Fair Trade Sportbekleidung Mit gutem Gewissen schwitzen?
Firmen wie Adidas oder Nike nutzen die Olympischen Spiele, um Werbung für ihre Produkte zu machen. Doch NGOs wie die Christliche Initiative Romero kritisieren die Produktionsbedingungen in den Fabriken.
Roger Federer ist der wohl beste Tennisspieler aller Zeiten. Bei Olympia in Londonsteht er im Nike-Dress auf dem Platz, von den Turnschuhen bis zum Stirnband. Mit solchen Werbeverträgen verdient Roger Federer laut der Forbes-Liste jährlich 45 Millionen Dollar. Bei Nike hat er zudem eine eigene Kollektion. Das Poloshirt „Federer Smash Lawn“ kostet im offiziellen Nike-Shop 70 Euro.
1 Prozent vom Ladenpreis geht an die Näherin
Von diesem Geld sehen die Näherinnen in den Nike-Fabriken in Bangladesh oder El Salvador wenig. "Gerade mal 1 Prozent vom Ladenspreises verdient eine Näherin pro Shirt, Trikot oder Schuh", sagt Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero. Bei dem Polo-Shirt der Federer-Kollektion sind das 70 Cent. Der Rest gehe in Werbung, Transport und nicht zuletzt in die Ausschüttungen für die Aktionäre, so Pflaum. Ob die Firma aber Nike oder Adidas heißt, ist hier egal. Denn die großen Hersteller lassen in den selben Fabriken nähen. Oft ändert sich wöchentlich, für wen die Frauen gerade arbeiten.
Eine Woche Nike, eine Woche Adidas
Nach Recherchen der Christlichen Initiative Romero kommen Näherinnen in El Salvador mit diesem Lohn auf 175 $ pro Monat. Das liegt innerhalb des gesetzlichen Mindestlohns von El Salvador. Darauf verweisen auch die Sportartikelhersteller. Aber: "Dieser Mindestlohn ist nicht kostendeckend", sagt Maik Pflaum.
Zum Leben reicht der Mindestlohn nicht
Um den Grundbedarf einer Familie zu decken, braucht es vier- bis fünfmal den gesetzlichen Mindestlohn. Das bestätigen auch die Zahlen des Wirtschaftsministeriums in El Salvador. Danach benötigt eine vierköpfige Familie 760$ im Monat. Das heißt: selbst wenn beide Eltern arbeiten, verdienen sie weniger als die Hälte dessen, was sie als Grundbedürfnis bräuchten. Deshalb machen die Näherinnen regelmäßig sogenannte freiwillige Überstunden. Häufig arbeiten auch die Kinder mit, um die Familie zu ernähren.
Chemikalien in der Produktion
Kritik an den Sportartikelherstellern Nike, Adidas und Puma hagelt es auch im ökologischen Bereich. So kritisiert Greenpeace, dass die Hersteller mit Fabriken arbeiten, die gesundheitsschädigende Chemikalien verwenden. Denn der Verdacht ist, dass diese Chemikalien dann in Flüsse abgeleitet werden. In China, dem Hauptstandort der Textilindustrie, sind 70 Prozent der Flüsse und Seen verschmutzt.
Trotzdem ist es nicht sinnvoll, deshalb Herstellungsländer wie China, Bangladesh oder Taiwan zu meiden. Denn: "Allein der Auftraggeber entscheidet darüber, wie die Produktionsbedingungen in einer Fabrik sind, nicht aber das Herstellungsland", so Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero.
Faire Sportbekleidung - gibt es das?
Wer ökologisch und sozial fair hergestellte Sportkleidung sucht, hat es in normalen Sortgeschäften eher schwer. Denn im Lauf und Fitnessbereich gibt es kaum Firmen, die sich für faire Produktionsbedingungen einsetzen. Eine Ausnahme: die Schweizer Firma Odlo. Sie ist Mitglied in der Fair Wear Foundation, einer Stiftung, die ihre Mitglieder zu fairen Produktionsbedingungen verpflichtet.
Der Grundbedürfnislohn ist hier ebenso Standard wie sichere und gesunde Arbeitsbedingungen oder das Verbot von Kinderarbeit. Weitreichende Kontrollen garantieren die Einhaltung der Richtlinien. Neben Odlo sind auch die Firmen Mammut, Jack Wolfskin, Deuter, Schöffel und Vaude Mitglied. Im Outdoorbereich gibt es viele Hersteller, die faire Sportkleidung anbieten. Das heißt also: T-Shirts und Hosen aus der Berg- oder Wanderabteilung nebenan probieren, und einfach zweckentfremden. Dann klappts auch beim Sporteln mit dem guten Gewissen.

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