Lioba Schneider, 26 Jahre:
"Lioba bedeutet 'die Liebende' und mein Namenstag ist am 28. September. Wir feiern ihn schon, aber weil mein Geburtstag direkt eine Woche davor ist, ist das nicht so ein großes Fest. In der Familie meines Mannes spielt das eine größere Rolle, er wäre richtig beleidigt, wenn ihm niemand gratulieren würde."
Name und Namenstag Erinnerung und Utopie
Mia und Emma, Ben und Leon - frisch gebackene Eltern machen sich die Namenswahl sicher nicht leicht. Trotzdem kommt der Eindruck auf, alle Kinder hießen gleich. Inspiration könnten aber auch die heiligen Namenspatrone geben.
Namen machen uns unterscheidbar und individuell, so sehr sie auch Moden unterliegen. Doch sie sind auch ein kritischer Teil unserer Biographie: Nichts ist kränkender als die Verspottung unseres Namens. Obwohl sie so eine bedeutende Rolle für unser Leben spielen, ist das Feiern des Namenstages in vielen Regionen in Vergessenheit geraten. Gerade der protestantische Norden Deutschlands feiert nur den Geburtstag. Anders sieht es in Bayern und Österreich, Frankreich, Spanien und Italien aus: Dort halten viele Menschen an der Tradition des Namenstages fest. Namen sind für sie nicht nur "Schall und Rauch", das hat auch schon Goethe erkannt:
"Der Eigenname eines Menschen ist nicht etwa wie ein Mantel, der bloß um ihn her hängt und an dem man allenfalls noch zupfen und zerren kann, sondern ein vollkommen passendes Kleid, ja wie die Haut selbst ihm über und über angewachsen, an der man nicht schaben und schinden darf, ohne ihn selbst zu verletzen."
Johann Wolfgang von Goethe
Eine gesellschaftliche Vereinbarung
Namenstage erinnern an wichtige Menschen, an biblische Personen oder Heilige. Es gibt sogar eigene Namenstag-Kalender, Private und Kirchliche. Der Name ist eine gesellschaftliche Vereinbarung, ist verflochten mit der Geschichte eines Volkes, einer Religion. Die Erinnerung an wichtige Menschen, an biblische Personen oder Heilige ist ein Wurzelgeflecht an Gedenken. Das ist der Kern des Namenstagbrauchs. Erst seit dem 13. Jahrhundert werden sie gefeiert. Besonders in der Gegenreformation, als die Katholiken die Heiligenverehrung verteidigen mussten, kam der Namenstag als Erinnerung an die Namenspatrone zu seiner vollen Bedeutung.
Machtausübung durch Namen
Als abergläubiger Schutz für Neugeborene galt es früher mancherorts, sie vor der Taufe nicht beim Namen zu nennen. Pfarrer übten Macht aus, indem sie unehelich Geborenen strafweise den Namen des Tagesheiligen gaben. Oder es war eine Verlegenheitslösung für Findelkinder, - der berühmteste Fall ist Victor Hugos "Glöckner von Notre Dame", der "Quasimodo" heißt, nach dem kirchlichen Namen des Weißen Sonntags, - der Name war also wie ein Stigma. "Nomen est omen", der Name hat vorbedeutende Kraft, sagte man im Lateinischen. Deshalb ist es wichtig, den richtigen Namen für ein Neugeborenes zu wählen.
| Mädchen | Jungen |
|---|---|
| Mia | Ben |
| Emma | Leon |
| Hannah/ Hanna | Lucas/ Lukas |
| Anna | Finn/ Fynn |
| Lea/ Leah | Jonas |
| Leonie/ Leoni | Maximilian |
| Lina | Luis/ Louis |
| Marie | Paul |
| Sophia/ Sofia | Felix |
| Lena | Luca/ Luka |

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