Bayern 2 - Land und Leute

Karl Alexander von Müller Irrwege eines deutschnationalen Gelehrten

Der Münchner Professor Karl Alexander von Müller war ein großbürgerlicher, deutschnational gesinnter Gelehrter und führender Historiker zur Zeit des Nationalsozialismus. Nach 1945 kam er bald wieder zu Ansehen und Ehren. - Thomas Grasberger fragt, wie und warum ihm das gelungen ist.

Von: Thomas Grasberger Stand: 22.07.2012
Karl Alexander von Müller | Bild: Bundesarchiv, Bild 183-2006-1024-500 / CC-BY-SA

Karl Alexander von Müller war einer der führenden Historiker des Nationalsozialismus.  Deshalb galt  er nach dem Krieg als persona non grata. Er wurde auf Anordnung der Militärverwaltung zwangsemeritiert, und dem Ausschluss aus der Akademie der Bayerischen Wissenschaften kam er nur durch seinen freiwilligen Austritt zuvor. 1961 aber schmückte man ihn dann doch mit dem Bayerischen Verdienstorden, "als Zeichen ehrender und dankbarer Anerkennung für hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern und das bayerische Volk".  Müller blieb nämlich auch nach dem Krieg populär – als Autor von Radiosendungen und von Erinnerungen, die die braune Zeit geflissentlich  aussparten. Dabei war er schon in den 1920er Jahren einer der geistigen Wegbereiter der Nazi-Bewegung. Als Deutschnationaler mit einem Faible für den konservativen Flügel im Nationalsozialismus integriert der großbürgerliche Gelehrte, der hohes Ansehen auch in nicht explizit nationalsozialistischen Kreisen genießt, die verschiedenen Strömungen.

Hitler besuchte seine Vorlesungen

Ludwig-Maximilians-Universität München

Der Sohn des bayerischen Kultusministers Ludwig August von Müller hatte am Münchner Wilhelmsgymnasium Abitur gemacht und danach in München Rechtswissenschaft und Geschichte studiert. 1908 von Sigmund von Riezler promoviert, habilitierte er sich 1917, wird Syndikus an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und Honorarprofessor an der Münchner Universität. Adolf Hitler besucht damals seine Vorlesungen und Seminare. Und als Müller 1928 Ordinarius für bayerische Landesgeschichte wird, da hören nationalsozialistische Politiker und Akademiker wie Baldur von Schirach, Rudolf Heß, Hermann Göring und Walter Frank bei ihm, aber auch politisch Andersdenkende wie Alois Hundhammer, Heinz Gollwitzer und Wolfgang Hallgarten.

Thomas Grasberger ist der Biografie des NS-Historikers nachgegangen; er hat auch Matthias Berg von der Humboldt-Universität in Berlin befragt, der gerade seine Promotion über Karl Alexander von Müller geschrieben hat.

Karl Bosl - ein Schüler Karl Alexander von Müllers

"Müller hat viele Schüler, die in vielen Positionen landen und die ihm auch verbunden bleiben. Aber sie betreiben nicht Müllers Geschichtswissenschaft fort, das muss man ganz deutlich sagen. So wie Müller Geschichtswissenschaft betrieben hat, schreibt man ab 1960 nicht mehr. Da kann man sagen, dass die enge Bindung, die die Schüler ihm persönlich halten, auch weit über den Tod hinaus, ein bisschen den Verlust der wissenschaftlichen Gemeinsamkeit heilen kann." (Matthias Berg)

Einer dieser Schüler ist Karl Bosl, Nachfolger Müllers auf dem Münchner Lehrstuhl und einer der Großen der Bayerischen Landesgeschichtsschreibung. Als Karl Alexander von Müller am 13. Dezember 1964 in Rottach-Egern stirbt, schreibt Bosl in der Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte den Nachruf auf seinen ehemaligen Lehrer.

"Im alten Egerner Friedhof schläft einer der begabtesten bayerischen Historiker, der über allen Wandel, alle Enttäuschungen und auch manche Schwächen hinweg – und das ist eben menschlich – ein ganzer Bayer, ein ganzer Deutscher, ein guter Europäer sein wollte und war."

Als vor einiger Zeit ans Tageslicht kam, dass Bosl selbst jahrzehntelang seine Biografie zur Zeit des Nationalsozialismus nachträglich geschönt hat, dass er seine Mitgliedschaft in der NSDAP, SA und anderen Organisationen verheimlicht und vermutlich Widerstandshandlungen einfach aus der Vita eines anderen übernommen hat, da rückte für kurze Zeit auch wieder sein Lehrer in den Fokus des öffentlichen Interesses – der deutschnationale Münchner Historiker Karl Alexander von Müller.


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