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Heinz von Foerster Ein Physiker und die Realität

"Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners." Davon war Heinz von Foerster überzeugt. Der Physiker gilt als Vertreter des Konstruktivismus. Wie man auch ohne absolute Wahrheit forschen kann, das zeigte von Foerster ein Leben lang.

Autor: Mareike Maage Stand: 10.11.2011
Heinz von Foerster im Labor | Bild: Heinz von Foerster-Archiv am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien

Der Physiker und Philosoph Heinz von Foerster, 1911 in Wien geboren, ist einer der Begründer des Konstruktivismus in der Wissenschaft. Mit seinen Überlegungen zu Wahrnehmung der Welt wie des Anderen hat von Foerster sowohl die systemische Familientherapie als auch die Systemtheorie von Niklas Luhmann maßgeblich mitgeprägt. Das zeigt sich zum Beispiel in Luhmanns berühmten Satz aus seinem Buch über die Realität der Massenmedien: "Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien."

Wahrheit und Beobachtung

Heinz von Foerster

Weil Wahrheit sich immer systemrelativen Produktionsprozessen und systemrelativen Beobachterstandpunkten verdankt, gibt es in gewisser Art und Weise so viel Wahrheiten, wie es Beobachtungsvariationen und Beobachtungsprozesse gibt, also durchaus deswegen eine Pluralisierung sowohl von Wirklichkeit als auch von Wahrheit und Wahrheitsansprüchen. Das ist, in Kurzform, das Programm des sogenannten radikalen Konstruktivismus ausmacht. Diese philosophische Position, die seit Anfang der 1980er Jahre zunehmend Gehör findet, hat sich von der Resignation ihrer Vorläufer erholt und will beweisen, dass man ganz im Sinne von Heinz von Foerster auch ohne den Anspruch auf Erkenntnis absoluter Wahrheit sehr wohl Wissenschaft betreiben kann, und zwar heiteren Sinnes.

"Er war ein interessanter Mann. Er war ein Mann, der systemisch gedacht hat. Und er war freudig, genussvoll. Das ist, was ich sagen will: Intelligent, genussvoll, kühn. Und er tat Dinge, die sehr interessant für mich waren."

Humberto Maturana, chilenischer Neurobiologe

Die Geburt der Kybernetik

Heinz von Foerster

Heinz von Foerster war Protokollant der berühmten Macy-Konferenzen, die zwischen 1943 und 1953 in den USA stattfanden. Sie begründeten die neue Wissenschaft der Kybernetik, die grundlegende Konzepte zu Steuerung und Regulation von Systemen hervorbrachte. Nach den Erfahrungen des 2. Weltkrieges sollte eine Wissenschaft entstehen, die auch eine Vorhersage und Kontrolle menschlichen Verhaltens möglich macht. Heinz von Foerster kehrte nie mehr nach Wien zurück, er blieb in den USA und machte dort Karriere als Wissenschaftler an der Univeristät Illinois. Inzwischen hat die Kybernetik ihre große Zeit als Einzeldisziplin hinter sich, doch in vielen Bereichen der Wissenschaften leben ihre Erkenntnisse fort; und damit auch die Erkenntnisse Heinz von Foersters.