Bayern 2 - Nachtmix

Neuerscheinungen der Woche Fela Kuti | N.E.R.D. | RuGI

Zielgerade bei den Neu-Veröffentlichungen in diesem Jahr: Alle Weihnachts-Compilations, die meisten Box-Sets und Best-Ofs sind draußen, es erscheinen kurz vor Weihnachten nur noch wenige Platten - dafür aber ein paar Hochkaräter. Eminem feiert nach sieben Jahren sein Comeback mit seinem bisher politischstem Album. Pharrell Williams legt nach seinem Welhit "Happy" mit N.E.R.D. nach. Eine der spannendsten Boxen im Weihnachtsgeschäft kommt von Fela Kuti. Nach Questlove und Brian Eno hat nämlich jetzt auch Erykah Badu eine Fela Kuti-Box kuratiert.

Von: Thomas Mehringer

Stand: 14.12.2017

Cover: N.E.R.D. - No One Ever Really Dies | Bild: Smi Col

V. A. - Habibi Funk: An Eclectic Selection Of Music From The Arab World

Total irre: Attarazat Addahabia verwursten auf der neuen Habibi Funk-Compilation ziemlich funky Beethovens "Für Elise". Der Sampler vom Berliner Label Habibi Funk ist gefüllt mit Songs aus der arabischen Welt. Songs, für die es dort, wo sie herkommen, nie ein Genre gab, die entweder westlich oder afrikanisch beeinflusst sind und die nur eines gemeinsam haben: sie grooven ohne Ende. Klasse Compilation, die kurz vor Weihnachten nochmal einen United-in-music-Gedanken pflegt. (7,5 Punkte von 10)

N-Qia - Fantasica

N-Qia ist das Duo Nozomi und Produzent Serph steuert den Sound. Bei ihrem zweiten Album liegt der Fokus mehr auf Pop als auf Träumereien, wobei die Arrangements trotzdem komplex bleiben. Wie ein Soundtrack für einen regenbogen-bunten Manga-Film. Zugänglich und äußerst bezaubernd. (7)

Sir Rosevelt – Sir Rosevelt

Wenn ein Countrystar auf Electro-Pop macht: Zac Brown kennt man als Kopf der Zac Brown Band, der ist eine große Country-Nummer in den USA und er hat letztes Jahr Sir Rosevelt ins Leben gerufen, ein Electro-Pop-Projekt. Aber in jeder Sekunde merkt man, woher der Wind weht, vom Country herüber. Jeder der Songs, würde auch mit Banjo und Steel-Guitar funktionieren. Darum hat man auch ständig dieses Mimikry-Gefühl: hier gibt sich jemand für etwas aus, was er nicht ist. (4)

Plateau Green - The Arch Of Our Eye's Orbit

Seine Debüt-EP kam im Juni schon raus, lief auch schon im Nachtmix: Plateau Green, singender Augenarzt aus München, macht sphärische Songs mit Beats und ist Stand heute noch viel zu unbekannt. War für ein Glück, dass die EP morgen nochmal erscheint, digital bei Bandcamp und auf Platte. Plateau Green hat seine eigene Nische zwischen Sigur Ros und Folktronica der Nuller Jahre gefunden. Man kann sich nur auf ein ganzes Album freuen. (7)

RuGl - RuGl (EP)

Ich war dieses Jahr auf dem Iceland Airwaves Festival in Reykjavik, und eine meiner Entdeckungen dort sind zwei junge isländische Damen, die beim Benjamin Clementine-Konzert neben mir gesessen sind. Sie nennen sich RuGl und sind für mich die neuen First Aid Kit. Zwei Keyboards und zwei Stimmen, mehr braucht es nicht. Ihre Debüt-EP ist seit dieser Woche auf Spotify zu finden und es läuft gerade eine Crowdfunding-Aktion, um eine ganzes Album aufzunehmen. Wäre ich ein Label, ich würde jetzt zuschnappen. (6,5)

