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Neuerscheinungen der Woche Belle And Sebastian | Jim James | Swayzak

Jim James ist ein vielbeschäftigter Mann. Er nimmt nicht nur für sich auf, sondern produziert derzeit Alben am laufenden Band, für Stars und Nonames. Nun hat er wieder ein eigenes Coveralbum veröffentlicht: A Tribute To 2 sammelt Songs von The Beach Boys, Sonny and Cher, Ray Noble und vielen mehr. Außerdem hören wir neue Musik von Robert Finley, der nach langer Zeit wieder zum Blues gefunden hat, aber gleichzeitig neue Inspiration im Soul findet. Außerdem gibts Neues von Fettes Brot, Le Spectre, Swayzack und Chris Thile.

Von: Matthias Hacker

Stand: 07.12.2017

Cover: Belle And Sebastian - How To Solve Our Human Problems (EP 1) | Bild: Matador

Robert Finley - Goin' Platinum

Robert Finley kommt aus einer Kleinstadt im ländlichen Louisiana - nahe der Grenze zu Mississippi. Und diese Nähe hört man auch. Denn Robert Finley liebt den Blues. Er klingt wie eine alte Blues-Legende. Er ist auch schon alt. Als Bluesmusiker fängt er jetzt erst so richtig an. "Goin' Platinum!" ist sein zweites Album. Entdeckt wurde er von einer Organisation, die ältere Musiker unterstützt. Sein Förderer: Dan Auerbach von den Black Keys, der ihn als erstes auf seinem Label unter Vertrag genommen hat. Mit seiner Reibeisen-Stimme singt Robert Finley aber nicht nur den Blues, sondern lässt auch Soul und Rock'n'Roll durchblitzen. Vor einer Woche bin ich erst noch durch Louisianna und Mississippi gereist. Das Album ist vielleicht nicht platinverdächtig, aber es weckt Erinnerungen an Baumwollfelder, sumpfige Deltas und schwitzende Tänzer unter quietschenden Ventilatoren. (7 Punkte von 10)

Le Spectre - Dialog Analog

Dies ist nicht der Soundtrack der Mystery-Serie Stranger Things. Könnte es aber sein. Bei dem düsteren Sound kann es einen auch gruseln. Als Le Spectre werden ihn noch nicht viele kennen. Früher hat er unter dem Namen Earsut Drum'n'Bass produziert. Nach mehr als zehn Jahren Pause ist er jetzt mit einem richtig guten Electronica- und Synthie-Album zurück. Das aber auch mal in Richtung New Wave, Punk und mal R'n'B umschwenkt. (7)

Jim James - Tribute To 2

Weihnachtszeit ist Cover-Zeit. Was verkauft sich schon besser als Hits von den Beach Boys, Elvis, Willie Nelson und Lenoard Cohen auf einem Album? Ich mag seine Band My Morning Jacket - aber diese Coversongs sind nicht sehr schön. Jedes Original ist besser als seine Kopie. Es klingt nicht so, als hätte er sich große Mühe gegeben. Er hat es sich leicht gemacht und keine neuen Interpretationen kreiert, sondern nur imitiert und nachgesungen. (4)

Belle And Sebastian - How To Solve Our Human Problems

Apropos Verkaufs- und Marketingstrategien: Die Schotten von Belle And Sebastian veröffentlichen ihr neues Album häppchenweise. Über drei Monate verteilt erscheinen drei EPs, die dann im Februar zusammen auch als Album erhältlich sein werden. Es wird ihr sechzehntes sein. Und damit stellen sie eine Frage, die man sich derzeit öfter stellt. Wie lösen wir nur all die Probleme, die wir Menschen uns immer wieder selbst einbrocken. Der liebliche Sound von Belle And Sebastian hat mich schon immer bei längerem Hören genervt. In kleinen Portionen liebe ich ihre Musik allerdings. Deswegen mag ich vielleicht auch diese neue EP so gerne. Aber auch, weil sie düstere Untertöne hat - nicht mehr so happy go lucky. (7,5)

Fettes Brot - Gebäck In The Days/Live in Hamburg

Auch die Hamburger Rapper von Fettes Brot veröffentlichen passend zum Weihnachtsgeschäft eine Spezial-CD. Es ist ein Live-Album. Aufgenommen bei drei Konzerten im Hamburger Mehr!-Theater. Mit vielen prominenten Gästen. Bei Jein springt Sven Regener aus seinem Versteck auf der Bühne und spielt Trompete, außerdem gibt es Gastauftritte von Fatoni, Boy und 5 Sterne Deluxe. Der Sound und die Stimmung scheint gut gewesen zu sein. Wer Live-CDs mag, kann hier zugreifen. Ein Muss ist es nicht. (5,5)

