In Gottes Namen? Keine Panik vor Muslimen
"I'm muslim, don't panik!!", steht in pinken Lettern auf einem Pappkarton. Der Junge, der ihn in der Hand hält will sagen: Ja, ich bin Muslim, aber das ist kein Grund sich vor mir zu fürchten! Denn Islam ist nicht gleich Islamismus. Genau das aber verwechseln viele seit dem 11. September.
Rund 40 Jugendliche werkeln auf einem stillgelegten Parkhaus in einem der sogenannten "Brennpunktviertel" Berlins herum. Sie tauchen dicke Pinsel in Eimer mit bunter Farbe und bemalen Pappkartons mit Sprüchen wie "Terrorism has no religion" oder "Frieden auf Erden", "I'm muslim, not terrorist" oder auch: "NEIN! Eleven". Es sind muslimische, christliche, jüdische und Jugendliche der iranischen Bahai-Religion, alle zwischen 15 und 25 Jahren, die aus 200 Kartons einen riesigen "Common-Future-Turm" bauen. Am 10. Jahrestag der Anschläge vom 11. September ist er im jüdischen Museum in Berlin zu sehen und soll ein Zeichen setzen gegen Gewalt im Namen der Religion.
"Das waren Muslime!"
Die Aktion ist eine von vielen der interreligiösen "Juga-Initiative". Juga: das steht für jung, gläubig, aktiv. Amina Hamed, 25 Jahre alt, ist Pharmaziestudentin und engagiert bei Juga. Die gläubige Muslima deutsch-tunesischer Abstammung erinnert sich noch gut an die Tage nach dem 11. September 2001: "Die Lehrerin hat eine Zeitung hochgehalten. Da waren die Türme drauf und sie meinte: 'Das waren Muslime!' Wir Muslime in der Klasse haben uns alle ein bisschen schockiert angeguckt und haben uns gefragt: Warum sagt sie so was? Also wir haben uns plötzlich schuldig gefühlt." Amina merkt, dass sie seit den Anschlägen vielerorts auf Vorbehalte stößt wegen ihres Glaubens. Auch den Gebetsraum für muslimische Schüler an ihrem Berliner Gymnasium gab es plötzlich nicht mehr. "Es hieß 'Wer weiß, was die Muslime da immer besprechen.'"
Seit 2001 sind die Vorurteile gegenüber Muslimen drastisch angestiegen. Aus alten Stereotypen und Ressentiments hat sich nach 9/11 eine neue Islamfeindlichkeit entwickelt. Über 80 Prozent der Deutschen sind der Meinung, der Islam passe nicht zu Deutschland. 60 Prozent haben Angst, dass sich unter den hier lebenden Muslimen Terroristen befinden. Zu diesem Ergebnis ist der Religionssoziologe Detlef Pollack gekommen. In einer groß angelegten Studie hat er das Islambild in verschiedenen europäischen Ländern und deren Umgang mit religiöser Vielfalt untersucht.
"Wir wollen miteinander leben"
Dass genau diese Werte ihnen wichtig sind, dass sie friedlich und freundschaftlich miteinander leben wollen, demonstrieren die Jugendlichen der Juga-Initiative mit ihren Aktionen. Neben dem "Common-Future-Turm" haben sie zum Gedenken an 9/11 gemeinsam mit dem Berliner Musiker Robert Lee Fardoe einen Song produziert, den sie bei der großen Gedenkfeier am Brandenburger Tor vorstellen: Orientalische Klänge gemischt mit Gospel-Elementen.

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