Bayern 2 - Land und Leute


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Bettina Mittendorfer Volksschauspielerin mit Herzblut und Tiefgang

Bettina Mittendorfer steht in der Tradition der Volksschauspielerinnen und erhält dafür im Juli 2017 den Oberbayerischen Kulturpreis. In der Reihe "Land und Leute" blickt Bettina Mittendorfer mit der Autorin Sabine März-Lerch zurück auf die Zeit an der Schauspielschule, schwärmt von ihrem großen Lehrer Jörg Hube, erzählt von ihrem Leben als alleinerziehende Mutter und von ihren verschiedenen Drehs und Rollen.

Von: Sabine März-Lerch

Stand: 25.06.2017 | Archiv

"Ja des mog i eigentlich an mir schon, dass ich dieses Mitfühlen hab, dass ich diesen Gerechtigkeitssinn hab. Wos i ned so toll find, dass ich manchmal nicht so ganz Herr darüber bin, wann ich es auspacke und wann’s auch wirklich amal gut wäre sich umzudrehen und zu gehen ... aber das wird ja immer besser mit fortschreitendem Alter!"

(Bettina Mittendorfer)

Bayerischer Filmpreis 2011 für "Eine ganz heiße Nummer"

Bettina Mittendorfer während einer Drehpause zum Kinofilm "Eine ganz heiße Nummer". (2010)

Wenn Bettina Mittendorfer im Film "Eine ganz heiße Nummer" in ihrer Rolle als Maria Brandner dem ganzen Dorf lautstark und überzeugend die Leviten liest, dann entspricht das auch der persönlichen Grundeinstellung der Schauspielerin: gegen Ungerechtigkeit und Doppelmoral. Maria Brandner baut in der Filmkomödie heimlich in einem niederbayerischen Dorf eine Telefonsex-Hotline auf - alles nur, um ihren Tante-Emma-Laden in Zeiten von Discounter-Konkurrenz über Wasser zu halten. Wie Bettina Mittendorfer es schafft, diesen naiv-ehrlichen Charakter zu verkörpern ohne ihn  bloß zu stellen, das hat die gebürtige Niederbayerin berühmt gemacht: 2011 bekam sie den Bayerischen Filmpreis für diese Rolle und wurde als "Riesenentdeckung" gehandelt.

Bürgermeistersgattin in "Sommer in Orange"

Bettina Mittendorfer (M.) als Bürgermeistersgattin in Marcus H. Rosenmüllers Film "Sommer in Orange"

In Marcus Rosenmüllers Kinofilm "Sommer in Orange" ist  Bettina Mittendorfer die Bürgermeistersgattin, die mit beiden Beinen im Leben steht und auch noch ungerührt stehen bleibt, als die Sanyassin-Gemeinde ins aufgeregte Dorf einzieht; Bettina Mittendorfer ist die misshandelte Ehefrau, die an der Seite von Otfried Fischer alias Pfarrer Braun auf Ermittlungstour fährt. Bettina Mittendorfer ist Catwoman, die in der Serie „Hubert und Staller“ einen der Polizisten verführt. Und Bettina Mittendorfer ist - aktuell im Kino - die Nazi-Witwe Frau von Braun in "Maikäfer, flieg". Der Film basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuchklassiker der österreichischen Autorin Christine Nöstlinger. Wie ihre Dienstboten rettet sich Frau von Braun in den letzten Kriegsmonaten mit ihrem kleinen Sohn in die Vorortvilla, als die Russen Wien von den Nazis befreien ...

Nachdenklich, wütend, rasend, komödiantisch, verträumt, melancholisch

In ihren Solo-Programmen - szenischen Lesungen mit Texten von Oskar Maria Graf, Lena Christ, Thomas Bernhard - spielt Bettina Mittendorfer alles mit großer emotionaler Tiefe. Meistens sind ihre Rollen bayerisch, und immer gradheraus. Ihre Liebe zur bayerischen Sprache hat sie schon als Schauspielschülerin an der Otto-Falckenberg-Schule hochgehalten, wo sie als 20-Jährige Anfang der 1990er Jahre vorsprach und sofort genommen wurde.

Aufgeregt, aber ganz bei sich

Wenn Bettina Mittendorfer in Kürze den Kulturpreis des Bezirks Oberbayern entgegennimmt, wird sie aufgeregt sein wie vor einem Auftritt. Aufgeregt wie vor ein paar Jahren, als sie als beste Darstellerin mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Aufgeregt, aber ganz bei sich.


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