Bayern 2 - Land und Leute


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Fredl Fesl wird 70 Der König von Bairisch-Absurdistan - 2. Teil

Ein Gitarrist, der nicht mehr spielt. Ein Sänger, der nicht mehr singt. Aber ein Meister des Komischen, der den Beschwernissen des Alltags und den Schikanen seiner Krankheit noch immer gewitzt die Stirn bietet. Ein Melankomiker. Zweiter Teil einer Laudatio zu seinem 70. Geburtstag.

Von: Thomas Grasberger

Stand: 09.07.2017 | Archiv

Die Bühne - das war das erste Leben des Fredl Fesl. Mit dem ist es irgendwann in den 1990er Jahren vorbei gewesen. Als Fesl bemerkt, dass ihm seine Finger immer öfter den Dienst beim Gitarrespielen versagen.

"Dann hab I mehrere Ärzte aufgsuacht und die haben alles untersuacht. Aber auf Parkinson ist koana komma. Und dann hab i mal einen Film gesehen mit dem Muhamad Ali, dem Boxer. Und dann hamms halt die Symptome alle zoagt an ihm, und dann hab ich mir gedacht: Mensch, des is ja genau wie bei mir. Da pendelt auch der Arm nicht mit beim Gehen. Und viele so Sachen. Und dann bin ich zum Spezialisten in München und der hat mich dann untersucht - eine Stunde lang. Und hat mir gesagt: Ja, Sie haben Parkinson."

(Fredl Fesl)

Morbus Parkinson - Schüttellähmung hat man früher dazu gesagt

Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung

Heute leiden in Deutschland an die 300.000 Menschen an Parkinson. Weltweit sind es über vier Millionen. Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der bestimmte Nervenzellen im Mittelhirn langsam absterben. Dadurch wird zu wenig Botenstoff Dopamin produziert, was zu Bewegungsstörungen führt. Bei manchen Erkrankten kommt es zum Tremor, zum Muskelzittern. Andere überfällt von einer Sekunde auf die andere der Rigor, die Muskelstarre. So ist es bei Fredl Fesl. Er muss alle vier Stunden - egal ob Tag oder Nacht - seine Medikamente einnehmen.

Parkinson hat man bei Fredl Fesl diagnostiziert, als er gerade 50 wurde. 2017 wird er 70. Seine Krankheit hat also auch einen runden Geburtstag. Zwanzig Jahre Parkinson. Eine lange Zeit, mit einem ungeladenen Gast. Aber anfreunden, sagt Fredl, konnte er sich bisher mit ihm nicht.

"Überhaupt ned, na. Des ist a ganz a lästiger Untermieter. Ich frag mich, wer so ein Zeug erfindet. Ich bring's einfach nicht fertig, dass ich sag: mein Freund der 'Parki'!"

(Fredl Fesl)

Manchmal, an guten Tagen, stapft Fredl Fesl über die Treppe in sein Musikzimmer hinauf und spielt auf dem Keyboard. Die Gitarre rührt er nicht mehr an. Die Finger machen nicht mehr mit. Und die Koordination zwischen den zwei Händen, die stimmt auch nicht mehr.

"Des ist furchtbar, da komm ich plötzlich weiter rauf. Des derfat alles ned sei. I hab so vui geübt in meinem Leben."

(Fredl Fesl)

Trotzdem wird die Musik für Fredl Fesl wohl wichtig bleiben. Hoffentlich, sagt seine Tochter Daniela. Sie wünscht ihm zum Siebzigsten, dass es immer wieder aufwärts geht, auch wenn mal Tiefschläge dabei sind.

"Seinen Humor wird er sich sowieso behalten. Aber ich hoff, dass er sich auch das mit der Musik behält. Und des wünsch I eam, dass er ned aufgibt. Nie. Bis zum bitteren Ende."

(Fredl Fesls Tochter Daniela)

Und was wünscht sich Fredl Fesl selber zu seinem Siebzigsten?

"Dass es so weiter geht. Und wenn's schlechter werden muass, dann ganz langsam. Mia pressiert's gar ned."

(Fredl Fesl)

Seit einigen Jahren lebt Fredl Fesl mit seiner Frau auf einem Bauernhof

Fredl Fesl mit seiner Frau Monika Fritzsche (2007)

Der König von Bairisch-Absurdistan wohnt seit vielen Jahren auf dem Land. Genauer gesagt im sanft-hügeligen Holzland, zwanzig Kilometer nördlich von Altötting. Dort lebt er mit seiner Frau Monika und dem Berner Sennenhund-Mischling Mogli in einem schönen, alten Bauernanwesen. "Ich bin ein Landmensch", sagt er, "immer schon gewesen". Sogar Schafe hat er gehabt. 55 Stück. Aber heute mäht er lieber selber. Das heißt, wenn der Sitzrasenmäher endlich wieder repariert ist ...


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