Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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20. Februar 1474 Amberger Hochzeit

Dagegen sind royale Hochzeiten heute kleine Festchen. Amberg war im Ausnahmezustand, als der kurzpfälzische Erbprinz Philipp und Margarete, die Tochter des Herzogs von Bayern-Landshut, am 20. Februar 1474 vor den Altar traten.

Stand: 20.02.2014 | Archiv

20 Februar

Donnerstag, 20. Februar 2014

Autor(in): Ulrike Rückert

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Illustration: Angela Smets

Redaktion: Julia Zöller

Elftausenddreihundert Hühner, eintausendundfünfundvierzig Kälber, fünfzig Ochsen und dreißig Kühe, vierhundert Spanferkel und sechsundzwanzigtausendzweihundert Eier mussten die Bauern der Oberpfalz in Amberg abliefern. Wagenkolonnen rumpelten in die Stadt, beladen mit Fässern voll Stockfisch, Pökelfleisch, Salzhering und Sauerkraut. Wein, Kohlen, Brennholz, Hafer und Stroh in gigantischen Mengen wurden herangeschafft. Bäckeröfen glühten Tag und Nacht. Die dreitausend Einwohner mussten eng zusammenrücken, um Gästequartiere für das große Ereignis freizumachen:
die Hochzeit des kurpfälzischen Erbprinzen Philipp mit Margarete, der Tochter des Herzogs von Bayern-Landshut.

Hochzeitsnacht mit Zuschauern

Liebe spielte dabei keine Rolle - bei fürstlichen Ehen ging es um Politik und Besitz. Und weil der bayerische Herzog und der pfälzische Kurfürst steinreich und ungemein ehrgeizig waren, sollte auch die Amberger Hochzeit am 20. Februar 1474 ihre Macht vorführen. Sie selbst allerdings nahmen gar nicht teil: sie waren wohl beide krank.

Der Bräutigam. Reiste am Vorabend an, mit einem riesigen Gefolge aus Grafen und Rittern, Hofdamen und Dienern - alle einheitlich in Rot gewandet. Am Hochzeitsmorgen kam der Kurfürst von Sachsen, Onkel der Braut, ebenfalls mit großem Anhang. Und mittags zog mit Trompeten und Fanfaren Margarete selbst ein, begleitet von tausend Reitern. Mehr als ein Dutzend fürstliche Herrschaften, rund vierhundert adlige Herren und Damen und fünf Bischöfe waren in der Stadt versammelt.

Der Bischof von Regensburg traute das Paar im Amberger Schloss. Margaretes Goldbrokatkleid und Philipps silberdurchwirktes weißes Gewand schimmerten im Lichte unzähliger Wachskerzen. Dann spielten Musikanten auf, und die Gäste tafelten und tanzten, bis um zehn Uhr das Brautpaar zu Bett ging. Mit Zuschauern, denn nur eine vollzogene Ehe war auch gültig.

Am nächsten Morgen zog die Gesellschaft zur Kirche. Margarete prunkte wieder in goldnem Gewand und üppigem Schmuck, Philipp diesmal im perlenübersäten Rock. Nachmittags gab es natürlich ein großes Turnier auf dem Marktplatz, und abends wurde für das große Festbankett aufgetischt. Das Brautpaar und seine fürstlichen Gäste speisten im Schloss an Tischen, die mit Silber und feinsten Tüchern geschmückt waren. Für die Grafen und Ritter war schlichter eingedeckt, und die übrigen aßen draußen vor dem Schloss. Fünf Küchen bereiteten unterschiedliche Gerichte für die verschiedenen Rangstufen zu: Rehbraten, Rebhühner und  raffinierte Sülzen, Zuckerkonfekt und griechischer Süßwein waren der Fürstentafel würdig, die niederen Ränge begnügten sich mit fränkischem Landwein und gegrilltem Schwein.

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Und als alle satt, müde und wahrscheinlich auch betrunken waren, sanken die einen in die Federkissen, die anderen nur auf den Strohsack. Denn auch das Bettzeug war nach dem Stand abgestuft und ebenso die Siegerpreise beim Turnier, der Platz in der Kirche und die Zahl der Diener. Der Bräutigam hatte sogar einen persönlichen Regenmantel-Träger.

Vier Tage dauerte das verschwenderische Fest. Auch ohne Fernsehen und bunte Illustrierte verbreiteten sich die Geschichten von großen Fürstenhochzeiten im ganzen Reich. Die Zeitgenossen interessierte dabei nur eins: wie viel das alles gekostet hatte.


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