Bayern 2 - Nachtmix

Neuerscheinungen der Woche Bob Dylan | Prinz Pi | Yello

Die Neuerscheinungen der Woche kommen von jungen und alten Musikern: Live-Mitschnitte aus den Jahren 1979 bis 1981 präsentiert eine neue Box aus Bob Dylans "Bootleg Series", es handelt sich um Songs aus seiner "christlichen Phase". Auch das Schweizer Elektronik-Duo Yello kommt uns live entgegen, mit allerdings neuen Aufnahmen. Who-Made-Who-Musiker Tomas Barfod präsentiert ein neues Solo-Album, genau wie der deutsche Rapper Prinz Pi und der junge Songwriter Ori. Und mit der Band Lost Horizons präsentiert Simon Reymonde ein neues Projekt, die erste Band nach Auflösung seiner Cocteau Twins.

Von: Ralf Summer

Stand: 02.11.2017

Cover: Prinz Pi - Nichts war umsonst | Bild: Keine Liebe

Bob Dylan - Trouble No More: The Bootleg Series, Vol. 13 / 1979-1981

Cover: Bob Dylan - Trouble No More: The Bootleg Series Vol. 13/1979-1981 | Bild: Columbia

Fast 60 Jahre dauert seine Karriere schon. Dylanologen teilen sie längst in Episoden ein: Ende der 70er war für ein paar Jahre seine "christliche Periode" als Evangelikaler. Es entstanden Gospel-beeinflusste Alben - zu hören in Songs wie "Gotta Serve Somebody". Für Puristen vielleicht ähnlich ärgerlich wie sein E-Gitarren-Auftritt beim Folk-Festival 1965. Ein Zeugnis seiner religiösen Zeit ist "Trouble No More: The Bootleg Series - Vol. 13 / 1979-1981". Tante Bob öffnet also wieder mal seine Archive. Was er seit 1991 für seine Bootleg-Series macht. Folge 13 gibt's als Doppel-CD oder 4-fach-LP/8-fach-Album - Live in Toronto 1980 und London 1981, Rehearsal-Aufnahmen aus dem Übungs-Raum und Outtakes. Wer will kann obendrein nochmal ne Doppel-CD-Bonus erwerben: Dylan Live in San Diego 1979. Es sind Mitschnitte der Alben "Slow Train Coming", "Saved" und "Shot Of Love". (Keine Bewertung, da nur 15 von 102 Titeln vor der Sendung zu hören waren).                                               

Ori - 1986

Interessante Figur: Ori Alboher ist ein Wahl-Berliner Songwriter aus Jerusalem, der mit seinem Zweitling beim Major gelandet ist. Er verwendet "selbstgedrehte" Loops, so dass sein Sound Richtung SOHN oder Alt-J geht. Sprich: Foltronica/Bedroom Hop/Daydream Electronics - wie er sein Sounddreieck nennt. Seit fünf Jahren - nach dem Ende seiner Band Folo - schraubt der Israeli an seiner Vision von DIY-Pop mit melancholischem Gesang, der auch moderne Ausflüge Richtung R'n'B und Soul unternimmt, herum. Das Solo-Debüt "Unwind" hat er selbst veröffentlicht - es brachte die Blogs auf den Pop-Underground Jerusalems. Allein schon die Vorab-Single "Black Book" sollte ihn bekannt machen. Sie erinnert im positiven Sinne an Englands Folk-Pop-Shooting Star Nick Mulvey. (7,5 Punkte von 10)    

Liima - 1982

Die dänisch-finnische Formation Liima sind Mitglieder von Efterklang mit einem Gast-Musiker. Ihr zweites Album hat Chris Taylor von Grizzly Bear mitproduziert, für die sie Tour-Support spielen. "Liima" heißt im Finnischen "Leim"/"Klebstoff". Und die Hits "Life Is Dangerous" und "1982" - zu dem es einen 80's-Videogame-Clip gibt. Auf der Platte wartet eleganten Synthie-Pop mit dem gewissen Glitz - wie in "Jonathan I Can't Tell You" und "My Mind Is Yours". Am 20.01.2018 treten die vier Herren im Strom in München auf. (8)    

