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Neuerscheinungen der Woche Fünf Sterne Deluxe | Liam Gallagher | Wanda

Liam Gallagher bringt sein erstes Soloalbum raus, obwohl er doch am liebsten ein Oasis-Album präsentiert hätte. So heißt es weiter warten, bis die Gallaghers wieder miteinander wollen. Bis dahin trampeln Wanda aus Wien mit dem neuen Album "Niente" die Pfade aus, die Oasis hinterlassen haben - diesmal mit Kindheitserinnerungen aus Wien. Wir hören Future-R&B von Kelela und Abra, Kele Okereke von Bloc Party macht auf Folksänger und relativ unverhofft kommt ein derbes Hamburger Rap-Album von Fünf Sterne Deluxe daher.

Von: Thomas Mehringer

Stand: 05.10.2017

Cover: Wanda - Niente | Bild: Vertigo Berlin

Wolf Parade - Cry Cry Cry

Das erste Album in sieben Jahren von Wolf Parade aus Kanada. Die Band, die einst mit Arcade Fire auszog, um die Welt zu erobern - geschafft haben es nur Arcade Fire. Wolf Parade sind mit soliden Alben und tollen Soloprojekten wie Sunset Rubdown oder den Handsome Furs zurückgeblieben. Das neue Wolf Parade-Album ist eine Zeitreise zurück Mitte der Nuller Jahre. Wir hören Indie-Rock, wie wir ihn von der Band kennen und an dem auch nichts groß auszusetzen ist. Man kann das Album "Cry Cry Cry" auch als Statement verstehen: Wolf Parade verweigern sich dem großen Erfolg. Das macht sie vor allem eines: grundsympathisch. (6,5 Punkte von 10)

Fünf Sterne Deluxe - Flash

Nach den Beginnern sind jetzt auch die nächsten Diggas aus Hamburg wieder am Start: Fünf Sterne Deluxe bringen nach 17 Jahren wieder ein Album raus. Und es ist stärker als das Comeback von den Beginnern. Weil es sich überhaupt nicht ernst nimmt, musikalisch total frisch daher kommt und einfach ziemlich Spaß macht. Fünf Sterne Deluxe machen nicht den Fehler, politisch sein zu wollen oder was auf den Zeitgeist zu geben - sie sind einfach die Diggas ausm Kiez von damals. Selten hat eine Crew ein Gefühl über 15 Jahre so gut konservieren können - schon gar nicht im deutschen Hip Hop. Prädikat: Derb. (7)

Maurice & die Familie Summen - Bmerika

Maurice Summen ist ein Mann mit Haltung, Frontmann der Türen und Betreiber des Staatsakt-Labels. Aus dieser Labelfamilie hat er die Familie Summen rekrutiert. Musikalischer Direktor ist Michael Mühlhaus, den wir noch von Blumfeld kennen, und noch sieben andere alte Bekannte kommen dazu. Darum will Summen das auch nicht als Soloalbum sehen, denn sonst hat er auf der Bühne und im Studio ja nie so viele Musiker um sich. Trotzdem bestimmt er hier sozusagen die politische Agenda des Projekts - und die geht gegen die Kommerzialisierung, für den Widerstand und für das Klima. Man könnte auch dazu sagen: Jammen gegen den Niedergang - und genau dieses funky Jammen auf höchstem Niveau ist sehr gelungen. (7,5)

Fräulein Brecheisen - Supergrattler

Fräulein Brecheisen erinnern stark an Mediengruppe Telekommander, Saalschutz oder HGIchT. Sie wollen das Dagegensein wieder cool machen. Ehrlich gesagt, Mediengruppe- Telekommander-Epigonen vermisse ich ja schon manchmal, da kommen Fräulein Brecheisen aus Augsburg gerade recht. (6)

