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Tiermaler George Stubbs Ein Zebra steht im Walde

Was macht das Tier da? Es lässt sich von George Stubbs porträtieren, dem berühmtesten Tiermaler des 18. Jahrhunderts. Englands Adel liebte seine Bilder, besonders die streifenfreien Pferde. Einige zeigt jetzt die Neue Pinakothek in München.

Autor: Michael Kubitza Stand: 25.01.2012

20 Millionen Pfund kann ein Rennpferd bringen. Wenn nicht auf englischen Trabrennbahnen, dann doch in Öl eingelegt in der arabischen Wüste. Im Dezember versteigerte Sotheby's für genau diese Summe ein Pferdebild des Tiermalers George Stubbs (1724 bis 1806) - an einen Sammler nach Qatar, wie die FAZ berichtete. Dort sitzt viel Geld und neuerdings auch Kunstverstand.

Was auf dem Bild zu sehen ist, beschrieb Stubbs mit der gleichen Akkuratesse, mit der er jedes Detail auf die Leinwand gebannt hatte: "Gimcrack auf der Heide von Newmarket mit einem Trainer, einem Jockey und einem Stalljungen".

Genauer Blick, genauer Strich, nur in der Buchhaltung schlampte er bisweilen: George Stubbs.

Die Auftraggeber des Künstlers legten darauf größten Wert. Bereits 1750 - also 18 Jahre vor Gründung der Royal Academy - hatte sich in Newmarket der erste britische Jockey-Club etabliert, eine exklusive Einrichtung, die adäquat bebildert werden wollte. Dass der Hengst Gimcrack 250 Jahre später aus dem innersten England ins exotische Ausland reist, ist eine hübsche Volte: Zu Lebzeiten des Künstlers hatten etliche Löwen, Geparden und Nashörner unfreiwillig den umgekehrten Weg genommen. Eines der schönsten Bilder des Künstlers zeigt ein Zebra, das wunderbar detailgetreu, aber etwas verloren unter englischen Parkbäumen grast.

Der entzückende Schauder vor der Natur

Wilde Tiere sind in Stubbs' Tagen gerade groß in Mode. Das Englische Königreich schickt sich an, Kolonialmacht zu werden, seine Naturforscher sind weltweit führend. Die Brüder John und William Hunter - Chirurg der eine, Anatom der andere - zählen zu Stubbs' ersten Kunden. Unzählige andere folgen: Die bessere Gesellschaft dürstet nach jenem "delightful horror", von dem der populäre Philosoph Edmund Burke spricht, wenn er, abweichend vom Ideal des "Schönen", die Kategorie des "Erhabenen" definiert.

"Das Erhabene begegnet uns im düsteren Wald und in der heulenden Wildnis - in der Gestalt der Löwen, der Tiger, der Panther und der Rhinozerosse."

Edmund Burke, Philosoph, 1756

Wenig auf den Rippen: Frühe Anatomie-Studie von George Stubbs.

Naturgetreuer als George Stubbs bannt das Erhabene zu seiner Zeit keiner auf die Leinwand. Und weil London ein Zentrum der Druckgrafik ist, fluten bald Kupferstich-Serien mit Raubtiermotiven den Markt, die Sammler locken und für die Premiumversion in Öl werben. Stubbs weiß, was er tut: Mit 22 hat sich der Lederersohn aus Liverpool für zwei Jahre auf ein abgelegenes Gehöft in Lincolnshire zurückgezogen, um Pferdekadaver zu sezieren und zu zeichnen. Seine Modelle sehen aus, als wären sie vor einiger Zeit einem Löwen begegnet, nur würdevoller. "Die Anatomie des Pferdes" wird ein Standardwerk und macht Stubbs berühmt.

Sein Königreich ist ein Pferd

Pferde: Sie vor allem bleiben der Nachwelt von Stubbs im Gedächtnis. "His Kingdom is a Horse" variierte die Londoner Times ihm zu Ehren ein Shakespeare-Zitat. Seine anderen Projekte - Camera-Obscura-Experimente, zuletzt eine vergleichende Anatomie zwischen Mensch, Tiger und Huhn - blieben unvollendet oder sind verschollen. Dass der Erfolgskünstler Stubbs sich stets um zeitüberdauernde Erkenntnis bemüht und gern beständige Malgründe wie Holz, Kupfer und Steingut verwendet hatte, bewahrte ihn nicht davor, noch zu Lebzeiten aus der Mode zu kommen. In München ist er jetzt neu zu entdecken.

Info

George Stubbs - Science into Art - Tiermalerei zwischen Wissenschaft und Kunst in der Neuen Pinakothek München vom 26. Januar bis zum 6. Mai 2012. Zu sehen sind an die 50 Gemälde, zumeist Leihgaben aus staatlichen und privaten Sammlungen in Großbritannien, dazu Druckgrafiken aus Aschaffenburg und Coburg.