Essay und Diskurs nachtstudio.kleinformat
Auch das nachtstudio.kleinformat widmet sich dem Forum Essay 2012. MERKUR-Redakteur Christian Demand stellt den den Maler und Essayisten Hans Platschek vor. Und Thorsten Jantschek entwickelt eine Typentheorie des Künstlers.
Diesmal mit Beiträgen und Mitschnitten von und zum Forum Essay 2012 "Redet Kunst".
kiosk - Die internationale Zeitschriftenschau von Thomas Palzer
Am 9. Juni öffnet die maßgebliche Ausstellung für zeitgenössische Kunst ihre Türen - die dOCUMENTA (13). Über eine halbe Million Besucher werden zur diesmaligen dOCUMENTA erwartet. Kleines d, große Ökumene: OKUMENTA. Kunstreligion hat die Religionreligion beerbt, was schon an den meist im priesterlichen Schwarz gekleideten Kuratoren zu erkennen ist. Oder an der andächtigen Stille, die gewöhnlich in den Museumstempeln herrscht. Die fortlaufende Nummer ist aus womöglich denselben Gründen in Klammern gesetzt, weshalb Hotels Zimmer mit der Nummer 13 meist nicht führen.
Die documenta findet seit 1955 statt, ist also ein Kind der 1950er Jahre - ebenso wie die Constructa, jene Waschmaschinenfirma, die heute immer noch existiert. Tradition, d. h., was gewachsen war, war nach den Erfahrungen zweier Weltkriege verdächtig; die Dinge wurden besser konstruiert. Von Grund auf neu. Passend dazu bespricht Thomas Palzer in diesem kiosk zwei Kunstzeitschriften: bauhaus aus Dessau und nicolai. Kunst, Kultur, Design und Architektur aus Berlin. Die aktuelle Ausgabe von bauhaus widmet sich der Frage, welche Rolle die Dessauer Schule in Israel gespielt hat, nicolai wirft einen Blick auf die Kunst- und Galerienszene in Istanbul.
Typentheorie des Künstlers im Gespräch von Thorsten Jantschek
Aus der Praxis des Radiomachens berichtet Thorsten Jantschek. Im nordwestradio führt regelmäißg Gespräche mit Künstlern, immer im Bewusstsein, dass diese Form eigentlich eine doppelte Zumutung ist. Zum einen für die Künstler selber, die sich sich ansonsten in der Öffentlichkeit genau nicht im Medium Sprache ausdrücken. Zum anderen für den Interviewer und die Zuhörer, denn das wichtigste Anschauungsmaterial, die Bilder des interviewten Künstlers, fehlen hier wie dort im Augenblick des Gesprächs. Trotzdem sind Künstlergespräche für alle Beteiligten meistens ein Gewinn. Im besten Falle sind sie unterhaltsam und schlau zugleich. Was dem Hörer wie dem Interviewer dabei hilft: Künstlerinnen und Künstler schlüpfen - mehr noch als Musiker oder Politiker - im Moment des öffentlichen Gesprächs in eine Rolle. Rollen, die für Thorsten Jantschek ihre Vorbilder in der klassischen Commedia dell'Arte haben. Das belegt er mit O-Tönen und Zitaten von Künstlern wie Jonathan Meese oder Daniel Richter.
Heiliger Narr. Über den Maler und Essayisten Hans Platschek von Christian Demand
Auf dem Forum Essay 2012 stellte Christian Demand, Herausgeber des MERKUR, den Künstler und Essayisten Hans Platschek vor. Platschek kam am 12. März 1923 in Berlin zur Welt, er starb am 9. Februar 2000 in Hamburg. In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg gelang ihm ein beeindruckender Aufstieg in der Kunstwelt. Doch mit seines meinungsstarken, ja zum Teil bösartigen Texte über Kollegen und mit seinem singulären Kunstverständnis machte er sich viele Feinde im Kunstbetrieb. So wurde er kaum noch ausgestellt noch gedruckt.
"Ende der 50er, bis Mitte der 60er Jahre galt er als eine der großen Nachwuchshoffnungen des deutschen Informel, wie die neueste Spielart der abstrakten Malerei genannt wurde, der damals allseits eine große Zukunft vorhergesagt war. Wie bei vielen Nachkriegskünstlern verweist das Wort 'Nachwuchs' auch in diesem Fall nicht etwa auf unbekümmerte Jugendlichkeit. Platschek war Jahrgang 1923, ging also bereits deutlich auf die Vierzig zu. Als Jugendlicher war er mit seiner Familie – die Mutter war Jüdin – von Berlin nach Südamerika emigriert, hatte in Montevideo Malerei studiert und war erst 1953 wieder nach Deutschland zurückgekehrt, wo er dann allerdings ziemlich rasant Karriere machte. Im Jahr 1959 gab er im renommierten Piper Verlag mit einem ersten Essayband ein weithin beachtetes Debut als Kunstschriftsteller, das ihn als echte Doppelbegabung auswies. In ihrer stilistischen Brillanz und artistischen Finesse waren seine Texte Lichtjahre von der üblichen künstlerischen Gelegenheitsprosa entfernt."
Christian Demand
Gerade sein Urteilsvermögen und seine Fähigkeit, Bilder genau zu beschreiben und ihre Machart zu analysieren, sind wichtige Argumente, sich mit dem Werk von Hans Platschek wieder auseinanderzusetzen. Im nachtstudio.kleinformat hören Sie einen Mitschnitt von Christian Demands Vortrag über Hans Platschek auf dem Forum Essay 2012.
Moderation: Barbara Schäfer

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