Bayerische Traumpaare Edelweiß und Enzian
Der Siegeszug von Edelweiß und Enzian begann mit der Industrialisierung. Kleine Dörfer, einfache Menschen, einsame Gipfel, reine Luft. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts massenweise erschöpfte und entnervte Städter die Bergregionen eroberten, entwickelten sich die dekorativen Alpenpflanzen zu begehrten Trophäen und Souvenirs. Besonders das Edelweiß stand für die "Zielsetzung allen Hoffens", wie der Philosoph Ernst Bloch den Begriff der Heimat einmal definierte. Für die Fremden lag sie paradoxer- und idealerweise im Gebirge.
Welche Farbe hat Bayern? Auf der Ebene der Symbole ist es wohl am ehesten gelblich-braun. Die Krachlederne, der Wilderer, der Löwe, die Maß Bier und der Dackel, um nur einige Beispiele zu nennen. Damit jedoch die optische Repräsentation des naturnahen Alpenvolkes nicht allzu trist ausfällt, kam man schon früh auf die Idee, grobe Stoffe und Formen mit zartem, heimischem Blütenschmuck zu versehen. Was wäre ein Stamperl Enzian ohne Enzian-Dekor? Ein ordinärer Becher voll Schnaps. Und ein Lederhosenlatz ohne Edelweiß-Stickerei? Kein Eyecatcher für die Weiblichkeit.
Blüten-Poesie in bayerischer Klischeelandschaft
Letztlich sorgen die beiden Gebirgspflanzen für Poesie in der bayerischen Klischeelandschaft. Weiß-blaue Melodien und (Gedanken-)Muster als Himmelszauber gegen dumpfe Erdenschwere - so oder ähnlich mag das Konzept lauten, wenn wieder einmal eine Bausünde im Oberland den hübschen Namen „Edelweiß“-Hotel erhält oder eine schräge Blaskapelle den Enzian blühen lässt. Denn während die botanischen Vorbilder längst unter strengem Naturschutz stehen, gelten für den grassierenden Wildwuchs des Blümchen-Dekors immer noch keinerlei ästhetische Beschränkungen. - Justina Schreiber pflückt einen weiß-blauen Strauß.
Edelweißschnitzer Sepp Fürst
Der Edelweißschnitzer Sepp Fürst sitzt vor einem historischen Brotbackofen. Neben Bierbrauerei, Küchenkräutergarten und Kegelbahn ist der 74-Jährige eine der Attraktionen im privaten Freilichtmuseum von Markus Wasmeier. - Sepp Fürst selbst sieht seinen Job folgendermaßen: „Also das ist der 5. Sommer, dass wir jetzt da auf haben und seitdem sitz ich da herinnen wie der verkaufte Großvater. Rundrum Hühner, Gänse, mit denen muss ich mich auch unterhalten.“

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