Bayern 2 - Notizbuch

Nachgefragt Ursache für 'Blutschwitzen' bei Kälbern

Vor vier Jahren machte Bäuerin Hildegard Kirmeier eine schreckliche Beobachtung. Zuerst war das Kalb noch fit. Dann blutete es plötzlich punktuell aus der Haut. Schließlich starb es. Es war nicht das einzige Kalb auf dem Hof, das zu bluten begann, ohne sich verletzt zu haben. Immer wieder starben neugeborene Kälber mit den rätselhaften Symptomen.

Autor: Doris Fenske Stand: 26.01.2012

Auch auf anderen Höfen ereigneten sich diese Tier-Tragödien. Nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland, unterschiedslos auf kleinen wie großen Höfen, konventionellen wie Biobetrieben. Immer wieder starben neugeborene Kälber an den rätselhaften Symptomen. Bald war von "Blutschwitzern" die Rede, immer mehr Höfe traf das rätselhafte Kälbersterben. Die Tierärzte wussten keine Hilfe.

Anfangs nicht überrascht

Blut im Fell des Kalbes

Als 2007 ein Kalb mit den ungewöhnlichen Symptomen in die Rinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in Oberschleißheim eingeliefert wurde, war man dort zunächst nicht sonderlich überrascht. Auch früher schon gab es einzelne Tiere, die zu Blutungen neigten. Doch das Kalb war innerhalb kurzer Zeit tot. Es lag in einer großen Blutlache. Und es blieb nicht bei diesem einen Kalb, ihm folgten andere.

Der gemeinsame Nenner

Der Aufklärungdruck war groß, Betriebe wurden befragt, und es kristallierte sich eine Gemeinsamkeit heraus: die Mutterkühe hatten einen bestimmen Impfstoff bekommen. Doch die Übertragung auf das Kalb erfolgte nicht direkt, sondern erst mit der eigentlich so lebenswichtigen Biestmilch, dem Kolostrum.

Nicht mehr am Markt

Bei dem Impfstoff handelte es sich um ein Präparat mit dem Namen PregSure, hergestellt vom Pharmakonzern Pfizer. Heute ist wissenschaftlich erwiesen, dass er die Ursache für die blutenden Kälber ist. Im April 2010 hat die Firma den Impfstoff zuerst in Deutschland, dann in der gesamten EU vom Markt genommen und vor einem halben Jahr auf die Zulassung offiziell verzichtet.

Offiziell sind an die viertausend Kälber in Deutschland an den Spätfolgen der Impfung mit PregSure verendet. Experten gehen davon aus, dass es in Wahrheit noch viel mehr sind.

Adressen & Links

Ludwig-Maximilians-Universität München

Klinik für Wiederkäuer
Sonnenstr. 16
85764 Oberschleißheim
Telefon: 089 / 2180 - 78800
www.wdk.vetmed.uni-muenchen.de

Tiergesundheitsdienst Bayern e.V (TGD)

Senator-Gerauer-Str. 23
85586 Poing - Grub
Telefon: 089 / 9091-0
www.tgd-bayern.de

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)

Sachgebiet TF 2 Pathologie
Eggenreuther Weg 43
91058 Erlangen
Telefon: 0 91 31 / 6808-0
www.lgl.bayern.de

Interessengemeinschaft Blutschwitzer

Arnd Cappell-Höppken
Schulweg 5
46569 Hünxe
Telefon: 0 28 58 / 2240
www.ig-blutschwitzer.de