Wanda - Niente

Nach "Amore" und "Bussi" sind wir jetzt bei "Niente" - die Albumtitel von Wanda aus Wien sind leicht zu merken, genau so, wie es die Hooklines der Band für gewöhnlich sind. Auf "Niente" nimmt uns Sänger Michael Marco mit in seine Kindheitserinnerungen. Wanda setzen hier sehr offen auf Nostalgie und Melancholie. Ansonsten: Ein neuer Überhit wie  "Bologna" ist nicht zu hören, und weil die Band immer mit Oasis verglichen wird, muss man festhalten, dass wir jetzt beim eher enttäuschenden "Be Here Now" angekommen sind. (5,5)

Liam Gallagher - As You Were

Antworten, die uns das erste Soloalbum von Liam Gallagher liefern: Ja, Liam ist der bessere Sänger der Gallagher-Brüder. Ja, Liam kann alleine immer noch keine ordentlichen Songs schreiben. Ja, Liam hätte lieber ein Oasis-Album aufgenommen als eines solo. Ja, das hört man auch. Ja, Liam ist in gewisser Weise altersmilde geworden, sogar sowas wie einsichtig. Nein, das macht noch kein gutes Album. Die Gigantomanie auf "As You Were" ist trotzdem gut zu hören. Aber es bleibt dabei: Nur ein weiterer, kleiner Schritt Richtung Oasis-Reunion. (6,5)

Kele Okereke - Fatherland

Wir haben es mit der Platte eines glücklichen Mannes zu tun: Kele Okereke lebt erfüllt mit seinem Partner zusammen, im Dezember ist ihre Tochter auf die Welt gekommen, außerdem hat er die schwierige Beziehung zu seinem Vater aufgearbeitet. Das alles sind Themen auf seinem dritten Soloalbum “Fatherland”. Das ganze Glück hat Kele auch in ein neues Genre geführt, denn “Fatherland” ist im Grunde ein Folk-Album - aufgenommen mit Musikern aus Portland. Vom Electrosound seiner vorherigen Soloalben ist nichts mehr zu hören, auch kein Indierock seiner Hauptband Bloc Party. Aber wie das halt oft so ist: Glückliche Menschen machen oft keine guten Platten. Das neue Genre steht Kele gut, vor allem der Soultouch, aber die Songs kommen leider zu medioker daher. (5,5)

Kelela - Take Me Apart

Kelela hat mit Björk oder Solange prominente Fans und jetzt auch ein Debütalbum. Uns ist sie schon 2013 mit "Cut 4 Me" aufgefallen, einem untypischen Gratis-Mixtape, weil dort schon alles ziemlich perfekt produziert war. Kelela ist schon Mitte 30, also keine Newcomerin, und das merkt man auf ihrem Debüt: Sie geht ihren Weg aus dem Underground und dem Club direkt in Richtung Radio - verliert aber nur wenig von ihrer Edginess. Bei Balladen wie "Better" oder "S.O.S." musste ich an Aliyah denken, beim progressiven Song "LMK" an FKA Twigs. Die Zukunft des R&B klingt nach Kelela, hieß es vorab. Wenn so die Zukunft klingt, dann klingt sie ziemlich vertraut. (7,5)

Abra - Rose

Abras Genre ist der Gothic-R&B. Sie nennt sich selbst Darkwave Duchess, also die Herzogin des Darkwave. Herzogin wohl deshalb, weil Abra einige Zeit in London gelebt hat, ihre Eltern haben da eine Kirche aufgebaut, sie stammt aus einem Missionars-Elternhaus in Atlanta. Dass sich Abra dem Darkwave zuordnet, kann man darum als Akt der Rebellion sehen - wobei ihr Darkwave auf dem Album "Rose" gar nicht so dunkel daherkommt. Der Fokus liegt klar auf tanzbarem R&B, der heute noch genauso State of the art ist, wie vor zwei Jahren - da kam das Album "Rose" nämlich schon raus. Jetzt gibt's die Platte auch auf Doppelvinyl. (8)