Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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25. August 1609 Galileo Galilei präsentiert Fernrohr

Galileos Fernrohr - ein Meisterwerk. Doch wer hat’s erfunden? Nein, nicht die Schweizer, die Holländer! Autor: Hellmuth Nordwig

Stand: 25.08.2017 | Archiv

25 August

Freitag, 25. August 2017

Autor(in): Hellmuth Nordwig

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Der Jupiter hat Monde? Das haben die Chinesen erfunden! Flecken auf der Sonne? Berge und Täler auf unserem Mond? Fake news! Die Wahrheit ist doch seit Anbeginn der Welt: Die Himmelssphäre ist aus Kristall und undurchdringlich. Da kreist überhaupt nichts, außer die Sonne um die Erde. Und alle Himmelskörper sind makellos und so perfekt kreisrund, wie Gott sie zu schaffen geruht hat. Krater auf dem Mond, da kann man ja gleich an die Evolution glauben!

Fake News

Würde Galileo Galilei heute, im postfaktischen Zeitalter, leben, dann könnte er etwa mit diesen Reaktionen rechnen. Jedenfalls in den USA. Die hat der Schöpfer Anfang des 17. Jahrhunderts aber noch nicht hervorgebracht. Die Republik Venedig gibt es dagegen schon lange. Sie ist seit geraumer Zeit mit Seeschlachten gegen die muslimischen Truppen des Osmanischen Reichs beschäftigt. Und da ist alles willkommen, was einen militärischen Vorteil verspricht.

Zum Beispiel eine Konstruktion, die ein 45-Jähriger Mathematik-Professor aus Padua entweder 21., 24. oder eben am 25. August 1609 – darüber streiten sich die Geister - vorführt. Ebenjener Galileo Galilei. Ein vielseitig interessierter Toskaner. Er hat zum Beispiel Pendelbewegungen oder Kugeln auf einer schiefen Ebene untersucht. Geld hat ihm das nicht eingebracht. Eher schon der Verkauf von allerlei selbst gebastelten Instrumenten, darunter eine Art Rechenschieber. Doch Neugier und Geschick allein reichen nicht für die Karriere als Gelehrter.

Kümmerliche Vergrößerung

Vielleicht klappt es ja dieses Mal. Im Jahr zuvor haben holländische Tüftler zwei Linsen in einem Rohr so angeordnet, dass man die Welt vergrößert sieht, wenn man hineinschaut. Galilei baut die Konstruktion nach und findet sie ziemlich kümmerlich. Doch schon nach kurzer Zeit hat er das Fernrohr deutlich verbessert.

Statt einer dreifachen Vergrößerung kann man mit seinem Rohr jetzt alles neun Mal so groß sehen wie mit bloßem Auge. Galilei lädt Patrizier der Stadt auf den Turm von San Marco und lässt die Paparazzi die Terrassen und Balkone der Palazzi erkunden. Und erst die Schiffe auf der Lagune! Wie praktisch: Jetzt sehen die Venezianer die Türken auf See viel früher, als sie selbst erkannt werden. Drei Tage später überreicht Galilei sein Fernrohr feierlich dem Dogen. Der ist begeistert und erhöht sofort das Gehalt des Forschers. Na also, geht doch.

Großzügig räumt Galilei seinem Herrscher sogar das alleinige Recht ein, solche Instrumente herstellen zu lassen. Doch damit geht er etwas zu weit: Das Fernrohr hat ja nicht er erfunden, sondern die Holländer. Als der Doge merkt, dass er da alternativen Fakten aufgesessen ist, streicht er das Salär des Herrn aus Padua wieder zusammen.

Doch Galilei lässt sich nicht unterkriegen. Er besorgt Material für ein noch viel besseres Fernrohr. Eine erstaunliche Einkaufsliste ist erhalten: Kanonenkugeln - sie geben die Rundung der Linsen vor; Pech aus Griechenland und Tonerde aus Tripolis zum Schleifen; und Orgelpfeifen für die Rohre. Ach ja, und guten Malvasia-Wein, den schreibt Galilei auch auf. Bestimmt für die Nächte, in denen er später das Fernrohr in den Himmel richtet und als erster Mensch die Krater auf dem Mond zu sehen bekommt.


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