Bayern 2 - Land und Leute

Freiherr von Hofenfels Porträt eines "voyageur politique"

Eine vertrackte Geschichte: Für die Österreicher war es ein "Zwetschgenrummel", für die Preußen ein "Kartoffelkrieg". Und auch Frankreich und Russland mischten mit, Ende des 18. Jahrhunderts, im Streit um die Selbständigkeit Bayerns in Wittelsbacher Händen. Freiherr Johann Christian von Hofenfels vermittelte.

Autor: Ulrich Zwack Stand: 05.02.2012
Freiherr von Hofenfels | Bild: Urheber: Anton Graff (1736-1813)

Freiherr Johann Christian von Hofenfels wurde 1744 im Pfälzer Städtchen Kusel geboren. Heute ist er so gut wie vergessen. Dabei hat er 1779 die Eigenstaatlichkeit Bayerns gerettet. Zwei Jahre zuvor war mit dem Tod von Kurfürst Maximilian III. Joseph, dem "Vielgeliebten", die altbairische Linie der Wittelsbacher erloschen. Da schien den stets begehrlich über den Gartenzaun schielenden Österreichern wieder einmal der rechte Zeitpunkt für eine Übernahme Bayerns gekommen. Zumal sich Maximilians Nachfolger, Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz, äußerst geneigt zeigte, seine weiß-blaue Erbimmobilie gegen die Österreichischen Niederlande, also das heutige Belgien, einzutauschen. Darum ließen die Habsburger schon einmal ihre Soldateska in Bayern einmarschieren.

Bitte um Beistand an Friedrich den Großen von Preußen

Friedrich II. von Preußen

Aber die Habsburger hatten die Rechnung ohne den Freiherrn von Hofenfels gemacht. Der war seines Zeichens Minister und treuer Diener von Herzog Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken. Als gewiefter Jurist wusste er, dass auf seinen bis dato recht unbedeutenden Herrn im Falle des Verbleibs Bayerns in wittelsbachischem Besitz eine bedeutende Rangerhöhung wartete. Denn nach dem Ableben des kinderlosen Karl Theodor würde Karl August gemäß den Wittelsbacher Hausverträgen zum Kurfürsten von Bayern aufsteigen. Also hintertrieb von Hofenfels den österreichisch-niederländisch-bayerischen Kuhhandel wirkungsvoll, indem er sich an Friedrich den Großen von Preußen mit der Bitte um Beistand wandte. Die Folge war der sogenannte Bayerische Erbfolgekrieg - der wegen seiner Harmlosigkeit in den Geschichtsbüchern gerne auch als "Kartoffelkrieg" oder "Zwetschgenrummel" bezeichnet wird. Gleichwohl war das Ergebnis des unbedeutenden Waffenganges ziemlich bedeutend: Es hieß "Frieden von Teschen", wurde maßgeblich von Johann Christian von Hofenfels ausgehandelt und besagte, dass Bayern in wittelsbachischer Hand und somit selbständig blieb. Einziger Wermutstropfen: Das Innviertel musste an Österreich abgetreten werden.  

Ulrich Zwack zeichnet das Porträt eines Diplomaten, der sich selbst "voyageur politique" nannte  – Reisender in Sachen Politik.