Bayern 2 - Nachtmix

Neuerscheinungen der Woche LCD Soundsystem | Casper | Jake Bugg

Nach nur sechs Jahren Pause feiert das LCD Soundsystem aus New York nun sein Comeback mit einem allerdings zuverlässigen Album. Hierzulande warten alle auf das neue Werk des Vorzeige-Rappers Casper. In England freut man sich auf Neues von Jake Bugg, der sich als Ed Sheeran für Anspruchsvollere präsentiert. Verlässliche Neo-Disco kommt einmal mehr von Hercules and Love Affair ...

Von: Roderich Fabian

Stand: 31.08.2017

Cover: Casper - Lang lebe der Tod | Bild: Columbia/Sony

Jake Bugg - Hearts That Strain

Als Bugg vor fünf Jahren auf der Szene erschien, war er mit seinen damals 18 Jahren ein Wunderkind des Pop. Auf seinem fünften Album hat sich dieser Bonus längst aufgebraucht. In Zeiten, in denen Ed Sheeran mit seinem belanglosen Schlager-Pop die Welt beherrscht, versucht Jake Bugg nachzuziehen statt dagegen zu halten - das Ergebnis ist in seiner Berechenbarkeit geradezu erschütternd. (5,5 Punkte von 10)

Surfing Magazines - Sufing Magazines

Sie sind ein Ableger der supersympathischen Pub-Rocker von den Wave Pictures, dazu kommt die eine Hälfte des Slow Clubs. Als solche machen sie weiterhin Pub-Rock, der jedoch auch viel aus dem amerikanischen Psychedelic-Rock der Sechziger Jahre borgt. Die Magazines verneigen sich auf respektvolle und angemessene Weise vor den Byrds, Jefferson Airplane oder Love. Das Ganze läuft - wie bei den Wave Pictures - unter dem Motto: Warum eigentlich nicht? (6,9

Chuckamuck - Chuckamuck

Eine gewisse Passt-schon-Mentalität war schon immer diesen Berlinern anzumerken, die nach längerer Pause mal wieder ein Album fertig bekommen haben. Es bringt auch Coverversionen mit sich, eine von Charles Aznavour und eine von Mutter. "Die Erde wird der schönste Platz im All" - ein schönes, positives Lied - geschrieben ausgerechnet vom Berliner Apokalyptiker Max Müller für seine Band Mutter - taucht hier wieder auf. Und das passt auch ganz gut. Irgendwie sind sie Nachgänger der Ton Steine Scherben, nicht so dringlich wie diese und deutlich von Punk beeinflusst, aber ebenso unmittelbar und rauh - beautiful losers, sozusagen. (6)

Belgrad - Belgrad

Hier wirken Mitglieder der Polit-Punk-Ikonen Slime mit. Hier ist alles politisch, wenn auch poetisch verbrämt. Belgrad nehmen Stellung zur Unwirklichkeit der deutschen Gegenwart. Rocker in der Grundauffassung, haben sie sich für ihr erstes Album die Melancholie von The Cure zueigen gemacht. (6,6)

Casper - Lang lebe der Tod

Einer der erfolgreichsten, einheimischen Rapper liefert eine Zehn-Song-Collection, die so düster wir der Titel klingt. Casper erkennt überall Niedergang und Verfall. Musikalisch ist er so rockistisch wie noch nie. Manchmal fühle ich mich an die Toten Hosen erinnert, was natürlich nicht unbedingt eine Empfehlung ist. Und Kollegen wie Drangsal, Blixa Bargeld und Portugal The Man wirken mit - demnächst steht das Album auf Platz eins der deutschen Charts, das steht schon mal fest. Ich kann mit dieser Naivität, die als Dringlichkeit verkauft wird, nicht sehr viel anfangen. (5)

Dälek - Endangered Philosophies

Intensität war schon immer das Motto dieser amerikanischen Underground-Rapper. Sie bringen nach längerer Pause mal wieder ein Album mit ihrem typischen Sound heraus. Wieder geht es um die Abgründe der USA im Besonderen und der der menschlichen Seele im Allgemeinen. Aber: Dälek tun sich schwer mit dem Anprangern, jetzt, wo mit dem Einzug von Donald Trump ihre dunkelsten Alpträume wahr geworden sind. Und manchmal werden sie dann zwingenderweise melancholisch. Sie lassen wie immer eine träge, breiige Masse aus den Boxen fließen. Ihr wisst schon: Auf die Dauer... (6)

