Bayern 2 - Das Kalenderblatt


0

15. März 1973 Genre des "Lederhosenfilms" begründet

Alpines Milieu, derbe Scherze in der Tradition des Bauerntheaters, irgendwie eine Art Heimatfilm - nur halt viel nackter. Auf jeden Fall aber: Kassenschlager, damals. Autorin: Prisca Straub

Stand: 15.03.2017 | Archiv

15 März

Mittwoch, 15. März 2017

Autor(in): Prisca Straub

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Einfach prall! Die Lederhose sitzt! Und im Schritt, da steht doch mächtig etwas stramm?! - "Darf ich öffnen?", lispelt keck das Großstadt-Luder. Denn genau diese Sorte verheißungsvoller Beinkleider hat ja schließlich ins Alpenvorland gelockt. - Erst wird ein bisserl gekichert, dann gejohlt - und schließlich kommt aus dem reich bestickten Hosenlatz: eine Sektflasche zum Vorschein. Wie prickelnd ist doch der weiß-blaue Humor! Das Mädel jedenfalls ist hingerissen und schmiedet im Handumdrehen ein paar treffliche Postkarten-Verse für daheim: "Bin ganz beglückt! Die Berge sind prachtvoll und man wird viel gef… !"

Der Film des Jahres

Ja, tatsächlich! Es wird überhaupt sehr viel - gereimt im sogenannten "Lederhosenfilm". Gerade der bayerische Himmel muss immer wieder herhalten, denn er passt so gut zum Sepp sein', ähm,  Pimm… - und mit dem haben die sexhungrigen Touristinnen dann auch reihum das Vergnügen. Oder "Bumsi Bumsi" mit dem bayerischen Wirt, wie es vor Ort der Einfachheit halber heißt.

Liebe zwischen Hirschgeweih, Heuschober und Eichenholzfurnier. Als am 15. März 1973 splitternackte Schauspiel-Debütantinnen durch die Gebirgs-Gaststube hoppeln - entpuppt sich "Liebesgrüße aus der Lederhose" als epochaler Kassenschlager: Die schlüpfrige Billigproduktion wird zum meistbesuchten deutschen Film des Jahres. - Mit seiner Lederhosen-Serie - und der Ruhrpott-Variante "Lass jucken, Kumpel" - schwimmt Regisseur Franz Marischka bald ganz oben auf der bundesdeutschen Sexwelle.

Ganz anders als die Produzenten des ebenso erfolgreichen "Schulmädchen-Reports", setzt Marischka aber nicht auf Pseudo-Aufklärung, sondern ganz bewusst auf Provinz-Posse: auf krachlederne Bums-Maschinen. Sie lassen keine Gelegenheit zum Kopulieren aus - und steigen testosteronschwanger sogar durchs Fenster ein, wenn das Nudelholz der tobenden Gattin ihnen bereits im Nacken sitzt. Und selbst die begriffsstutzigsten Ausflüglerinnen kommen auf diese Weise auf ihre Kosten: "Sonntags ist Kirchweih, dann geht’s zum Tanz - doch die größte Attraktion ist dem Loisl sein Schw …!" Jawohl!

Wer ein Star werden will, zieht die Lederhose aus

Die Rammelei auf der Alm wird als Genre so erfolgreich, dass sie es bis Anfang der 90er Jahre auf unersättlich viele Fortsetzungen bringt. Und nicht nur das: Die Lederhosen-Klamotte ist auch ein willkommenes Karriere-Sprungbrett für manch späteren TV-Star. Zwar bringen die blanken Pobacken einige Sternchen noch Jahre später in Erklärungsnot - doch, was soll's: Selbst der freizügigste Sex-Klamauk bleibt doch stets in Andeutungen stecken. Die Bums-Komödien gleichen heute einem kreischenden Kindergarten voller ungezogener Nackedeis, ganz schrecklich bemüht, sich beim Toben nicht erwischen zu lassen. Die Grüße aus der Lederhose sind längst verhallt.

Doch Moment mal! Was lärmt denn jetzt schon wieder - da oben in der zweiten Etage? - Ein Wasserschaden! Die Dame aus Nummer 26 klingelt Sturm: Sie sei schon "ganz nass"! - Ach, es eilt! Der Wirt muss los - zum nächsten Einsatz!


0