Bayern 2 - Land und Leute


29

Krieg und Liebe Der Briefwechsel eines jungen Paares 1941-45

Arthur Dittlmann erzählt die Liebesgeschichte von Hans und Rosa, die sich während der Kriegszeit, von 1941 bis 45, an die 800 Briefe schrieben. - Hans war erst 19 Jahre alt, als er damals in den Krieg eingezogen und von Rosa getrennt wurde. Der heute 95-Jährige hat dem Autor aus seinem Leben berichtet und hat ihn seine Briefe lesen lassen.

Von: Arthur Dittlmann

Stand: 27.08.2017 | Archiv

"Hans, für Deine lieben drei Briefe von Herzen Dank. Wie war ich überrascht, als heute Nachmittag Post von Dir kam. Und warteten nochmals zwei so arg liebe Briefe auf mich. Es ist gut, dass Du nicht ahnen kannst, was mir Deine Briefe geben, sonst müsstest Du immerfort schreiben. Liebster, einen festen Kuß von Deiner Rosa ..."

(Rosa)

Wird Hans heil aus diesem schrecklichen Krieg heimkommen?

Überlebende deutsche Soldaten verlassen nach der Kapitulation Stalingrad (1943)

Sie haben um ihr Leben geschrieben, um ihre Liebe, um ihre Zukunft: Hans und Rosa. Er, Jahrgang 1922, war 19 Jahre alt, als er in den Krieg eingezogen wurde. Sein Schwarm, die Rosa, blieb daheim, bei den Eltern im oberbayerischen Marktflecken. 800 Briefe in schönen Handschriften sind es geworden in den Jahren von 1941 bis 1945. Briefe voller Sehnsucht, Zärtlichkeit und Zweifeln, die beide immer wieder befallen haben: Werden wir ein gemeinsames Leben führen können, wenn dieser unselige Krieg endlich vorbei ist? Wird Hans heil heimkommen, aus Russland, aus der Ukraine, aus den letzten Gefechten in der Slowakei? Und immer wieder versichern sie sich gegenseitig ihre Zuneigung, beschwören ihre Zusammengehörigkeit. Fast wie ein Mantra klingt es, wenn Hans schreibt: "Herzlieb! Dieses endlos scheinende Warten wird eines Tages vorbei sein und dann werde ich Dir immer danken, für Deine große, reine Liebe, die mir so viel Kraft gibt und so glücklich machen kann ..." Und Rosa antwortet: "Wenn Du doch wieder kommen würdest! Spürst Du es, dass ich Heimweh hab nach Dir!" Liebesgeständnisse, die literarisch anmuten, geschrieben von zwei einfachen Menschen.

Liebesbriefe von Hans und Rosa

"Mittwoch, 3. Januar 45
Mein lieber Hans!
Hast Du auch meine Gedanken mitgenommen, Hans?
Ich bin gar nicht richtig hier. (...)
Es ist so leer und still um mich.
Wenn Du doch wieder kommen würdest.
Spürst Du es, dass ich Heimweh hab nach Dir?
(...) Du, ich kann es einfach nicht glauben,
dass Du nicht mehr da bist...
Immer meine ich, Du musst kommen
und mich holen ..."

(Rosa)

Nie war vom Kriegsgeschehen die Rede

Es muss furchtbar schwer gewesen sein, die Trennung auszuhalten. Die Briefe waren wie ein Rettungsanker. Eine Möglichkeit, die Distanz zu überbrücken und immer wieder Nähe herzustellen ... Aber merkwürdig: In den Briefen ist nie vom Kriegsgeschehen die Rede, es scheint keine Toten zu geben, keine Verletzten, keine Angriffe, keine Niederlagen ... auch die Adressen bleiben oft vage: "Im Osten", schreibt er, oder "O.u.", "Ort unbekannt"...

Nach dem Krieg gab es ein Happy End

Hans kam tatsächlich unversehrt heim, aus dem Krieg. Und die beiden haben sich ein gemeinsames Leben aufgebaut. Vor zwei Jahren ist Rosa gestorben, hochbetagt, nach fast 70jähriger glücklicher Ehe. Jetzt sitzt Hans allein da, mit seinen 800 Briefen in rosa Schachteln und liest immer wieder in den alten Briefen. Den Liebesbriefen aus düsteren Zeiten, den Zeiten ihrer ersten, großen Trennung.

"Hans hat alle Briefe nochmal gelesen, seit Rosa vor 2 Jahren gestorben ist. Die Erinnerung an ihre erste, große Trennung hilft ihm, diese zweite Trennung zu ertragen. Für diese Sendung hat er die 'schönsten Briefe' ausgewählt. Da Hans und Rosa sehr intime Dinge verhandeln, zieht es Hans vor, dass sein voller Name und sein Wohnort nicht genannt werden - und dass er nicht im Bild auftaucht."

(Arthur Dittlmann)


29