Bayern 2 - Nachtstudio

Welche Welt ist meine? Erinnerungen an Hilde Spiel

Am 19. Oktober 2011 würde Hilde Spiel 100 Jahre alt. Noch in der österreichischen Monarchie geboren, war sie Zeugin der Umbrüche im 20. Jahrhundert. Hilde Spiel hat viele ihrer Erinnerungen literarisch festgehalten.

Autor: Hans A. Neunzig Stand: 13.10.2011
Die Schriftstellerin Hilde Spiel | Bild: picture-alliance/dpa

Hilde Spiel wurde in Wien geboren, entstammte einer wohlhabenden, assimilierten jüdischen Familie und wuchs in der Endphase der k.u.k.-Monarchie auf. Von Anfang an war sie Zeitzeugin und genaue Beobachterin der Umbruchphasen der österreichischen Geschichte im 20. Jahrhundert. Schon als 17jährige Schülerin saß Hilde Spiel im heute nicht mehr existierenden Café Herrenhof in Wien zwischen den berühmten Schriftstellern Österreichs. Bereits mit 23 Jahren erhielt sie einen renommierten Literaturpreis. Seit Ende der 1920er Jahre sympathisierte sie mit der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, der sie 1933 beitrat.

"Ich hatte nach diesem Februar 1934 beschlossen, nicht in Wien zu bleiben. Ich hatte ja das langsame Entstehen des Ständestaates und die Verzerrung des Ständestaates in eine Imitation des künftigen Nazi-Regimes gesehen. Im Sommer 1936, als der Pakt geschlossen wurde zwischen Schuschnigg und Hitler, war ziemlich klar, dass das alles Aufschubmanöver waren. Ich war fest entschlossen zu gehen, wollte aber noch zu Ende studieren. Ich hatte vor allem Angst vor meiner eigenen Kompromissfähigkeit."

Hilde Spiel im Interview

Fremd im eigenen Land? Hilde Spiel zwischen London, Berlin und Wien

Immer zwischen ihrem Brotberuf der Journalistin und Essayistin und der Literatur wechseln zu müssen, blieb ein Grundkonflikt für Hilde Spiel. Im Exil in London überlebte sie mit ihren beiden kleinen Kindern die Angriffe der sogenannten "deutschen Wunderwaffe", und erfuhr nach Kriegsende den Zwiespalt, weder in ihrer neuen Heimat England, noch im alten Vaterland Österreich wirklich zuhause sein zu können. Bis 1963 blieb sie in Großbritannenien, dann erst kehrte sie nach Österreich zurück. Hilde Spiel starb am 30. November 1990. Am 19. Oktober wäre Hilde Spiel einhundert Jahre alt geworden. Hans A. Neunzig lässt in seiner Sendung Hilde Spiel in Originalaufnahmen zu Wort kommen und fragt ihren Sohn Felix de Mendelssohn nach Erinnerungen an seine Mutter.

Werke (Auswahl)

  • Kati auf der Brücke. Roman. Berlin 1933.
  • Flöte und Trommeln. Roman. Wien 1947.
  • Welt im Widerschein. Essays. München 1960.
  • Lisas Zimmer. Roman. München 1965.
  • Rückkehr nach Wien. Tagebuch. München 1968.
  • Die hellen und die finsteren Zeiten. Erinnerungen. München 1989.
  • Welche Welt ist meine Welt? Erinnerungen. München 1990.