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Trauer Wiener Künstler Franz West ist tot

Im vergangenen Jahr nahm er noch den Ehrenlöwen der Venedig Biennale entgegen, freute sich über den Preis und das gute Wetter. Franz West, einer er bedeutendsten zeitgenössischen Künstler Österreichs, ist am Donnerstag mit 65 Jahren gestorben.

Stand: 27.07.2012
Franz West 2011 in Venedig | Bild: picture-alliance/dpa

Manche seiner Skulpturen sahen aus wie die Kunst gewordenen Darmverschlingungen eines Riesen, so fleischfarben und organisch boten sie sich den Betrachtern dar. Als in München das Museum Brandhorst eröffnete und im Erdgeschoss "Das Fragile an seiner Kloake" zeigte, waren sich viele Besucher nicht sicher, ob man sich auf den Skulpturen nun niederlassen durfte oder nicht.

"Wenn man Neurosen sehen könnte"

"Gekröse" heißt dieses Werk und gleicht einer ungeheuren Darmverschlingung.

Möglich war bei West fast alles: Nach seiner frühen aktionistisch geprägten Kunst ging er nach seinem Studium bei Bruno Gironcoli dazu über, Objekte zu schaffen. Der 1947 in Wien geborene West hatte in den 80er-Jahren multiple Sitzgelegenheiten aus Eisen geschweißt, seine späteren "Passstücke" bestanden aus Pappmaché, Polyester und Gips und schufen räumliche Situationen, die irritierten. Die undefinierbaren Formen suggerierten eine Körperlichkeit und ein Innerstes, das mit dem öffentlichen Raum, in dem sie sich befanden, in krassem Gegensatz stand. "Ich behaupte, wenn man Neurosen sehen könnte, sähen sie so aus", sagte West.

Mit einem goldenen Löwen in Venedig

2003 kehrte er zu seinen performativen Anfängen zurück und inszenierte Happenings, die das Publikum oft mit einbezogen. In Graz stellte er 2010 einen Paravent aus, hinter dem sich die Besucher ausziehen konnten, um fünf Minuten lang zu tun, was ihnen eben einfiel.

"Sexualitätssymbol" heißt dieses Werk, das 2000 in Karlsruhe zu sehen war.

West, der 1990 den österreichischen Pavillon der Venedig Biennale bespielte, wurde dort im vergangenen Jahr mit dem goldenen Ehrenlöwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Zweimal stellte er in Kassel auf der documenta aus, 1992 und 1997 - im gleichen Jahr widmete ihm das New Yorker MoMA eine Einzelausstellung. Das gilt in der Kunstwelt als Ritterschlag. West gehörte zu den international bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern Österreichs. Am 26. Juli 2012 starb er im Alter von 65 Jahren in einem Wiener Krankenhaus.


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