9. Januar 1926 Erik Rotheim erfindet Sprühdose
Pfft - und schon kommt aus dem Behälter alles Mögliche heraus - Deo, Schlagsahne, Wäschestärke, Farbe … Der geniale Kopf hinter der Sprühdose war der Norweger Erik Rotheim. Am 9. Februar 1926 hat er sie erfunden.
09. Februar
Donnerstag, 09. Februar 2012
Autor(in): Carola Zinner
Sprecher(in): Ilse Neubauer
Redaktion: Thomas Morawetz
Norwegen ist ein schönes Land. Es gibt dort Berge und Seen, die Winter sind dunkel und die Sommer hell. Die Menschen sagen "Du" zueinander, fahren großartig Ski und haben wenig Lust, sich mit mühseligem Unfug herumzuschlagen. Der junge Norweger Erik Andreas Rotheim hatte es satt, seine Bretter vor jedem Ski-Ausflug mit der Hand einzuwachsen. Deshalb tüftelte er an einer Sprühvorrichtung, mit der er das Wachs auftragen konnte. Am 9. Februar des Jahres 1926 war er damit fertig und präsentierte eine Dose aus Metall, die zusätzlich zum Wachs ein Gas enthielt. Wurde sie geöffnet, zischte das Gas-Wachs-Gemisch auf die Ski. So hat Rotheim die Sprühdose erfunden - und die Welt verändert.
Einige Tücken
Das ist die Geschichte, und sie ist genauso wie eine gute Geschichte sein soll: kurz und griffig, mit einer Prise Regionalkolorit und einem schönen Happy End.
Nur ist sie bloß die halbe Wahrheit. Rotheim war nicht irgendein Norweger, der sich das Skifahren ein wenig leichter machen wollte, sondern ein Erfinder. Schon in der Schule war er wegen seiner mathematisch-naturwissenschaftlichen Begabung aufgefallen; später hat er in der Schweiz und in Deutschland Elektrochemie studiert, ein Fach, in dem damals revolutionäre Erkenntnisse gewonnen wurden. Nach der Rückkehr in seine Heimat gründete er in Oslo ein Ingenieurbüro, wo er unter anderem auch die Sprühdose entwickelt hat. Allerdings hatte das Ding einige Tücken: Das Gas war leicht entflammbar, der Metallbehälter schwer und unhandlich, und der Inhalt ließ sich nicht portionieren; war es erst mal auf, kam alles auf einmal raus.
Rotheim probierte weiter rum und suchte gleichzeitig nach einem solventen Interessenten. Einige Zeit arbeitete er mit einem Fabrikanten von Lacken und Bohnerwachs zusammen, doch dem wurde das Ganze zu teuer, und so endete die Sache im Nichts. 1931 zeigte Standard Oil Interesse - doch Rotheim der offensichtlich ein bisschen stur war, weigerte sich, sein Patent zu verkaufen. Dann starb er, und die ganze Sache schien in Vergessenheit zu geraten.
Insektizid-Bombe
Mit dem Krieg aber wurde alles anders. Weil die US-Soldaten in Japan schwer unter der Malaria-Mücke zu leiden hatten, arbeiteten amerikanische Wissenschaftler mit Hochdruck an einer Waffe gegen die Plage. Schließlich präsentierten sie die „Insektizid-Bombe“ - die erste wirklich funktionierende Spraydose, gebaut unter Verwendung des Rotheim´schen Patents. Für den Druck sorgte "Freon" - ein ungiftiges und nicht entflammbares Gas. Dass dieses Treibmittel dazu beiträgt, der Ozonschicht den Garaus zu machen, stellte sich erst Jahre später heraus.
Zu diesem Zeitpunkt aber war die Spraydose bereits weltweit unverzichtbar geworden. Ein Pfft - und schon kommt Deo raus oder Schlagsahne, Wäschestärke oder Desinfektionsmittel. Oder ein kräftiges Rot oder Blau: Farbspray ist der Renner unter jungen Kunden, die damit im Dunkel der Nacht auf Hauswände und Brückenpfeiler Malereien sprühen, die später von Putzgeschwadern entfernt werden müssen.
Der Mensch kann es halt einfach nicht lassen, sich mit mühseligem Unfug herumzuschlagen.

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