Bayern 2 - Notizbuch


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Dicke Luft in der Stadt Was sich auf unseren Straßen ändern muss

Die Fenster geschlossen halten und sich hauptsächlich in Innenräumen aufhalten, das reicht keinesfalls. Durch Lüftungssysteme oder das Lüften in Pausen gelangen Stickstoffdioxide (NO2) trotzdem in unsere Räume. Dass der Hauptverursacher dieser NO2-Konzentrationen in den Städten der Autoverkehr ist - vor allem der mit Diesel betriebene - das steht außer Frage und ist nicht erst seit dem Abgasskandal der Autobranche bekannt.

Von: Chris Köhler, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 06.04.2017

Unlängst haben Forscher des Helmholtz-Zentrums in München herausgefunden: Nanopartikel aus Verbrennungsmotoren können Viren aktivieren, die in Lungengewebszellen "ruhen". Durch zahlreiche nationale und internationale wissenschaftliche Studien belegt und von daher unstrittig ist: Luftschadstoffe wie Feinstaub - der unter anderem durch Abrieb von Reifen und Bremssystemen entsteht - und auch Stickoxide haben ein großes Spektrum an gesundheitlich nachteiligen Wirkungen auf den menschlichen Organismus.

Besonders gefährdet: Alte, Schwache und unsere Jüngsten

Vor Luftschadstoffen sollten vor allem Kinder geschützt werden, allen voran die sehr kleinen Kinder.

Luftschadstoffe belasten neben den Atemwegen auch zahlreiche andere Organsysteme im menschlichen Körper. So können die ultrafeinen Partikel im Feinstaub die Lungen-Blut-Schranke überwinden und frei im Herz-Kreislauf-System zirkulieren. Im Hinblick auf die Partikelwirkung stehen Herzinfarkt und Schlaganfall im Vordergrund, aber auch eine Einschränkung der Hirnleistung. Außerdem gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang mit Diabetes. Vor Luftschadstoffen sollten vor allem Kinder geschützt werden, allen voran die sehr kleinen Kinder. Kinder atmen im Verhältnis zu ihrer Körpermasse mehr Luft ein und nehmen damit auch mehr Schadstoffe auf als Erwachsene. Zudem atmen kleine Kinder mehr durch den Mund als durch die Nase, und das bedeutet, dass die Schadstoffe nicht durch die Nase gefiltert werden, sondern direkt in die Lunge eindringen.

Wir können uns der schlechten Luft nicht entziehen

Autoverkehr ist nicht die einzige Quelle

Auch die Emissionen der Industrie, der Energieerzeuger und der privaten Haushalte dürfen bei der Diskussion nicht aus den Augen verloren werden. Gleichwohl ist der Automobilverkehr in den Städten eine maßgebliche Quelle, die dazu beiträgt, dass die Grenzwerte oft überschritten werden.

Der Knackpunkt bei Feinstaub und Stickoxide ist, dass die Menschen sich dieser schlechten Luft nicht entziehen können. Dennoch ist in Deutschland die öffentliche Diskussion spätestens dann gespalten, wenn es um Maßnahmen zur Senkung der Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Konzentrationen geht. Das hat auch damit zu tun, dass Deutschland ein "Automobil-Land" ist. Politiker auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene müssten deshalb handeln. Doch dort schieben sich die Politiker den schwarzen Peter seit Jahrzehnten gegenseitig zu.


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