Bayern 2 - Land und Leute


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Fix und Foxi Rolf Kaukas Comic-Imperium

Ulrich Zwack erzählt von den Comic-Figuren Fix und Foxi und wie ihr Schöpfer Rolf Kauka Anfang der 50er Jahre begann, der Flut amerikanischer Comics eigene Bildergeschichten entgegenzusetzen.

Von: Ulrich Zwack

Stand: 12.06.2016 | Archiv

Preisfrage; Wer sind oder waren: Fix und Foxi? Lupo? Pauli? Tom und Klein-Biberherz? Antwort: Das sind oder waren einstmals beliebte Comic-Figuren. Heute kennen sie viele schon gar nicht mehr. Dabei stellten sie einmal eine ernstzunehmende einheimische Konkurrenz für die Disney-Helden Micky Maus, Donald Duck & Co. dar.

Vater der Füchse: Rolf Kauka

Rolf Kauka

Ihr geistiger Vater war der Zeichner und Verleger Rolf Kauka. 1952/53 begann er, der Flut amerikanischer Comics mit Bildergeschichten über Reinecke Fuchs und Isegrim Wolf eigene Bildgeschichten entgegenzusetzen. Schnell wurden aus Reinecke die Fuchszwillinge Fix und Foxi, aus Isegrim der notorische Vielfraß und Lebenskünstler Lupo. Hinzu gesellten sich alsbald weitere Figuren, wie der Maulwurf Pauli oder Oma Eusebia - Publikumslieblinge allesamt. Zu seinen besten Zeiten  wanderte das in Grünwald bei München verlegte Comic-Magazin "Fix und Foxi" allwöchentlich 400.000 Mal über den Ladentisch. Und im Lauf der Zeit erweiterte sich der Kosmos der Kauka'schen Comichelden auf rund 80 Charaktere. Darunter in Lizenz zugekaufte internationale Comicstars wie Asterix und Obelix oder Spirou und Fantasio. Die wurden dann freilich nonchalant in Siggi und Barrabas umbenannt oder in Pit und Pikkolo - und ihre Abenteuer in der deutschen Übersetzung dem Zeitgeist der Adenauer-Ära angepasst.

"Damals gab es noch keine deutschen Comics, es gab ja nur amerikanische. Wir stellten fest, dass sie der Mentalität unserer Kinder, unserer Jugend, wenig entsprechen. Der größte Nachteil, meiner Meinung, ist der, dass sie die kindliche Phantasie völlig einengen. Nun habe ich angefangen, neue Figuren zu entwickeln, und versucht, die Geschichten so laufen zu lassen, dass sie die Phantasie anstoßen, dass der Leser die Geschichten auch selbst weiterentwickeln kann."

(Rolf Kauka)

Kauka selbst hatte ein eher bescheidenes Zeichentalent

Die Fuchszwillinge in Aktion

Als Zeichner warb Kauka den Münchner Kunstmaler Dorul van der Heide an. Dieser hatte sich vor dem Krieg einen guten Namen als Landschafts- und Tiermaler gemacht. Er konnte ebenso schnell wie exakt zeichnen, aber von Comics hatte er als akademischer Maler natürlich wenig Ahnung. Darum sahen seine Figuren ziemlich naturalistisch aus. Das gilt auch für Fix und Foxi , die Reineke Fuchs ab Eulenspiegel Nr. 6 ersetzten. Zwar besaßen die Fuchszwillinge die bei Comic-Tierfiguren übliche anthropomorphe Gestalt, aber doch auch sehr realitätsnahe Fuchsköpfe. Fix und Foxi erblickten mithin im Jahr 1953 das Licht der Comic-Welt. Wie man annehmen darf, im in der Münchener Tizianstraße gelegenen Atelier von Dorul van der Heide. Denn Rolf Kauka darf sicher als geistiger Vater der smarten Fuchszwillinge gelten - als ihr zeichnerischer jedoch kaum. Auch wenn über jeder Fix-und-Foxi-Geschichte von Rolf Kauka steht – und obwohl er nach eigenem Bekunden bereits als Gymnasiast Cartoons für Tageszeitungen wie die Leipziger Neuesten Nachrichten anfertigte –, war sein Zeichentalent in Wahrheit eher bescheiden.

"Ich kenne unendlich viele Zeichner und gemessen daran muss ich sagen: Nein, er konnte nicht zeichnen! Es gibt dazu eine wunderschöne Geschichte. Sie ist etwas despektierlich, aber sehr nett. Also den Fürsten der Füchse, nämlich Rolf Kauka, packte irgendwo nach zehn Jahren Bestehen von Fix und Foxi der Ehrgeiz und er wollte wissen, ob er zeichnen konnte oder nicht. Was machte man damals? Man packte seine Unterlagen zusammen und schickte das Ganze zu Famous Artists in München. Und meine Sekretärin, seine spätere dritte Frau, die spielte den Strohmann und schickte die Unterlagen dorthin. Dann kam recht schnell eine Antwort, dass man tief bedauert, aber diese Werke, die seien wohl doch nicht auf dem Standard, mit dem man bei Famous Artists einen Blumentopf gewinnen könnte. Und die Empfehlung sei doch, man solle sich einen anderen Beruf aussuchen."

(Peter Wiechmann, Rolf Kaukas langjähriger Chefredakteur)

Konservativ-moralinsaurer Zeigefinger

In der Anpassung an den deutschen Zeitgeist der 50er Jahre, lag letztlich sowohl die Stärke als auch der Niedergang des Grünwalder Comic-Imperiums begründet. Denn im Lauf der Zeit wurde der bis zum bitteren Ende ständig erhobene, konservativ-moralinsaure Zeigefinger für die Leserschaft offenbar unerträglich: 1994 wurde "Fix und Foxi" zum ersten, 2009 zum einstweilen letzten Mal eingestellt.

Ulrich Zwack zieht die radiophone Bilanz einer trotz allem großen Comic-Tradition.


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