Bayern 2 - Kulturjournal

Gold, gelb und größer Lenbachhaus, neues Gehäuse für Blauen Reiter & Co

LENBACHHAUS - schon der Schriftzug über dem neuen Eingang des erweiterten Hauses ist Kunst: Die Schriftskulptur stammt von dem weltberühmten, aus München stammenden Künstler Thomas Demand. Einblicke in die Städtische Galerie - kurz vor der Wiedereröffnung.

Stand: 23.01.2013
Lenbachhaus | Bild: picture-alliance/dpa

Schon bevor man das neue, von Foster und Partners erweiterte Haus betritt, zieht einen ein künstlicher Wirbel schier hinein: Olafur Eliassons acht Meter hohe Skulptur aus Stahl und Glas, "Wirbelwerk" genannt. Dass so weltberühmte Zeitgenossen wie der Däne Ólafur Elíasson und Thomas Demand den Bau verschönern, verdanken wir vorderhand einem Beschluss der Stadt München, die Kunst am Bau eigens unterstützt.

Dem "Beuys-Sepperl" sei Dank!

Dass das Lenbachhaus aber überhaupt für zeitgenössische Künstler offen ist, ja dass es inzwischen berühmt ist wegen seiner auszeichneten Werkgruppen von international agierenden zeitgenössischen Künstlern, das verdanken wir letztlich dem Krach um den "Beuys-Sepperl", wie Sigi Sommer Joseph Beuys nannte. Der kulturpolitische Streit - genauer: der fast sieben Jahre lange Krieg - um die Frage, ob München Beuys' Installation "Zeige deine Wunde" für das Haus erwerben soll oder nicht, mündete 1980 in dem Beschluss, dass das Lenbachhaus künftig auch internationale Gegenwartskunst präsentieren solle.

Anfänge

Vor dem Streit um Beuys war das Museum der Stadt weitgehend regional ausgerichtet. Mit der Villa und dem Atelier des Malerfürsten Franz von Lenbach fing es an. Die Städtische Galerie versammelte in dem Haus des Malers zunächst deutsche, vornehmlich bayerische Kunst aus dem 19.und frühen 20. Jahrhundert, Werke von Malern, die an der Kunstakademie waren oder/ und teilnahmen an der Münchner Sezession. Darunter Wilhelm von Kobell, Johann Georg Carl Rottmann, Carl Spitzweg, Franz von Lenbach und Friedrich August von Kaulbach und Franz von Stuck. Mit der Neueröffnung des Hauses im Mai diesen Jahres wird diese Kunstsammlung des 19. Jahrhunderts um bedeutende, auch internationale Werke aus der Zeit erweitert. Malerei der deutschen Romantik und der Schule von Barbizon, Werke aus der Christoph Heilmann Stiftung werden im erweiterten Bau zu sehen sein.

Steckenpferd Blauer Reiter

Franz Marc, Blaues Pferd I, 1911

In aller Welt berühmt wurde das Münchner Lenbachhaus durch den "Blauen Reiter" und auch in dem neuen erweiterten Bau werden die Werke von Franz Marc, Paul Klee, Wassily Kandinsky, August Macke, Gabriele Münter und Alexej Jawlensky einen Schwerpunkt bilden. Die Malerin Gabriele Münter hatte mit ihrer Schenkung an die Stadt 1958 den Grundstock zu der Sammlung gelegt, vier Jahre später ergänzten Elly und Bernhard Köhler die Sammlung um großartige Gemälde von Franz Marc und August Macke. Inzwischen besitzt das Lenbachhaus weltweit die größte Sammlung der Künstlergruppe "Der Blaue Reiter".

Spezialität Werkgruppen

Seit dem Krach um die Installation von Beuys' "Zeige deine Wunde" sammelt das Lenbachhaus auch Zeitgenossen, aber nicht nur einzelne Werke von ihnen, sondern stets Werkgruppen, die es erlauben, die Entwicklung der Künstler und Künstlerinnen nachvollziehbar zu machen. Gruppen zum Beispiel von Gerhard Richter, Günter Fruhtrunk, Isa Genzken, Maria Lassnig, David Claerbout, James Coleman, Sean Scully, Cerith Wyn Evans, Olaf Metzel, Sarah Morris und Sigmar Polke.

"Ich bin überzeugt davon, dass im 20. Jahrhundert es wenige Künstler gibt, die man mit einem Werk signifikant beleuchten kann. Es hilft dem Verstehen und dem Empfinden, dem emotionalen Verstehen von Kunst wesentlich mehr, wenn ich ein Zusammenspiel mehrerer Werke habe."

Museumsleiter Helmut Friedel im Gespräch mit Martin Zeyn, Kulturjournal vom 27. Januar 2013 auf Bayern 2.

Stiftungen machen's möglich

Joseph Beuys: "vor dem Aufbruch aus Lager I" (1970 bis 80) Neuerwerb

Im Archiv des Lenbachhauses liegen etwa 5.000 Kunstwerke, auch das um den goldenen Neubau vergrößerte Haus wird davon immer nur etwa ein Zehntel zeigen können. Durch den großen Fundus im Depot haben aber Helmut Friedel und der künftige Leiter des Hauses, Matthias Mühling, viel Spielraum, immer neue Ausstellungen, je nach Fragestellungen, zusammen zu stellen. Viele der Schätze - auch im Depot der Gegenwartskunst - stammen von privaten Sammlern und Stiftungen: etwa von dem renommierten Beuys-Sammler Lothar Schirmer und der Stiftung KiCo, die schon seit Jahrzehnten mit den Kuratoren des Lenbachhauses zusammenarbeitet.


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