Lost Horizons - Ojalá

Simon Raymonde, Kopf von Lost Horizons, ist für einen Teil der Indie-Community eine wichtige Figur: erst Bassist bei den britischen Shoegaze-Pionieren Cocteau Twins, danach Gründer des renommierten Bella Union Labels - der Engländer entdeckte Bands wie die Fleet Foxes, Beach House oder Midlake. Gerade wird der 20. Geburtstag der Plattenfirma gefeiert. Raymonde selbst ist weiterhin musikalisch aktiv: die Lost Horizons führt er mit Richie Thomas (Ex-Dif Juz, Ex-The Jesus And Mary Chain). Simon sass an Klavier, Thomas am Schlagzeug. Gäste am Mikro sind: Ghostpoet, Marissa Nadler und die SängerInnen von Midlake, Horse Thief, The Duke Spirit... Das Album will sich als Bote der Hoffnung verstanden wissen: "in diesen Zeiten brauchen nichts mehr als die Hoffnung", so das Duo. (7)

Yello - Live In Berlin

Die Schweizer Electro-Pioniere Yello haben in ihrer fast 40jährigen Karriere nie getourt - von einzelnen Kurz-Gigs am Anfang ihrer Karriere abgesehen. 2016 dann die große Live-Premiere - in Berlin. Nun liegt zu einer ersten Tour durch den deutschsprachigen Raum der Mitschnitt vor: Boris Blank und Dieter Meier live auf 2CDs (auf DVD, Bluray, eVideo ist der Auftritt im Kraftwerk Berlin vom Oktober letzten Jahres auch zu sehen) - eine Doppel-Vinyl-Maxi mit Andrew Weatherall folgt. Spiegel und Berliner Zeitung verrissen die vier ausverkauften Bühnen-Premiere der beiden Zürcher Künstler böse: "Abgestandener Elektropop im Dunst der Fritteuse - Einmal Pommes mit Yello, bitte" (Spiegel) bzw: "Der ganze Abend im Kraftwerk war ein Desaster: ihr großes Bühnendebüt war von geradezu spektakulärer Ranzigkeit, Ratlosigkeit und Ignoranz gegenüber den eigenen musikalischen Qualitäten" (Jens Balzer). Auf dem Album finden sich Live-Versionen ihrer Hits "Bostich" (1980) und "Stella" (ihr erfolgreichstes Album 1985) und "The Race" (1986, Titelthema der Chartsshow "Formel Eins"/ARD). Im Süden sind sie auch zu sehen: 29.11. Frankfurt (Festhalle), 5.12. München (Olympiahalle) und 8.12. Stuttgart (Porsche Arena). (keine Bewertung möglich, da keine Vorhörmöglichkeit)

Tomas Barfod - Paloma

Der Schlagzeuger der dänischen Band WhoMadeWho und eine Hälfte des House-Duos Filur (mit Kaspar Bjorske). Nach seinem Solo-Debüt und dem Zweitling auf Secretly Canadian kehrt Tomas Barfod mit seinem dritten Album zum Label Friends Of Friends zurück. Nachdem er bisher schon gern mit Sängerinnen gearbeitet hat (Nina K aus Schweden), hat für diesmal die Raveonettes-Sängerin Sharin Foo für Vocals engagiert, ebenso ihre Schwester, die Musikerin / Visual Artist Louisa Foo. "Paloma" ist der weibliche Name, der sich aus dem lateinischen Wort für "Taube" ableitet, so Barfod. Der Sound ist z. T. leicht neblig-ätherischer Indie mit Electro(nica). (7)

FM Belfast - Island Broadcast

Das vierte Album der Indie-Pop-Band aus Island. Bekannt wurden sie vor knapp zehn Jahren mit „Underwear“ und „Par Avion“. Hits von diesem Kaliber vermisst man hier. Die neuen Songs des Septetts verhandeln Themen wie Aufwachsen, Freundschaft, Euphorie und Verlust. Nicht zu vergessen: „vom Versuch, ein guter Mensch zu sein“. Bei der Single „All My Power“ geht es um eine besondere Art von Schuldgefühlen: wenn man von Menschen umgeben ist, die früh aufstehen und voller Tatendrang sind – während man selbst nicht aus dem Bett kommt. Ihre energiegeladenen Crowdsurfing-Konzerte sind diesmal auch hier: am 1.12. spielen sie in Heidelberg, am 4.12. in Frankfurt und am 8.12. in Nürnberg im Z-Bau. (7 Punkte)

