"Translokation B" (1969)
Kulturspeicher Würzburg Ausstellung Camille Graeser
Zum 10-jährigen Bestehen zeigt das Museum im Kulturspeicher eine Ausstellung, die den Weg vom Entwurf zum Bild nachvollziehbar macht. Sie widmet sich dem Schweizer Maler Camille Graeser und seinen starkfarbigen geometrischen Arbeiten.
Camille Graeser, geboren 1892 in der Nähe von Genf, gehörte zusammen mit Max Bill, Richard Paul Lohse und Verena Loewensberg zu den "Zürcher Konkreten". Ihre Arbeiten, die die Bildfläche zum Spannungsfeld klarer Farbverhältnisse machen, wurden international einflussreich. "Konkret" ist diese Art von Kunst deshalb zu nennen, weil sie die tatsächlichen Gestaltungselemente wie Farbe, Linie und Fläche selbst zum Bildgegenstand macht. Und ihre Konzeption richtet sich nicht nur gegen die traditionelle gegenständliche Malerei, sondern setzt sich auch von der "Abstraktion" ab, die, so die Auffassung, noch immer an reale Gegenstände gebunden bleibe, indem sie von diesen eben "abstrahiere".
Malerei und Mathematik
In der Würzburger Ausstellung ist für den Besucher anhand von Skizzen, Zeichnungen und Entwürfen zu sehen, wie Graeser zu seinen Bildfindungen kam. Auf den Vorarbeiten sind in handschriftlichen Notizen Hinweise zu Maßen und Farben festgehalten. Wenn eine Bildfassung in der Studie fertig war, übertrug der Maler die so entwickelte Form präzise auf die Leinwand. In Würzburg werden einige hundert solcher Entwürfe 42 Gemälden gegenübergestellt. So lässt sich unmittelbar die Arbeitsweise Graesers nachvollziehen. Seine Kunst hat etwas Mathematisches, sie macht Größenverhältnisse sichtbar, tariert Proportionen aus, berechnet die Wirkung ihrer Bildelemnte eher relativ aufeinander als über emotionale Valeurs, die sie beim Betrachter auslösen könnten.
Camille Graeser hatte zunächst eine Schreinerlehre gemacht, bevor er an der Kunsgewerbeschule Stuttgart Möbelbau und Innenarchitektur studierte. 1917 eröffnete er in Stuttgart ein Atelier, als Gestalter wurde er Mitglied des deutschen Werkbundes und zeigte im Rahmen einer Werkbund-Ausstellung eine Inneneinrichtung für eine kleine Wohnung. 1933, nachdem die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten, ging Graeser in die Schweiz zurück, nach Zürich, heiratete dort und wandte sich der Malerei zu. 1937 trat er der Künstlergruppe "Allianz" bei und stellte mit ihr zusammen seine konstruktiven Werke aus. 1964 wurde im Kunsthaus Zürich die erste Museumsausstellung seiner Arbeiten gezeigt, 1977 nahm er an der documenta in Kassel teil. Graeser starb 1980 in Wald (ZH).
Die Ausstellung
"Camille Graeser. Vom Entwurf zum Bild"
11. Februar bis 15. April 2012
Dienstag 13-18 Uhr, Mittwoch 11-18 Uhr, Donnerstag 11-19 Uhr
Freitag, Samstag, Sonn- und Feiertag 11-18 Uhr
montags geschlossen
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