Bayerische Traumpaare Laptop und Lederhose
Vielleicht war der Slogan in den letzten Jahren zu oft zu hören, als dass noch irgendwer wissen würde, was er jemals bedeuten sollte. - Thomas Kernert überlegt, ob High Tech und Tradition überhaupt zusammenpassen ...
Jahrhundertadjunktion: "Laptop und Lederhose"
"Bayern, so viel steht fest, ist ein durch und durch adjunktives Gebilde. Hier passt das eine einfach ins andere, wäscht die eine Hand die andere, wächst immer wieder zusammen, was zusammen gehört! Weshalb auch nur hierzulande die Jahrhundertadjunktion: „Laptop und Lederhose“ geboren werden konnte. Erstmals ausgesprochen hat sie bekanntlich Alt-Bundespräsident Roman Herzog 1999 auf der CeBit in Hannover. Allerdings sprach er damals nicht von „Laptop und Lederhose“, sondern, so viel Zeit fürs Detail muss sein, von „Lederhose und Laptop“. Lederhose und Laptop, Laptop und Lederhose, hat diese Transformation etwas zu bedeuten und wenn ja, was?"
So legendär diese Adjunktion auch sein mag, so falsch ist sie. Tragbare elektronische Geräte lassen sich beim besten Willen nicht mit tragbaren Beinkleidern vergleichen. Pars pro toto: Ein voll gekotzter Laptop ist irreparabel, eine voll gekotzte Lederhose nach ein bis zwei Wochen wieder pfenniggut. Ein Laptop verliert jede Minute an Wert, eine Hirschlederne gewinnt jede Minute an Wert. Warum? Weil der Laptop am Ende seiner multifunktionalen Fähigkeiten eben doch nur ein totes Artefakt ist, wohingegen die Lederhose lebt.
Aus der Lederhose bezieht der Bayer seine unbändige Kraft
Keine Frage: Mit dem Laptop kann man produktiv, kreativ, innovativ sein. Mit der Lederhose hingegen kann man leben, leben, leben. „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“, lautet denn auch ein populärer Schlachtruf der Preußen. Sie wissen: Nicht vom Laptop, sondern aus der Lederhose bezieht der Bayer seine unbändige Kraft und Herrlichkeit. Um so bedauerlicher freilich ist es, dass die meisten Bayern gar keine Lederhosen mehr tragen. Lederhosen haben sich in Ausnahmeklamotten für den Wiesn-Fasching verwandelt, haben den Kontakt mit der Alltagskultur längt verloren. Besaßen bis etwa 1960 alle Sechsjährigen tatsächlich noch eine Lederhose, so tragen die Sechsjährigen von heute Esprit, Nike oder Polo Ralph Lauren.- Thomas Kernert fürchtet: Wenn das so weiter geht, gehen wir Bayern schweren Zeiten entgegen.

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