Bayern 2 - Land und Leute


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Bayerische Traumpaare Wilderer und Jäger

Von: Thomas Kernert Stand: 30.12.2012
Franz Xaver Kroetz als Wilderer | Bild: picture-alliance/dpa

"„Alle Bayern san Wuiderer
kennan’s wuidern net lassn,
miassn bloß aufpassn,
daß sie d’ Jaga net fassn."

(Schnaderhüpfl)

Ein verwegener Zeitgenosse mit brillanter Schusstechnik

Was im Wilden Westen der Revolverheld und in der Karibik der Pirat war, trat in den Alpen als sog. „Wilderer“ in Erscheinung: ein verwegener Zeitgenosse mit einer eher laschen Rechtsauffassung, aber einer brillanten Schusstechnik. Meist gehörte er den unteren Schichten an, was ihn jedoch nicht daran hinderte, in hochherrschaftlichen Jagdrevieren munter auf alles Vierbeinige zu ballern. Selbstverständlich liebte er Rehragout, weniger jedoch seines  exquisiten Geschmacks als vielmehr seiner sozialen Implikationen wegen: Wild war das Fleisch des Adels. Ihm das vor der Nase wegzuschießen war ein extrem symbolträchtiger Akt des Widerstandes. Ein „social crime“ der Extraklasse. Einzige Bedingung dabei: Man durfte sich nicht erwischen lassen.

Auch Jäger waren „verreckte Hund“

Wildschütz Georg Jennerwein

Denn auch die Kontrahenten, die Jäger, waren in der „guten alten Zeit“ „verreckte Hund“. Ihrem Selbstverständnis und Habitus nach kamen sie aus der Wildnis der Berge. Mit den modernen, disziplinierten Forstbeamten hatten sie wenig bis nichts zu tun. Schlecht besoldet, leisteten sie sich immer wieder Übergriffe aller Art. Ihre Beliebtheit bei der Bevölkerung hielt sich von daher in Grenzen. Was wiederum der Wilderei Vorschub leistete. Was wiederum die Vorgehensweisen der Jäger radikalisierte. Wilderer und Jäger stachelten sich so in einem ständigen Wettkampf gegenseitig zu Höchstleistungen an, sprich: zu blutigen Schusswechseln mit Toten und Verwundeten. Der Jennerwein Girgl war mitnichten der einzige.

Thomas Kernert berichtet von einer heute weitgehend vergessenen bzw. romantisierten Kriegsfront ...


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