Bayern 2 - Nachtmix

Lippen müssen flammen The Flaming Lips

Neben Sonic Youth ist die Band um Wayne Coyne die einzige künstlerisch freigeistige Band aus den 80ern, die sich im großen Stil weiter verbreiten kann.

Von: Roderich Fabian Stand: 20.07.2012
Wayne Coyne / Flaming Lips | Bild: Warner

Man kann nicht behaupten, dass sich Qualität im Pop durchsetzt, insofern sind die Flaming Lips eine echte Ausnahme in diesem Geschäft. Mitte der 80er Jahre in Oklahoma City gegründet, hat die Band seitdem eine Unzahl von personellen Veränderungen erlebt, und nur Frontmann Wayne Coyne hat sie alle überlebt.

1984 startete die Band als Trio durch mit dem psychedelischen Rock-Album „Hear it is“. In der Post-Punk-Ära jener Zeit wurde besonders in Amerika viel ausprobiert, und die Flaming Lips überzeugten sofort nicht nur dank ihres kompromisslosen Sounds, sondern auch ihrem Outfit, das sich an entlaufenen Massenmördern aus der Psychiatrie orientierte.

Extreme Experimente

Extreme Experimente gehörten von Anfang an zum Repertoire der Band: Soundcollagen, Bandschleifen, extrem kurze oder lange Songs – es ging Wayne Coyne und Kollegen immer um die Vermeidung von Vorhersehbarkeit, um die Ablehnung von Zugeständnissen.

1898 kam mit dem Album „In a Priest driven Ambulance“ der internationale Durchbruch, zumindest in avancierten Pop-Zirkeln wurde die Band nun weltweit beachtet und bewundert. Die Grunge-Ära der frühen 90ern, die vielen Avantgarde-Bands zum Verhängnis werden sollte, brachte für die Lips das Gegenteil mit sich. Plötzlich gab es eine neue Generation, die offen war für den Sound der Okies.

1992 unterschrieb die Band einen Deal mit dem Multi Warner Brothers, brachte aber das Kunststück fertig, musikalisch weiterhin keine Zugeständnisse zu machen und sich trotzdem so etwas wie Pop anzunähern.

Konzerte wie ein Kindergeburtstag

The Flaming Lips: "The Flaming Lips And Heady Fwends"

Seit Mitte der 90er Jahre gehören auch elektronische Instrumente zum Arsenal der Band. Als ein künstlerischer Höhepunkt gilt das Album „The Soft Bulletin“ von 1999. Zwischendurch leistete sich die Band Experimente wie das Konzert für Ghettoblaster, bei dem diverse CDs mit einzelnen Spuren durch gleichzeitiges Abspielen zum Einklang gebracht wurden. In der gleichen Zeit wurden die Konzerte der Band zu grandiosen optischen Spektakeln inklusive Schaum- und Gummiballeinsatz.

Der kommerzielle Höhepunkt der Flaming Lips war erst vor drei Jahren, als ihr Album „Embryonic“ die amerikanische Album-Top-Ten erreichte. Nun steht der Nachfolger ante portas: „The Flaming Lips and Heady Fwends“ featured Gastauftritte Yoko Ono, Bon Iver, Nick Cave und Prefuse 73 und zeigt damit, wie weit das Spektrum der Band längst ist. Was kommt als nächstes? Ein weltweiter Platz 1? Möglich ist alles. Bei den Lips scheint die Losung zu gelten: „Sky’s the Limit“.


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