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Münchner Marionettentheater wird 65 Kleinod im Keller

Ein kleines Kellertheater im Münchner Stadtteil Schwabing, nicht weit vom Elisabethplatz. Ein Seiteneingang eines unscheinbaren Mietshauses aus den 50er-Jahren führt über eine schmale Betontreppe in den Zuschauerraum mit gerade einmal sechs roten Sitzreihen, an den Seiten weitere Sitzplätze bis unter die niedrige Kellerdecke.

Autor: Roland Söker Stand: 30.01.2012
Figur Galy Gay | Bild: Kleines Spiel

Es riecht etwas muffig. Aber die Aufmerksamkeit der etwa 40 Zuschauer ist auf die kleine Bühne gerichtet, auf der sich drei Soldatenfiguren bewegen, an Fäden geführte Marionetten.

Figurenspieler

Blasse Gesichter haben die Soldaten und leere Augen. Ihre rechten Arme sind stilisierte Maschinengewehre. Das ist kein Kindertheater. Das Brecht-Stück "Mann ist Mann" steht auf dem Spielplan. Als das Kleine Spiel im Februar 1947 inmitten der Münchner Trümmerlandschaft Premiere hatte, dachte wohl niemand daran, dass es sechseinhalb Dekaden später immer noch in Betrieb sein würde. Doch die Puppen wurden von Generation zu Generation weitergereicht, neue Stücke kamen hinzu und immer wieder fanden sich begeisterte Laienspieler, die das Theater weiter betrieben.

Roland Söker porträtiert das wenig bekannte aber eindrucksvolle kleine Theater mit seiner spannenden Geschichte und einem Ensemble quer durch alle Altersgruppen. Während das Publikum sich an phantasievollen Figuren und einfallsreichen Inszenierungen erfreut, eröffnet das Kleine Spiel für die Ensemblemitglieder auch Möglichkeiten der Qualifikation. In den 50er-Jahren machte zum Beispiel ein Student namens Tankred Dorst hier seine ersten Schritte als Dramatiker.