Bayern 2 - Land und Leute

Hitlers Lieblingsmaler Was mit der "Deutschen Kunst" geschah

Vor 75 Jahren, am 18. Juli 1937 eröffnete Hiltler das "Haus der Deutschen Kunst" in München mit der ersten "Großen Deutschen Kunstausstellung". Was gab es dort zu sehen - im Gegensatz zur "Entarteten Kunst", die ab dem Tag danach in den Münchner Hofgartenarkaden zu besichtigen war? NS-Propaganda-Machwerke? Schwulst? Belangloses für "übers Sofa"? Und was geschah mit der so genannten Deutschen Kunst nach 1945? - Ein Hörstück von Wilhelm Warning, das diesen Fragen nachgeht.

Von: Wilhelm Warning Stand: 15.07.2012
Ausstellung "Geschichten im Konflikt: Das Haus der Kunst und der ideologische Gebrauch von Kunst 1937-1955" | Bild: picture-alliance/dpa

Manchmal tauchen sie auf Kunstauktionen auf. Bilder, die dem 19. Jahrhundert entsprungen scheinen: ein Teich mit Enten oder ein Bauer, der im Morgenlicht über den Acker schreitet, eine Dorfstraße mit Bergen im Hintergrund oder das Maintal, das sich lieblich durch die Landschaft schlängelt. Des Führers Lieblingskunst. Jedenfalls Bilder, die dem früheren Kunstmaler Adolf Hitler die wahre deutsche Kunst zu verkörpern schienen, frei von, wie das im Nazijargon hieß, "Entartung" und "Verjudung". Deshalb wurden sie für die "Große Deutsche Kunstausstellung" im "Haus der Deutschen Kunst" in München ausgewählt. Bei der ersten Schau, die am 18. Juli 1937 eröffnete, hatte übrigens Hitler höchstpersönlich die letzte Wahl getroffen.

Was mit der "Deutschen Kunst" geschah, darf kein Geheimnis bleiben

Waren die Werke damit kontaminiert und als Propagandakunst abgestempelt? Das könnte man meinen, denn nach dem Untergang Nazideutschlands wurden große Konvolute dieser sogenannten "Deutschen Kunst" für Jahrzehnte eingelagert und weggeschlossen. Andere Werke tauchten im Handel auf, oft unbemerkt. Nur um wenige Bilder und Skulpturen ist öffentlich debattiert worden, wie um die Werke etwa eines Hermann Kaspar oder Arno Breker, eines Joseph Thorak oder Paul Padua.  Damit beschäftigt sich Wilhelm Warning - und fragt, warum das so war. Und warum es so lange dauerte, bis wieder öffentlich zugänglich ist, was damals vielen hunderttausend Menschen gezeigt wurde.  Denn erst heute, nach 75 Jahren, beginnt die Forschung offensiv mit dem Thema umzugehen. Gab es eine einheitliche Nazi-Kunst? Soll man diese Werke heute noch ausstellen? Und wie? Was mit der "Deutschen Kunst" geschah, darf kein Geheimnis bleiben.

Sonderfall Rudolf Belling

Die Skulptur "Dreiklang" von Rudolf Belling

Rudolf Belling war Berliner und nicht nur in den Revolutionstagen von 1918 Mitglied im Arbeiter- und Soldatenrat, sondern gehörte auch bis 1932 zur progressiven Künstlervereinigung „Novembergruppe“. Berühmt wurde er mit seiner Skulptur „Dreiklang“, die bald nach dem Ersten Weltkrieg entstand.

Drei abstrahierte Figuren scheinen sich ekstatisch zu umkreisen, in sich gebogen und aufeinander bezogen wie bei einem Tanz. Die ganze Skulptur ist Bewegung, Rhythmus, voller Dynamik. 1919 entstanden, war es das erste Werk dieser Art in Deutschland und von enormem Einfluss. Belling nahm die Ideen des Bauhauses, das dann in Weimar gegründet wurde, geradezu vorweg mit seiner Plastik, die eine Synthese aus Kunst, Architektur, Musik und Tanz sichtbar machte. Ein bereits damals schon berühmtes Kunstwerk, das, wie Belling 1937 erfahren musste, in der Femeausstellung „Entartete Kunst“ als Machwerk diffamiert wurde. Gleichzeitig hat Hitler aber auch bestimmt, dass er Bellings ganz realistisches und ausdrucksstarkes Portrait des Boxers Max Schmeling von 1931 als Objekt in die Erste Große Deutsche Kunstausstellung aufnehmen werde, mit der das Haus der Deutschen Kunst 1937 eröffnet wurde. So hingen zwei Werke desselben Künstlers in der Ehren- und in der sogenannten Schandausstellung in München. Die Organisatoren müssen den Widerspruch bemerkt haben, weil Bellings „Dreiklang“ offenbar aus der „Entarteten“ noch heimlich, still und leise entfernt worden ist, ehe die Räume mit den absichtlich rüde präsentierten Objekten fotografiert wurden. - Auf den Bildern jedenfalls ist die Skulptur nicht zu finden, während sie im Inventar der Femeschau im Münchner Hofgarten noch verzeichnet ist.

Ausstellung im Haus der Kunst 10.06.12 – 13.01.13

GDK Research – Bildbasierte Forschungsplattform

"GDK Research publiziert unbekannte fotografische Dokumente zur staatlich geförderten Kunst der NS-Zeit, um die kritische Auseinandersetzung mit der Kunst- und Kulturpolitik des nationalsozialistischen Regimes auf eine breitere, quellengestützte Grundlage zu stellen. Die historischen Bildzeugnisse werden von der Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte als Teil des von der amerikanischen Siegermacht 1946 zurückerstatteten kulturellen Erbes verwaltet. GDK Research bekennt sich nachdrücklich zu der daraus resultierenden Verantwortung zum gewissenhaften Umgang mit problematischem, zum Teil zweifelhaftem und in jedem Fall kontroversem Material."


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