Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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19. September 1888 Wahl der ersten Schönheitskönigin

Wer ist die Schönste im ganzen Land? Eine Frage die Europa schon lange beschäftigt. Schon 1888 gab es in Belgien den ersten Schönheitswettbewerb Europas. Autorin: Isabella Arcucci

Stand: 19.09.2017 | Archiv

19 September

Dienstag, 19. September 2017

Autor(in): Isabella Arcucci

Sprecher(in): Krista Posch

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Das hatte Marthe sich aber anders vorgestellt! Sie war jetzt schließlich Königin, hielt sogar einen dicken, fetten Blumenstrauß in der Hand, der ihre royale Würde unterstreichen sollte. Und nun kam da einfach diese niederträchtige Schlampe und spuckte ihr auf das schöne Kleid! Nicht genug damit, auch die übrigen Verliererinnen fielen über Marthe und die zweit, dritt und viert platzierten Schönheitsköniginnen her,  rissen den Siegerinnen die Blumenbouquets aus den Händen und trampelten wüst schimpfend darauf herum. Das Publikum war entzückt! Es war die erste Wahl zur Miss Europa, die an diesem 19. September 1888 in einem Casino des belgischen Kurorts Spa abgehalten wurde – und bis jetzt war das Ganze zum Schnarchen langweilig gewesen. Trotz der riesigen Werbetrommel, welche der Veranstalter in ganz Europa gerührt hatte.

Frischfleisch für einen alten Kurort

Aber die Damen, die sich schließlich auf den Ruf des Casinoleiters Emile d‘Hainault in Spa zum Wettbewerb um den Titel des schönsten Fräuleins Europas eingefunden hatten, waren ähnlich blass und fade wie der abgehalfterte Kurort selbst, für dessen Wiederbelebung man die Misswahl organisiert hatte. 10 Francs hatte jeder der Zuschauer gezahlt, voller Erwartung, für dieses Geld nun 100 exotische Schönheiten aus allen Ecken der Welt zu Gesicht zu bekommen – und wer weiß, vielleicht auch etwas nackte Haut. Doch die 20 Kandidatinnen, die in ihren drittklassigen Ballroben wie ahnungsloses Schlachtvieh auf der Bühne hockten, kamen zum Großteil aus Brüssel, Lyon oder Paderborn. Von Exotik keine Spur. Und Schönheit? Na ja…. Die Einzige, die da herausstach, war die Kreolin Marthe Soucaret, mit den blonden Locken eines französischen Engels und dem Feuer ihrer karibischen Heimat in den schwarzen Augen. Ganz klar: sie war die Schönste! Einige der Verliererinnen sahen das jedoch ganz anders, was für jenen wüsten Tumult sorgte, der den gelangweilten Journalisten im Publikum nun doch den so sehnlichst erhofften Stoff für ihre Schlagzeilen lieferte.

Die Zweiten werden die Ersten sein

Seitdem hat der Ausraster der Verliererin, bei der Krönung ihrer Konkurrentin, auf Misswahlen gute Tradition. Miss Amazonas 2015 beispielsweise, bekam von ihrer gefrusteten Rivalin die Krone vom Dutt gerissen, vor laufenden Kameras und unter teils zustimmenden Jubelrufen der Zuschauer. Angeblich hatte Miss Amazonas den Sieg weniger durch ihrer Reize, als vielmehr durch ihren Reichtum errungen… 

Dabei lohnt sich so viel Ärger doch gar nicht.  1986 trat die 20 jährige afroamerikanische Miss Ohio zur Wahl der Miss USA an. Sie wurde nur Zweite. Die Krone ging an die blonde Miss Texas, die umjubelte Schönheit Christy Fichtner. Miss Ohio gratulierte ihrer Konkurrentin Christy mit einer festen Umarmung und zeigte den Kameras lächelnd ihr tadelloses Zahnfleisch. Jahre später war aus der Verliererin Miss Ohio die weltberühmte Hollywood-Schauspielerin Halle Berry geworden, die erste Afroamerikanerin, die einen Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt.

Und wer erinnert sich heute noch an Christy Fichtner?


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