Bayern 2 - Land und Leute


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Hinter den Kulissen (3) Der Bühnenbildner am Kindertheater "Pfütze"

Judith Dauwalter porträtiert den Bühnenbildner und gelernten Zimmermann Andreas Wagner, der im Nürnberger Kinder- und Jugendtheater "Pfütze" seit knapp 30 Jahren die Bühnenbilder gestaltet.

Von: Judith Dauwalter

Stand: 24.09.2017 | Archiv

"Die schönsten Momente, - das ist ganz oft, wenn Premiere ist und ich dann runtergucke und das Bühnenbild sehe und so selig bin. Weil es so ist, wie ich mir das vorgestellt habe. Und weil die Leute zum ersten Mal zuschauen. Und dann bin ich stolz, glücklich und froh. Dass es auch vorbei ist. Der Weg dahin, der ist ja manchmal auch recht anstrengend und müßig. Aber das ist dann einfach ein Glücksgefühl."

(Andreas Wagner)

Andreas Wagner hat für jedes Problem eine Lösung parat

Regen von der Decke, Erde auf dem Boden oder kiloschwere Mehlsäcke: Es gibt kaum etwas, das Andreas Wagner nicht schon auf die Theaterbühne gebracht hat. Er findet immer eine Lösung. Denn Wagner hat alle rund 50 Bühnenbilder für das Nürnberger Kinder- und Jugendtheater "Pfütze" gestaltet. Kein Wunder bei seiner Kreativität, dass es ihm schon kurz nach der Ausbildung zum Zimmermann in seinem Lehrberuf zu einseitig wurde.

Viel Raum für die Fantasie

Christine Janner und Christof Lappler proben im Theater "Pfütze" für das Stück "Ente, Tod und Tulpe" (2011)

1989 kam er zur "Pfütze", drei Jahre, nachdem vier Studenten das kleine, freie Theater als Verein gegründet hatten. Den Namen suchten sie aus, weil Kinder diese wassergefüllten, matschigen Lachen an der Erdoberfläche lieben: Zum  Reinspringen und sich darin spiegeln. In gewisser Hinsicht gilt das gleiche für das Nürnberger Theater: Die "Pfütze" will Geschichten vom Leben erzählen - von mutigen und ängstlichen Helden, von Herausforderungen und Chancen; und dabei viel Raum lassen für die Fantasie. Das lockt seit knapp 30 Jahren viele Kinder ins Theater - aber auch Jugendliche; und selbst Erwachsene sind begeistert. 20 000 Besucher kommen pro Jahr.

"Das Kinderpublikum ist einfach großartig. Weil die direkt sind. Also wenn denen etwas nicht passt, dann merkt man das sofort. Dann packen die irgendetwas aus, oder sie fangen an zu schwätzen, oder sie werden unruhig, klopfen mit Füßen. Man muss denen irgendetwas bringen, was sie an der Stange hält."

(Andreas Wagner)

Bühnenbildner, Gelegenheitsschauspieler und technischer Leiter

Andreas Wagner am Mischpult

Aus dem Zuschauerraum heraus schaut Andi Wagner auf sein Werk. Jeden Bogen des Klosters, jede Tür und jeden Vorhang hat er als Idee in seinem Kopf gehabt, dann als Entwurf gezeichnet und dann mit den eigenen Händen umgesetzt. Aber seine Arbeit ist damit nicht getan, seine Rolle bei den Proben beschränkt sich nicht aufs Zuschauen.

Außer Bühnenbildner und Gelegenheitsschauspieler ist er ja auch noch technischer Leiter des Theaters. An seinem Platz im Zuschauerraum ist ein Tisch aufgebaut mit Computern sowie Licht- und Mischpult. Vor ihm liegt das Textbuch, versehen mit vielen Zahlen, Kreisen, Vierecken und Nummern.

In der "Pfütze" schuf Wagner sich eine Stelle nach eigenem Zuschnitt

Als technischer Leiter bringt  Andreas Wagner überall seine Ideen ein: in der Werkstatt beim Bühnenbauen, während der Vorstellung an den Mischpulten für Ton und Licht, in manchen Stücken auch als Schauspieler auf der Bühne. All das hat er sich im Lauf der Jahre größtenteils selbst beigebracht. Und so lässt ihn sein Traumjob auch im Privatleben nie ganz los: Die besten Ideen kommen ihm morgens beim Aufwachen, hat er Judith Dauwalter erzählt.


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