Zweites Vatikanisches Konzil Gelähmte Ökumene?
Das Zweite Vatikanische Konzil hat den Katholizismus in vieler Hinsicht verändert.Vor allem aber öffnete sich der Blick für die Kirchen neben der römisch-katholischen: für die Orthodoxie und für die Protestanten. Von Ökumene war die Rede.
Es war eine Sensation: Zu den Beobachtern und Beraterndes Konzils wurden 1962 auch Vertreter der nicht-katholischen Kirchen berufen: der Lutherische und der Reformierte Weltbund sowie der Ökumenische Rat der Kirchen sandten Beobachter nach Rom. Ein völlig neuer Kurs deutete sich an: "Einheit" stand auf der Agenda. Daran wurde mit Nachdruck gearbeitet: "Unitatis redintegratio", "zur Einheit wiederfinden" - so lautete der Titel des Dekrets zur Ökumene, das während des Konzils erarbeitet wurde.
50 Jahre danach
Die Katholische Kirche ordnete damals ihr Verhältnis zu anderen Religionen und Konfessionen neu. Enthusiastisch gingen die Konzilsteilnehmer daran, das Gemeinsame der Konfessionen herauszuarbeiten und über das Trennende zu reflektieren. Doch heute, 50 Jahre nach diesem Aufbruch, ist von der Euphorie wenig zu spüren.
"Es gibt eine Ermüdungserscheinung im Augenblick, und ....Angstphänpmene gibt es auch. Angst, man würde etwas aufgeben, von der eigenen Identität. (...) Sicher sind wir jetzt nicht mehr in der enthusiastischen Phase, die unmittelbar nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil da war. Es ist eine gewisse Ernüchterung, Versachlichung da. Da ist ein normales Auf und Ab, insofern kann man auch von einer gelähmten Ökumene sprechen."
Kardinal Walter Kasper, ehemaliger Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen
Gestörter Dialog?
Aufbrüche, wie die Einigung in der Rechtfertigungslehre 1999, gaben Hoffnung. Endlich schien Einigkeit darin zu bestehen, dass allein der Glaube, ohne Unterstützung durch gute Werke, den Menschen vor Gott gerecht werden lasse. Auf das Glücksgefühl folgte jedoch bald die Ernüchterung: Das Dokument "Dominus Jesus", das der Präfekt der Glaubenskongregation, Josef Ratzinger im Jahr darauf vorstellte, stieß die protestantischen Kirchen vor den Kopf. Denn darin stand, dass sie keine Kirchen im eigentlichen Sinne seien. Ein Affront. Die Kommunikation scheint gestört. Und doch versichert die Katholische Kirche immer wieder mit Nachdruck, man sei an einem ernsthaften Dialog interessiert. Claudia Christophersen hat untersucht, was von den Ökumenebestrebungen des Konzils geblieben ist.

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