Chris Thile - Thanks For Listenning

Danke fürs Zuhören. So hat Chris Thile sein neuestes Album getauft. Wir dürfen ihm auch danke sagen für viele schöne verträumte Melodien auf der Mandoline. Das ist vor allem spannend, weil er vor allem für Bluegrass und Country und Hillbilly bekannt ist. Neben den experimentelleren Stücken gibt es aber auch ziemlich kitschige Ausrutscher. Und leider schwächt seine Stimme die Songs, da ist es gut, dass er sich ein paar Frauenstimmen dazu geholt hat. (6)

Damon Wild - Cosmic Path

Damon Wild ist eine Koryphäe in New York und der Acid House- und Technoszene. Cosmic Path nennen er und sein Freund Dave Sumner die Verbindung zwischen ihnen. Dave Sumner kennt man auch in der Technoszene unter dem Namen Function. Auf dessen Label Infrastructure erscheint jetzt auch diese Platte. Meine Empfehlung laut anhören und Kopf ausschalten. Nicht nur der Albumtitel ist kosmisch, sondern auch die Songs zirpen auf dem Technobeat wie wenn wir mit einem Sensor kosmische Strahlung einfangen würden. Ich weiß zwar nicht ob sich das dann so anhören würde, aber wenn gefällt es mir. Es sind viele tolle Tracks. (7)

Tom Rogerson with Brian Eno - Finding Shore

Tom Rogerson eröffnet mit einem eineinhalb minütigen Metallophonspiel. Dies ist der Beginn einer Reise voller Mystik und schwirbelnden Space-Klängen, die Brian Eno komponiert hat. Rogerson spielt dazu Klavier. Der klare poetische und klassische Sound des Pianos bildet fast durchgehend die einzige Konstante - umgeben von Synthesizern und elektronischen Experimenten. Rogerson ist ein grandioser Pianist, und ich könnte stundenlang in und mit seinen Melodien schwelgen - immer gespannt auf das nächste Motiv. Leider hält das Album nicht die Spannung und die Studien von Rogerson wirken monoton. Man braucht einen langen Atem für dieses Album. Das Zusammenspiel von digitalen und analogen Instrumenten steht im Mittelpunkt. Manchmal gleicht es einem Call & Response-Muster - die Musiker und ihre Zutaten reagieren auf einander. (6)

Traffic Report - Traffic Jams

Cover: Traffic Report - Traffic Jams | Bild: Redlight Music

Leider ist die Musik von Traffic Report oft genauso öde, langweilig und nervig, wie im Stau zu stehen. Eine wenig inspirierende Mischung aus Acid House, Industrial und Techno. Das ist das Debüt des Duos aus Kopenhagen und Berlin. Ungewöhnlich für eine Elektronic-Veröffentlichung: Dieses Album erscheint auch auf Kassette. Ich kann es nur leider nicht empfehlen. Langweilige Lounge-Mixes sind nicht das meine. (4)

Sick Hyenas - See Whats Left Inside

Das ist polternder Surfrock und verhallter Psychedelic-Punk aus Hamburg. Bei dem Debütalbum des Hamburger Trios muss man schnell an The Cramps denken. Ich mag den simplen Style und Sound. Verstärker auf Anschlag aufgedreht, ins Schlagzeug in die Garage, ein Mikro in die Mitte gehängt und einfach drauf los. Schrill, verhallt, krachig. Aber leider ist Sound halt nicht alles. Ich hätte mir mehr Finesse beim Songwriting gewünscht. Die Songs sind oft nicht gut genug. Es fehlt Athmosphähre, Energie und Cleverness. (6)

Swayzak - Lost Tapes

Das Duo Swayzal aus UK ist schon deutlich besser. Der Name ist das polnische Wort für Einheit. Mit ihrer Klangkunst wollen James Taylor und David Brown aus London auch Grenzen abbauen. Da sind sie mit der politischen Linie ihres Landes wohl nicht d'accord. Lost Tapes ist eine Retrospektive der letzten 20 Jahre. Erscheint auch am heutigen Freitag und ab da gibt es dann auch den gesamten Back-Katalog der Band erstmals komplett online mit vielen B-Seiten und unveröffentlichten Tracks. Sozusagen die Erweiterung dieser Lost Tapes Platte. (8)