Bayern 2 - Notizbuch

Flüchtlingskinder Kein Geld für den Sportverein

Schulausflüge, Mittagessen im Hort, Musikunterricht und Sportverein kosten Geld. Auch bedürftige Kinder sollen daran teilnehmen können. Deshalb gibt es das Bildungspaket. Doch gerade die Bedürftigsten bekommen nichts.

Stand: 16.02.2012
Vier Jugendliche mit einem Ball in einer Turnhalle | Bild: colourbox.com

Zehn Euro im Monat reichen nicht für Reitstunden oder Geigen-Einzelunterricht. Aber die Mitgliedschaft in einem Sportverein oder die Teilnahme an einer Gruppe "Musikalische Früherziehung" lassen sich mit zehn Euro zumindest zu einem großen Teil finanzieren. Diesen Betrag bekommen auf Antrag Kinder von Hartz-IV-Empfängern und anderer bedürftiger Eltern als "Leistung für Bildung und Teilhabe" aus dem sogenannten Bildungspaket.

Vier Jahre bis zum Anspruch

Das Bildungspaket hat aber eine Lücke: Kinder von Asylbewerbern sind nicht ausdrücklich berücksichtigt. Sie haben erst nach vier Jahren Anspruch auf Leistungen: Wer seit 48 Monaten in einem Asylverfahren steckt, hat Ansprüche analog zur Sozialhilfe. Das schließt die Leistungen des Bildungspakets aus dem Bundeshaushalt ein. Bei Kindern, die noch nicht so lang in Deutschland leben, sind diese hingegen nur Kann-Leistungen. Das heißt, Bundesland und Kommune entscheiden, ob sie die Bildungs- und Teilhabeleistungen bezahlen. Bei der "Bildung" springt in Bayern das Land ein: Kinder von Asylbewerbern bekommen zum Schuljahresanfang siebzig Euro und zum Halbjahr dreißig Euro für den alltäglichen Unterrichtsbedarf wie Hefte und Stifte. Die zehn Euro monatlich für die "Teilhabe", also Sport oder Musik, erhalten sie hingegen nicht.

Bildung für Benachteiligte

Nach Berechnungen der SPD-Bundestagsfraktion würde die vollständige Einbeziehung der rund 25.000 betroffenen Asylbewerberkinder zehn bis 15 Millionen Euro pro Jahr kosten. Vergleichsweise wenig zu den 1,3 Milliarden Euro, die das gesamte Bildungspaket jährlich kostet. Auch der bayerische Flüchtlingsrat kritisiert die Politik von Bund und Land als kurzsichtig: Die Kinder von Asylbewerbern seien ohnehin schon benachteiligt. Gesellschaftliche Teilhabe könne da den Bildungserfolg erhöhen und Zukunftschancen verbessern. Im Sportverein beispielsweise wüchsen nicht nur die körperlichen Fähigkeiten, sondern auch die Sprachkenntnisse. Zudem würden knapp die Hälfte der Ausbildungsplätze über soziale Kontakte vermittelt. Daher sei es unbegreiflich, gerade Flüchtlingskinder vom Vereinsleben auszuschließen, in dem solcher Kontakte geknüpft werden.