. Das hat funktioniert. Jetzt leben 14.000 Einwohner in der kleinen Stadt auf der Schwäbischen Alb. Als die Bundeswehr noch da war waren es nur 12.000.
Biosphärengebiet statt Bundeswehrstandort
Die Besucher kommen auf die Schwäbische Alb, seitdem die Gegend um Münsingen zum Biosphärengebiet ernannt wurde. Das ist ein UNESCO-Titel für Regionen, in den Ökologie, Ökonomie und Soziales miteinander funktionieren. Der ehemalige Truppenübungsplatz – ein Areal mit fast 70 Quadratkilometern – war dafür ideal. Statt Munitionsübungen und Panzerfahrtraining gibt es jetzt Führungen durch Wachholderheiden und Fallobstgärten. Angeblich leben 30.000 Schafe im Biosphärengebiet. Und Touristen sind nicht der einzige Wirtschaftsfaktor: Die ehemalige Panzerringstraße wurde zur Teststrecke umfunktioniert. Firmen wie Daimler probieren hier Elektroautos und Wasserstoffmotoren.
Schnelles Handeln gefragt
Wichtig war, es schnell anzugreifen, sagt Bürgermeister Mike Münsing. Keiner komme mit Geld und Ideen vorbei, um den Übergang zu gestalten. Münsingen musste viele Zulieferer auffangen, die mit dem Militärstandort ihren wichtigsten Auftraggeber verloren hatten. Millionen wurden in den Tourismus investiert – mit Hilfe des Landes Baden-Württemberg und in direktem Austausch mit den Bürgern. Es hat sich gelohnt. Kein einziges Unternehmen ging in Folge der Standortschließung pleite. Die Wäscherei, die bis 2002 beispielsweise die Wäsche der Soldaten gewaschen hat, ist jetzt für die Hotelwäsche zuständig.
Glück und Unternehmergeist
Nicht jeder Ort ist prädestiniert dafür, eine neue Tourismusregion zu werden, wie Münsingen auf der Schwäbischen Alb. Und nicht jeder Bundeswehrstandort besitzt genügend Infrastruktur und Kaufkraft, um in so kurzer Zeit wieder auf die Beine zu kommen. Man habe schon Glück gehabt, dass was da war, sagen die Münsinger. Und dass man den Truppenübungsplatz prima ausgeschlachtet habe. Wenn Unternehmer, Politiker und Bürger aber nicht genau hingeschaut hätten, was da vor ihrer Haustür liegt, wäre die Konversion sicherlich schleppender verlaufen.

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