V. A. - Keine Bewegung 2

Es rumpelt und bumpert - der deutsche Indie-Nachwuchs versammelt sich zum zweiten Mal auf der "Keine Bewegung" - Compilation aus dem Hause Staatsakt. Der Titel sagt es: musikalisch lässt sich kein einheitlicher Trend festzurren. Von Schrammel-Gitarren über Düster-Pop bis zu Indie-R'n'B ist alles vertreten. Herausragend: Isolation Berlins deutsche Coverversion vom 90er-BritPop-Hit "Common People", das bei ihnen "Gewöhnliche Leute" heißt und am Ende geschrien wird, dass man kaum ungerührt bleiben kann. Ein kühles Cover vom von David Bowie produzierten Iggy Pop-Berlin-Hit "Nightclubbing" ist auch dabei - von Levin Goes Lightly, die gerade beim Staatsakt-Labelabend in den Münchner Kammerspielen mitwirkten. Gurr erinnern mit "Atemlos" an Ideal und die englisch singene Ilgen-Nur dürfte mit „Cool“ etwas für die Fans von Sophia Kennedy sein. (7,5)

Prinz Pi - Nichts war umsonst

Coming of Age-Deutsch-Rap, vom Klavier aus gedacht und auf dem Sofa angehört. Seine neuen Stücke wie "Sandstrand", "Haus im Wald" oder "Für immer und immer" haben angesichts von abgedrehtem Cloud- oder Gangsta Rap fast etwas antiquiert-barock-Gutbürgerliches. Prinz Pi führt damit seine "Nichts"-Serie fort: nach "Im Westen nix Neues" nun "Nichts war umsonst". Auf seinem Studioalbum Nummer 14 hat das Berliner Rap-Urgestein Mark Forster, Bosse, Bausa und Kaind zu Duetten eingeladen. Prinz Pi (bis 2005 Prinz Porno, Slick Spingo, DocMabuse oder Doc Murdock) wird damit wieder dort landen, wo sich auch seine letzten drei Alben platzierten: auf der 1 in den deutschen Album-Charts. (5)                

Chris Brown - Heartbreak On A Full Moon

Das achte Album des US-Superstars. Zwei Jahre nach seiner letzten Platte "Royalty" fährt Rihannas Ex viel auf: 45 Lieder - "Privacy" und "Pills & Automobiles" waren schon Singles. Wenn Brown ruft, kommen alle: R. Kelly, Lil Yachty, Usher, Gucci Mane, Yo Gotti, Future, Young Thug, Ty Dolla Sign... machen das Werk zu einem Feature-Fest und Autotune-Manifest. Und wieder mal stellt sich die Frage: was ist denn nun der heimliche Grund für den Siegeszug verfremdeten Stimmen. Ich ist ein Anderer? Wer bin ich - wenn ja: Wieviele? (Keine Bewertung, da nur eine handvoll Stücke vor der Sendung zu hören waren)

Anja Schneider - SoMe

Sie ist DJ, Produzentin, Radio Moderatorin und Labelchefin. Bekannt ist Anja Schneider für Mobilee Records, das sie seit 2005 mitführte und mit dem Label-Mix aus Deep House und Techno den Club-Sound der Hauptstadt mitprägte. Nun hat sie mit "SoUs" ein neues Label gegründet - und mit "SoMe" legt sie nach neun Jahren ihr zweites Album vor, das mit Drum'n'Bass- und Electronica-Anklängen aufwartet. "Raus aus der Komfort-Zone" war ihr Motto. Die neu gewonnene Lockerheit zeigt sich auch durch den Pop-Touch: auf "Sanctuary", der Single, hören wir die Stimme der Stereo MCs, Rob Birch. Entstanden ist es mit Studio-Partner und Produzent Jan-Eric Scholz. Am 8.12. stellt Anja Schneider ihr Werk in München im Harry Klein vor. (7)