Bayern 2 - Nachtstudio


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Religionsfreiheit Nun, Staat, wie hast du's mit der Religion?

Die Religionsgemeinschaften in Deutschland verlieren Jahr für Jahr Mitglieder, gleichzeitig sorgen Glauben und Religion für scharfe Diskussionen. Gute Gründe, um über das Verhältnis von Gesellschaft und Glauben zu reden.

Von: Thomas Kretschmer

Stand: 06.12.2016

Ende November 2016 entschied das Bundesverfassungsrericht in Karlsruhe, dass das Tanzverbot am Karfreitag in Bayern in seiner bisherigen Form mit den Grundrechten unvereinbar sei. Ein absolutes Verbot von öffentlichen Tanzveranstaltungen an diesem stillen Feiertag ist aus Sicht des Gerichts unverhältnismäßig. Diese Entscheidung des höchsten Gerichts hat zu deutlichen Kommentaren geführt.

"Es ist damit zu rechnen, dass eine Minderheit aggressiver Atheisten weiter versuchen wird, Nadelstiche gegen die Bevölkerungsmehrheit zu setzen. Das liegt im Trend der Zeit."

Klaus Nachbaur, Schwäbische Zeitung, 01.12.2016

Ist es tatsächlich ein Trend unserer Zeit, dass die Bevölkerungsmehrheit von aggresiven Atheisten gepiekst wird? Vielleicht ist es doch eher so, dass sich die Gesellschaft auch auf dem Feld der Religionen und Weltanschauungen weiter und weiter ausdifferenziert; die Zahl der verschiedenen Minderheiten also zunimmt, während die beiden großen Kirchen kleiner werden, im Hinblick auf die Zahl ihrer Mitglieder genauso wie im Hinblick auf ihre Relevanz. Das führt zu Verwerfungen und Brüchen, denn die neuen Entwicklungen lösen alte Weltbilder ab.

Positive und negative Religionsfreiheit

Was dagegen bleibt, ist die Abwägung zwischen positiver und negativer Religionsfreiheit. Die positive Religionsfreiheit erlaubt es, Religion im öffentlichen Raum zu leben. Die negative Religionsfreiheit schützt den Einzelnen vor einer übermäßigen Konfrontation mit Religion. Welche dieser Freiheiten nun wichtiger ist, das ist und bleibt eine Frage der Abwägung, die in einer pluralen säkularen Gesellschaft weiterhin häufig gestellt werden wird.

Es diskutieren:

  • Monika Wohlrab-Sahr, Religionssoziologin, lehrt und forscht am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig. Sie hat Soziologie und evangelische Theologie studiert. Schwerpunkte ihrer Forschung waren unter anderem die Säkularisierung in Ostdeutschland und die Konversion zum Islam. Aktuell beschäftigt erforscht sie Multiple Säkularitäten.
  • Mathias Rohe ist der Gründungsdirektor des Erlanger Zentrums für Islam und Recht in Europa und Professor für Bürgerliches Recht und Rechtsvergleichung an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Sein Buch "Islamisches Recht" ist inzwischen in der dritten Auflage erschienen, ganz aktuell hat er den Band "Der Islam in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme" veröffentlicht.

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