Bayern 2 - Katholische Welt

"O du lieber Meingott!" Karl Valentin und die Religion

"Bei Gott ist kein Ding unmöglich", heißt es in der Bibel. Gibt es einen eindrücklicheren Beweis dafür, als dass einer der Träger des Karl-Valentin-Ordens heute Papst ist? Er sieht in ihm einen überkonfessionellen Humoristen.

Autor: Martin Maier SJ Stand: 15.02.2012
Karl Valentin | Bild: picture-alliance/dpa

Über Valentins persönliche Einstellung zu Religion und Glaube ist nicht allzu viel bekannt. Als Kind evangelischer Eltern wurde er evangelisch getauft. Es gibt von ihm ein Foto als Konfirmand im Anzug und mit Gesangbuch in der Hand. Seine Tochter Bertl berichtet, dass er die Kirche mehr von außen als von innen betrachtete. Doch in seiner Brieftasche waren ständig zwei Heiligenbilder: die Schwarze Madonna von Altötting und die Darstellung eines Schutzengels mit riesigen Flügeln, der zwei Kinder schützend über einen Steg führt. Der Publizist Wilhelm Hausenstein, der mit Valentin eng verbunden war, sagt über den Komiker: "Er hat niemals, auch nur mit einem Hauch, das religiöse Gefühl oder eine kirchliche Institution beleidigt."

Hat er sich über die Kirche lustig gemacht?

Einer seiner bekanntesten Sprüche im Münchner Valentin-Karlstadt-Musäum

So ist es ein Armutszeugnis für die katholische Kirche, dass sie 1931 eine Beschwerde über ein öffentlich ausgestelltes Foto des Firmlings Karl Valentin einreichte. Es stelle "eine unwürdige und verletzende Verzerrung des heiligen Sakraments der Firmung" dar. Der Komiker entfernte das Bild, reagierte aber äußerst erbost mit der schlimmsten aller Drohungen gegen die Münchner und sich selbst: München für immer zu verlassen und nach Berlin zu gehen. Das war ernst gemeint, aber unmöglich. Am 2. Oktober 1935 schrieb er an seine psychisch erkrankte, kongeniale Bühnenpartnerin Liesl Karlstadt einen berührenden Brief. Darin heißt es:

"Alle die Dich lieben und hoch schätzen, sind auf Deiner Seite, und deshalb brauchst Du den Mut für das fernere Leben bestimmt nicht verlieren, eine Firma wie Valentin-Karlstadt muß noch lange für München erhalten bleiben so Gott will, und ‚Er‘ will, das hat er gezeigt. Warum sollst Du nicht wollen?“"

Karl Valentin in einem Brief an Liesl Karlstadt

Karl Valentin und das Jenseits

Karl Valentin, eigentlich Valentin Ludwig Fey, wurde 1882 in München geboren und ist dort 1948 gestorben.

Karl-Valentin-Forscher wissen, dass der Komiker Angst vor dem Tod hatte, dass er misstrauisch und pessimistisch war: "Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist", lautet einer seiner Aussprüche. Er vermied Zugreisen soweit es ging, da er fürchtete, der Lokomotivführer könnte ohnmächtig werden oder eine Weiche falsch gestellt sein. Taxifahrer bezahlte er extra dafür, dass sie nur im Schritttempo fuhren. Seine Lieblingslektüre war der von Max Seiling herausgegebene Aphorismen-Band "Perlen der pessimistischen Weltanschauung". Ob er trotzdem an ein Leben nach dem Tod geglaubt hat - das ist nicht bekannt.

Karl Valentins Wortbasteleien über den lieben Gott und die Bibel

Der Karl-Valentin-Brunnen am Münchner Viktualienmarkt
  • "O du lieber Meingott!"
  • "Oh heilige Zweifaltigkeit!"
  • Bei einer Hellseherin auf dem Oktoberfest bemerkte er skeptisch: "Der einzige Hellseher ist unser Herrgott, und der verlangt keine 30 Pfennig."
  • "Nun haben aber Adam und Eva bekanntlich zwei Kinder bekommen: den Max und den Moritz – Verzeihung! – Ich wollte sagen, den Kain und den Abel."
  • "Also in Ewigkeit nur im Jenseits umherfliegen und als einzige Beschäftigung, wie uns aus der Bibel bekannt, nur Hosianna singen, das kann die ersten acht Tage ganz unterhaltlich sein, aber, man denke sich das ewig – das muss unbedingt langweilig werden."