N.E.R.D. - No One Ever Really Dies

Das letzte N.E.R.D.-Album ist sieben Jahre her, da kann die Generation Yolo schon mal fragen: Wer waren N.E.R.D. gleich nochmal? Die Antwort: Produzenten Pharrell Williams, Chad Hugo und Shae Haley. Das Trio wurde als The Neptunes bekannt und sie waren als Produzenten ihrer Zeit wirklich mal sehr weit voraus. Das ist jetzt nicht mehr ganz so. In sieben Jahren ist viel passiert, Pharrell hatte den Welthit "Happy", Kendrick Lamar oder Anderson Paak sind auf der Bildfläche erschienen, eigentlich erwartet man von N.E.R.D. dass sie uns zeigen, wo es nach Trap-Musik hingeht. Das passiert auf dem neuen Album aber nicht. Die Platte krankt an einem inzwischen üblichen Syndrom: Sie ist mehr Playlist als kohärentes Album. Auf fast jedem Track gibt's einen Gast. M.I.A. ist dabei, Kendrick Lamar auch oder Andre 3000. Die Tracks sind dementsprechend auf die Gäste zugeschnitten - aber keiner davon zeigt in die Zukunft. Im Gegenteil, man ist eher ein wenig müde, weil man die Sounds vom jeweiligen Gast schon kennt. N.E.R.D. ist übrigens die Abkürzung für No One Ever Really Dies, aber hier müssen die hohen Erwartungen sterben, sonst hat man an dieser Comeback-Platte keine Freude. (5,5)

Eminem - Revival

Eminem rappt auf seinem neuen Album "Revival" über Polizeigewalt, Racial Profiling und warum man gegen Rassismus protestieren dürfen muss. Man merkt schon: Eminem ist hier politisch wie nie zuvor. Das soll sein Comeback-Album "Revival" zeigen. Schon das Cover der Platte ist unmissverständlich. Darauf: einfach nur eine Flagge der USA in sepia. Ehrlich gesagt, war Eminem für mich over, nicht mehr relevant. Aber im Oktober hat er sich mit einem Freestyle zurückgemeldet - gegen Donald Trump. Die Erkenntnis: Je dreckiger es den USA geht, desto relevanter wird Eminem wieder. (keine Wertung möglich)

Boosie BadAzz - BooPac

Er nannte sich lange Zeit Lil Boosie, bis er sich im Gefängnis umgetauft hat in: Boosie BadAzz. Boosie hat schon viele Jahre im Knast verbracht, noch mehr auf Bewährung. Überwiegend wegen Drogendelikten, aber auch eine Mordanklage war schon dabei, aber da wurde er freigesprochen. 2015 dann die Diagnose: Nieren-Krebs. Der Krebs wurde erfolgreich entfernt, und jetzt bringt Boosie BadAzz sein Album "BooPac" raus. Boosie stellt sich auf eine Ebene mit 2Pac. Und so funktioniert sein Musik auch: Heldenverehrung heißt in seinem Leben Gangsterverehrung. So kann man im Fall von Boosie BadAzz nicht sagen, ob er in zwei Jahren ein neues Album rausbringt oder ob er wieder im Knast sitzt. (6,5)

Fela Kuti - Box Set #4 (Curated By Erykah Badu)

Es ging ihm darum, den Deutschen Afrika näher zu bringen, denn so ziemlich alles, was die über Afrika hören, sei falsch, sagt Fela Kuti auf einer neuen Box, die ihn posthum ehrt. Die Aufnahme aus Berlin gehört zu den Lieblingen von Erykah Badu. Sie hat nach Questlove und Brian Eno eine Box kuratiert mit ihren Lieblingen. Darauf auch die Platte VIP, die nicht für Very Important Person steht, sondern bei Fela Kuti für Vagabonds in Power, Vagabunden an die Macht! (8)