Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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21. September 1937 Tolkiens "Hobbit" wird veröffentlicht

Im idyllischen Auenland wohnen die kleinen, gemütlichen und friedfertigen Hobbits. Einer von ihnen, Bilbo, wird in ein haarsträubendes Abenteuer verwickelt und findet durch Zufall den einen Ring der Macht. Autor: Frank Halbach

Stand: 21.09.2017 | Archiv

21 September

Donnerstag, 21. September 2017

Autor(in): Frank Halbach

Sprecher(in): Caroline Ebner

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Susi Weichselbaumer

"In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit. Nicht in einem schmutzigen nassen Loch, in das die Enden von irgendwelchen Würmern hereinbaumelten und das nach Schlamm und Moder roch. Es war eine Hobbithöhle, und das bedeutet Behaglichkeit."

Probier’s mal mit Gemütlichkeit

So fängt alles an. Nicht nur J. R. R. Tolkiens Roman "Der Hobbit", erstmals erschienen am 21.September 1937, sondern auch die Geschichte der modernen Fantasy-Literatur, die damals noch in den Kinderschuhen – Verzeihung - in behaarten Hobbitfüßen steckte. Zugegeben, Tolkiens Nachfolger interessierten sich in erster Linie nicht für seine Hobbits, sondern für seine hehren Elben, sturen Zwerge, die finsteren Orks und schwertschwingenden Heroen. Denn der Hobbit an sich taugt eigentlich nicht so recht zum Fantasy-Helden: Er ist klein, nur so um die 1 Meter 20, friedfertig, hat es gerne ruhig und gemütlich und geht jeglicher Aufregung am liebsten aus dem Weg. So auch Bilbo, die Titelfigur des "Hobbits“. Er ist so verwirrt wie der Leser, als er unversehens in ein Abenteuer voller Trolle, fieser Riesenspinnen und einem Drachen gerät und darunter leidet, dass er sein Taschentuch vergessen hat. Der Hobbit Bilbo: die Identifikationsfigur für den häuslichen Leser, eine Figur, die jeder mag. Außer vielleicht die Literaturkritikerin Elke Heidenreich. "Da krieg ich Zustände. Ich hasse es, wenn Menschen mit Pelzohren Wunderdinge tun.“, äußerte sie.

Ein Unding

Und Bilbo hasst es auch: "Ihr wisst, dass diese ganze Geschichte ein Unding ist. Ich bin es satt. Ich will zurück nach Hause, wo die Leute vernünftiger sind“, motzt er gegen Ende des Romans. Aber da ist es eben schon zu spät. Eine niedergebrannte Stadt, ein toter Drachen, ja sogar eine Schlacht von fünf Heeren, das wäre ja alles gar nicht so schlimm, das Fatale bleibt ein Zufallsfund des kleinen Hobbits. Der ist das wahre Unding. (als Gollum) "Mein Schschatzzz!" Genau, der Schatz. Im "Hobbit" einfach ein sehr praktischer Zauberring, der unsichtbar macht.

Und dieser Ring findet im Verlauf des Romans seinen Weg von der lichtscheuen – und völlig schizophrenen – Kreatur Gollum zu Bilbo. "Mein Schschatzzz!"

Und während der Hobbit trotz allem irgendwie auch noch eine nette Kindergeschichte war, entpuppt sich Gollums Ex-Schatz dann in Tolkiens "Der Herr der Ringe" als der Ring der Macht: "Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.“ Und diesen Ring will der ultimativ böse dunkle Lord Sauron wieder haben, denn er braucht ihn, um die Weltherrschaft zu übernehmen und um alles ins Chaos zu stürzen. Gegen den gemeingefährlichen Möchtegern-Weltdiktator stehen dann erst einmal nur neun Gefährten, darunter ein beinharter Zwerg, ein eleganter Elb, ein weiser Zauberer, heldenhafte Menschen, aber eben auch gleich vier Hobbits, die sich aufmachen, das Unding-Ring aus der Welt zu schaffen, will heißen zu zerstören.

Eine Romantrilogie und weit über 1000 Seiten später gelingt das, und wir wissen, dass hier in erster Linie kleine pelzohrige Hobbits die Helden sind, die Wunderdinge tun: Der Ring und der dunkle Lord sind vernichtet, die Hobbits haben endlich wieder gemütliche Ruhe und Elke Heidenreich kriegt Zustände…

"Böse Hobbittse… (jammert) Mein Schschatzzz!"


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