Bayern 2 - Notizbuch


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Toter Winkel Was müssen Radler, Brummi- und Autofahrer beim Abbiegen beachten?

Immer wieder passieren schwere Abbiegeunfälle zwischen Radlern, Bussen, Lkw und Autofahrern. Schuld ist oft der sogenannte „Tote Winkel“. Der Bereich, den der Fahrer weder direkt noch mit Hilfe der Rück- und Seitenspiegel einsehen kann.

Von: Christine Grigoleit

Stand: 11.09.2017

Toter Winkel beim Auto | Bild: picture-alliance/dpa

Die Ampel ist grün; daneben stehen eine Radlerin die geradeaus fahren will und ein Autofahrer, der rechts abbiegen möchte. Die beiden wären fast zusammengeprallt.  Schuld daran ist oft der tote Winkel. Besonders gefährlich sind solche Situationen wenn Bus oder Brummis daran beteiligt sind. Denn je breiter das Fahrzeug ist und je höher Front- und Seitenscheiben liegen, desto größer ist der tote Winkel. Doch in der Unfallforschung heißt es: Um das zu entschärfen, lasse sich schon vor dem Start der Brummis durchs richtige Einstellen der Spiegel etwas tun. Und dafür gibt es Orientierungshilfen:

"Es gibt eine Spiegelschablone, findet man häufig in Raffinerien oder auch Betriebshöfen wo man auf eine definierte  Fläche mit dem LKW fährt und dann seine gesamten Spiegel einstellt auf die unterschiedlichen Bereiche. Das heißt,  ich stell mir dann als Fahrer meine Spiegel so ein, dass ich in dem jeweiligen Spiegel auch die jeweilige Fläche sehe."

Jürgen Bente, Deutscher Verkehrssicherheitsrat

Beim Lastwagen sind sechs Spiegel angebracht.  An der rechten Fahrerseite ein  herkömmlicher Seitenspiegel sowie ein Weitwinkel- und Rampenspiegel. Doch diese Ausstattung reiche nicht aus um die Zahl von Abbiegeunfällen zu verringern. Auch elektronische Abbiege-Assistenten – heißt es, wären eine gute Hilfe: 

"Es gibt technische Helfer, die über Sensorik den Bereich neben dem LKW erfassen und auch die sogenannte Schleppkurve überwachen; kennt glaube ich jeder, der schon mal gesehen hat wenn ein LKW abgebogen ist. Die Hinterachse von einem Sattelaufleger z.B. läuft ja viel enger als vorne die Sattelzugmaschine fährt und dieser komplette Bereich wird technisch überwacht. Wenn sich dort ein Mensch befindet, ein Radfahrer z.B. wird der Fahrer akustisch und optisch darauf hingewiesen und gewarnt."

Jürgen Bente, Deutscher Verkehrssicherheitsrat

Doch so lang nicht alle Brummis mit solchen Helfern unterwegs sind und der Gesetzgeber diese Abbiegeassistenten nicht vorschreibt empfehlen Verkehrsexperten und Unfallforscher den Radlern, auf ihr Vorfahrtsrecht zu verzichten und sichtbar vor dem Lkw oder weit hinter ihm stehen zu bleiben und zu warten bis er abgebogen ist.

Doch auch für Autofahrer ist der tote Winkel ein Problem. Auch die sehen im Spiegel die Radfahrer oder Fußgänger direkt neben dem Fahrzeug kaum oder gar nicht.

"Wichtig ist, dass Sie vor jedem Abbiegen und vor jeden Spurwechsel den Schulterblick machen, so wie Sie das in der Fahrschule gelernt haben; um Zusammenstöße zu vermeiden mit Radfahrern die sich vorher im toten Winkel befunden haben und erst jetzt sichtbar sind."

Johannes Boos, ADAC

Und für Radfahrer gilt auch hier: Den Blickkontakt mit dem Fahrer suchen, sicher gehen, dass man gesehen wird und im Zweifelsfall den Abbiegenden vorbeizulassen.


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