Im alten Hafenviertel Rio de Janeiros liegt die Franziskanerschule ...
Gefährdete Franziskanerprojekte Der Wunderhafen von Rio de Janeiro
Eine Schule für Armenkinder mitten im neu entstehenden "Wunderhafen" von Rio. Ein Würzburger Franziskaner-Pater baute die "Hafenschule" in den vergangen Jahrzehnten zum wichtigsten Sozialprojekt der Gegend aus. Nun droht die Schließung.
Rios Bürgermeister Eduardo Paes möchte den Gästen aus aller Welt bei den olympischen Sommerspielen 2016 etwas bieten: Das alte, heruntergekommene Hafenviertel soll zu einem "wunderbaren Hafen" umgebaut werden, zum "Porto Maravilha". Tag und Nacht lärmen die Bagger, Bohrer und Baumaschinen, um die verwaiste Zone von 500 Hektar in das Schmuckstück der Zuckerhutmetropole zu verwandeln. Mit neuen Straßen, Fahrradwegen, Parks, neuen Strom- und Wasserleitungen.
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Fährt man durch die Straßen des künftigen Wunderhafens, kommt man durch fünf der ältesten Favelas Rio de Janeiros. Die Bekämpfung von Armut, Drogen und Gewalt in den Elendsvierteln ist eine der schwierigsten Aufgaben der brasilianischen Sozialpolitik. Mitten in einer dieser Favelas, auf dem Morro da Consesao, unterhält der "Drittorden der Franziskaner" Ausbildungswerkstätten – unter anderem für Bäcker, Schneider, Schreiner, Friseure – und die Hafenschule "Padre Francisco da Motta". Für die Kinder aus den angrenzenden Favelas ist die Schule mit 33 Klassen der Grund- und Hauptschule und vier Gymnasialklassen eine große Chance. Beim letzten Abiturjahrgang haben von rund 30 Schülern weit über 20 die Aufnahme an die Universität geschafft. "Für Kinder aus ärmeren Verhältnissen ist das etwas Besonderes", sagt der Deutschlehrer Heiko Krump.
Seit Wochen geschlossen
Unter dem aus Würzburg stammenden Pater Eckhart Höfling baute der Drittorden in den vergangenen beiden Jahrzehnten die Schule und Ausbildungswerkstätten kontinuierlich zum wichtigsten Sozialprojekt der Gegend aus. Während die Stadt mir Vorhaben wie dem "Wunderhafen" Aufschwung und mehr Lebensqualität auch für die Armen der Favelas verspricht, gerät die "Hafenschule" in unsichere Fahrwasser. Auf öffentliche Unterstützung der Stadt oder des Staates muss die Schule verzichten.
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Nun gibt es Gerüchte, die Hafenschule sei in ernsten finanziellen Schwierigkeiten, und ihre Zukunft sei ungewiss: Zu einem Großteil wird das Projekt aus Einnahmen aus einem weiteren Franziskaner-Projekt finanziert: Dem Krankenhaus in Tijuca. Aber die noch vor wenigen Jahren florierende Klinik steckt in der Krise, das Krankenhaus und die damit verbunden Sozialprojekte kämpfen ums Überleben. Insgesamt sei das umfangreiche Sozialwerk des Drittordens den Verantwortlichen etwas über den Kopf gewachsen, meint Frei Francisco, der den Drittorden in Rio leitet.
Im März, nach dem Ende der Sommerferien und des Karnevals, beginnt das neue Schuljahr. Die Ausbildungswerkstätten sind seit Wochen geschlossen. Die Finanzierung der Schule ist wohl für ein Jahr gesichert, an der weiteren Zukunft wird gebastelt. Für die Kinder im "Porto Maravilha" wäre das Ende der Hafenschule verheerend:
"Ganz klar gesagt, sie wären zurück auf der Straße, alleine zuhause, weil die Eltern oder die allein stehenden Mütter arbeiten müssen. Sie wären zurück in der Drogenproblematik, die in den Favelas immer noch aktuell und brisant ist. Die Zukunft sähe schlechter aus für die Kinder und Jugendlichen"
. Deutschlehrer Heiko Krump

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