Bayern 2 - Nachtmix

Together again Grizzly Bear

Die New Yorker Band repräsentiert wie kaum eine zweite die moderne, eigentlich noch einzig mögliche Darstellungsform eines offenen, musikalischen Kollektivs. Mit „Shields“ erscheint nun das vierte Album von Grizzly Bear.

Von: Roderich Fabian Stand: 06.09.2012
Grizzly Bear 2012 | Bild: Barbara Anastacio

Dass Grizzly Bear eigentlich als Solo-Projekt von Ed Droste begann, sagt viel über das Konzept der Band aus. Droste veröffentlichte das heute als erstes Album geltende „Horn of Plenty“ eigentlich nur unter dem Pseudonym „Grizzly Bear“ - übrigens die Verballhornung des Namens des heutigen Bandmitglieds Chris Bear.

Was allein beginnt wird zum Kollektiv

Allmählich stiegen weitere Personen ins Projekt ein. Den Anfang machte Daniel Rossen, der zuvor schon Erfahrungen in der Miniaturband „Department of Eagles“ (an der Seite von Fred Nicolaus) gemacht hatte und bis zum heutigen Tag gelegentlich das Department für Konzerte und Plattenaufnahmen wieder eröffnet. Rossen war es auch, der - bestens vernetzt in der Szene in Brooklyn - Christopher Taylor an Bord holte. 2006 entstand mit „Yellow House“ das zweite Album bereits als Bandprojekt. Und diese Platte war es auch, die die Band in die Oberliga der aktuellen Underground-Musik katapultierte. Grizzly Bear duften dann, auf Wunsch der Briten, Radiohead auf Teilen ihrer US-Tournee begleiten, was natürlich Credibility einbrachte und einen wesentlich höheren Bekanntheitsgrad.

In Europa nahm sich ausgerechnet das Electro-Label „Warp Records“ der Band an - auch dies ein geschickter Schachzug, steht Warp doch bei Connaisseuren nach wie vor hoch im Kurs in Sachen Hipness.

Kunstpause in der Höhle

Als 2009 das dritte Album „Vackatimest“ erschien, waren Grizzly Bear bereits ein „Household Name“, ein eingeführtes Warenzeichen im Business. Doch statt von dieser Tatsache zu profitieren und jahrelang auf Tour zu gehen, trennten sie sich erst mal vorübergehend. Chris Taylor experimentierte als Produzent von Twin Shadow und seinem eigenen Projekt CANT mit elektronischer Musik. Daniel Rossen veröffentlichte seine erste Solo-EP. Ed Droste nahm in LA ein paar Songs mit Robin Pecknold von den Fleet Foxes auf. Nur Drummer Chris Bear blieb weitestgehend inaktiv und wartete auf die Reunion, wie es Ringo Starr die ganzen 70er Jahre hindurch getan hatte. Um sich  mal wieder zu sehen, schreiben alle vier zusammen die Filmmusik für das Off-Hollywood-Drama „Blue Valentine“.

Die Saga geht weiter

Doch jetzt geht die Grizzly-Bear-Saga vorerst weiter. Es erscheint mit „Shields“ das vierte Album der Band, die üblichen Tour-Termine werden folgen. Aber weitere Kollaborationen, Nebenbands und Solo-Exkursionen werden ebenso folgen. Grizzly Bear sind eben eine moderne Band.


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