LCD Soundsystem - American Dream

Das Comeback nach sechs Jahren Abstinenz: James Murphy hatte für die Wiederkehr seiner Band wohl ein Angebot vorliegen, dass er nicht ablehnen konnte. Ergebnis ist ein ausuferndes Album, das vor allem dann gut ist, wenn sich Murphy auf die alten Stärken besinnt, auf simple Beats und einen coolen Electro-Rock mit sarkastischen Texten. Die Balladen fallen da etwas ab. Angeblich hat David Bowie kurz vor seinem Tod Murphy aufgefordert, das LCD-Oeuvre fortzuführen - und tatsächlich orientiert sich die Band häufiger an verschiedenen Phasen in Bowies Werk. Das 12minütige Abschlussstück "Black Screen" erinnert an "Low" und "Heroes", und eine Up-Tempo-Nummer wie "Change Your Mind" an den weißen Funk Bowies, den er in den späten 70er geliefert hatte. Ich kann mich den tanzbaren Nummern nicht entziehen. Dies ist definitiv Musik für Leute, die mit dem Rock and Roll aufgewachsen sind, sich aber der Elektronik gegenüber nicht verschließen. (7,6)

Daughter - Music From Before The Storm

Dies ist Musik für ein Coming-of-Age-Computerspiel, hergestellt von den  Spezialisten für verwunschenen Electro-Pop. So kann man heute als Musiker wenigstens noch anständig Geld verdienen. Natürlich gibt’s hier eine Reihe von “magischen” Instrumentals, aber auch eine ganze Reihe von Vocal-Tracks. Aber die Musik steht nur bedingt für sich allein, und wenn, dann erinnert sie an frühen Prog-Rock à la Genesis der frühen Jahre. (6,7)

Bruno Major - A Song For Every Moon

Dass man sich nach neuen Methoden umschauen muss, um im Musikgeschäft zu überleben, hat sich wohl auch der talentierte Brite Bruno Major gedacht. Er hat ein Jahr lang jeweils einen Song pro Monat veröffentlicht, d. h. online gestellt und so auch ein bisschen sein Leben dokumentiert. Der Spezi von James Blake hat sich nun aber doch entschlossen, diese gesammelten Werke als Album herauszugeben, mit zugänglichen, modern produzierten, wenn vielleicht auch berechenbaren Popsongs. (6,5)

5K HD - And To In A

Cover: 5K HD - And To In A  | Bild: Seayou

5K HD besteht aus der Sängerin Mira Lou Kovacs und der Wiener Neo-Jazz-Band "Kompost 3". Diese Kombi ist verblüffend, weil absolut großartig. 5K HD zeigen einen Weg auf, wie es für den Jazz weitergehen könnte, wenn er sich nämlich moderneren Erscheinungsformen nicht verschließt und gleichzeitig Wesensmerkmale wie die der Improvisation nicht aufgibt - eine ganz große Empfehlung in dieser Veröffentlichungswoche. (8,0)

Hercules And Love Affair - Omnion

Das alles klingt nicht wirklich aus einem Guss, sondern eher wie eine Sammlung unterschiedlicher Tracks. Dabei ist viel konventionelle House Music, aber auch ein paar bestechend elaborierte Stücke wie das wunderbare "Running" mit Sängerin Sis Ey. Man kann dieses durchwachsene Album am besten in kleineren Dosen genießen. (5,8)

Silent Strike - It's Not Safe To Turn Off Your Computer

Silent Strike - It's Not Safe To Turn Off Your Computer | Bild: RAR marketed by Motor Entertainment

Dies ist das Album eines rumänischen Electro-Pop-Produzenten, der hier mit diversen Sängern arbeitet. Silent Strike funktioniert absolut auf der Höhe der Zeit und liefert hier ein erstaunlich rundes Album ab, auch wenn ebenfalls die dunklen Seiten überwiegen. (7,0)