Bayern 2 - Land und Leute


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"Genug ist nicht genug" Zweiter Teil: Konstantin Wecker für Frauen

Konstantin Wecker wird am 1. Juni 70. Er ist gelassener geworden, aber der alte Zorn gegen Rassisten und Faschisten lodert immer noch in ihm. Mit einem Schuss Ironie blickt er zurück auf sein bewegtes Leben. - Autorin Heidi Wolf mit der "weiblichen Sicht" auf den Liedermacher.

Von: Heidi Wolf

Stand: 28.05.2017 | Archiv

"Kein Ende in Sicht, den Anfang verprasst, dazwischen nur tänzelndes Schweben. Den Sinn dieses Unsinns noch lang nicht erfasst, doch immerhin Leben im Leben."

(Konstantin Wecker)

Noch immer ein Frauenschwarm

Konstantin Wecker ist auch mit 70 ein Frauenschwarm und ein Frauenversteher.  Die Haare kurz und grau, noch immer ein Kraftwerk von Mensch. Seine Geburtstags-Tournee "Poesie und Widerstand" beginnt in Passau.

"Der geht mir einfach ganz tief rein. Der berührt mich im Innersten, der Mann. - Ich finde es toll, dass er immer wieder so auf die Füße kommt und eigentlich seine Lieder auch immer was aussagen und was bringen. - Mir geht er total unter die Haut. Seine Texte, seine Musiker, seine Stimme. Alles. Ich hab heute schon geheult bei seinem Lied von den Söhnen."

(Konzertbesucherinnen in Passau, 19. Mai 2017)

Fany Kammerlander

"Konstantin Wecker hat wirklich ein tolles Publikum. Der hat wirklich Menschen, die glaube ich, unendlich dankbar sind, dass da einer oben sitzt, der das alles in Worte fasst, oder dann auch noch in Poesie, der einfach mal aufsteht. Er polarisiert ja sehr. Der hat eine sehr starke Meinung. Er singt natürlich auch viel von Utopien, aber die brauchen wir ja auch. Ich bin der Meinung, dass man es in einer Welt ohne Utopien echt schwer hätte, noch weiter zu gehen. Das ist sein Lebenselexier."

(Fany Kammerlander, Musikerin und Sängerin in Konstantin Weckers Band)

Einen "Liebesakt mit dem Publikum" nennt  Konstantin Wecker seine Konzerte:

"Da geht es um das wunderschöne 'im Moment sein', 'im Augenblick sein', mit dem Erleben des Musizierens, und auch mit dem gemeinsamen Erleben mit dem Publikum. Das ist der Grund, warum ich bis heute so gerne Konzerte gebe. Das ist fast ein meditativer Moment immer auf der Bühne, nicht die ganzen drei Stunden, aber sehr viel Zeit von diesen drei Stunden."

(Konstantin Wecker)

Autorin Heidi Wolf über Konstantin Wecker:

Heidi Wolf

Mein ganz persönliches Wecker-Erlebnis liegt lange zurück: Anfang Juli 1994, an einem warmen Sommerabend bei den "Begegnungen in Kötzting", einem Kulturfestival im Bayerischen Wald. Vier Stunden lang hämmerte Konstantin Wecker auf das Klavier ein, streichelte es, lief dazwischen immer wieder völlig nass geschwitzt an den Bühnenrand, wo ihm jemand ein frisches Hemd entgegenhielt.

Die Knöpfe machte er auf dem Rückweg zum Klavier zu, spielte weiter. Ich war als Reporterin da, sollte an diesem Abend noch zu einem anderen Termin, aber ich konnte mich nicht losreißen. Konstantin Wecker hatte mich mit seiner Musik und seinen Liedern gefangen. Völlig fertig sagte er nach dem Konzert ins Mikrofon:

"Die Stimmung hat gepasst, das Publikum war gut, das Wetter hat mitgespielt und ich hab mich verstanden gefühlt."

Konstantin Wecker besticht vor allem mit seiner Offenheit

Diese Eigenschaft bezeichnen alle Gesprächspartnerinnen als charakteristischen Wesenszug. Er sieht in allen Menschen nur das Beste, hat in dieser Beziehung überhaupt keinen Filter, beschreibt Fany Kammerlander ihre Erfahrungen. Ihr Rat an Konstantin Wecker und seine Reaktion darauf:

"Die Leute nicht immer gleich zur Haustür hereinzulassen, sondern lass sie doch erst an der Gartentür stehen. Und dann schau erst mal. Dann hat er gesagt: Wenn er den Menschen kritisch begegnen würde oder mit einem Vorbehalt, dann könnte er ab dem Tag nicht mehr schreiben, keine Gedichte und keine Poesie mehr verfassen."

(Fany Kammerlander, Musikerin und Sängerin in Konstantin Weckers Band)

Auch mit 70 lässt sich Konstantin Wecker seinen Glauben an die Menschen und die Menschlichkeit nicht nehmen. Der alte Zorn gegen Rassisten und Faschisten ist noch immer da. Als Feminist setzt er seine Hoffnung auf Frauen - allerdings Frauen einer neuen Generation, nicht auf solche, die noch funktionieren wie die Männer.

"Wir müssen uns abgrenzen, aber wir dürfen nicht aufhören zu lieben. Das ist meine feste Überzeugung. Und in dem Sinn bin ich sicherlich ein bekennender Utopist und ich weiß, dass es keine reale politische Möglichkeit für das gibt, was ich tue. Ist mir aber egal. Ich bin Poet und kein Berufspolitiker."

(Konstantin Wecker)

"Kein Ende in Sicht, den Anfang verprasst.
Dazwischen viel Tränen und Schmerzen.
Den Sinn dieses Daseins kein bisschen erfasst.
Doch immerhin reicher im Herzen.
Nichts Großes erreicht, keine Orden, keine Yacht.
Dazwischen noch Tränen und Schmerzen.
Vom Reichtum beschämt, von der Macht nur verlacht,
aber immerhin reicher im Herzen."

(Konstantin Wecker aus dem Lied 'Leben im Leben')

"Poesie und Widerstand" - Das Auftakt-Konzert in Passau am 19. Mai 2017

Bilder eines bewegten Lebens

CD-Tipp.

Poesie und Widerstand
Künstler:
Konstantin Wecker
Audio CD (26. Mai 2017)
Anzahl Disks/Tonträger: 2
Format: Doppel-CD
Label: Sturm & Klang (Alive)
ASIN: B06XK58LG5

Buchtipp:

Das ganze schrecklich schöne Leben: Die Biographie
Autor:
Konstantin Wecker
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Gütersloher Verlagshaus (17. April 2017)
ISBN-10: 3579086448
ISBN-13: 978-3579086446


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