Im Tollhaus Politik als ewiger Fasching
Während sich die Narren auf den Straßen austoben, tun es Politiker im Kabinett und im Parlament und das das ganze Jahr über, nicht nur im Fasching. Wie trunkene Matrosen manövrieren sie das Narrenschiff BRD in die Zukunft.
Der Beruf des Politikers erlaubt es, als einer der wenigen, verrückte Dinge zu tun, ohne als verrückt zu gelten - kühne Entscheidungen zu fällen, eine Agenda zu starten, jäh die Meinung zu wechseln. Und man kann Visionen haben, ohne gleich zum Arzt zu müssen. Ganz ohne Pappnase.
Sex
"Die närrische Zeit" sagen wir freundlich, wenn wir an das Treiben zu Fasching oder Fasnacht denken. Närrische Zeiten, im Plural, wirken weniger unfreundlich und bedrohlich. Da klingt gleich wieder die Krise durch, oder schlimmer, ein Krieg. Wenn die Weltläufte verrückt spielen, hat der Einzelne nichts mehr zu lachen. Drum feiern wir auch Fasching, die Fasnacht, den Karneval - auf dass wir unser normales Leben vergessen und über all das lachen, was uns normalerweise Angst macht. Dass man ordentlich trinkt und fremd gehet, versteht sich für manchen von selbst. Sex sells, heißt es für die Welt der Medien. Damit sind jetzt nicht all die Kuckuckskinder gemeint, die in etwas mehr als neun Monaten auf die Welt kommen werden. Sondern der wunderbare, mitunter derbe, oft wenig schöne Sex, der umso abstoßender wirkt, wenn daraus ein Ismus wird. Ja, wir reden schon wieder vom Sexismus des Herrn B. und anderer Herrschaften. Ein bisserl was geht immer, auch in Jazz und Politik.
Die Sau und das Dorf
Das ist so eine Redensart, deren Herkunft keiner mehr kennt. Eine Sau durchs Dorf treibt heute keiner mehr. Früher war es das oft einzige Stück Vieh, das der Bauer unter Anteilnahme aller zum Schlachter führte. Arme Sau. Heute landet jede Affäre, jeder noch so kleine Skandal eher früher als später bei Günter Jauch und in den Karikaturen der Tageszeitungen. Oft ganz zu recht, manchmal kommt uns das aber auch übertrieben vor.
Gehört die Affäre um Brüderles Late-Night-Gespräch an der Bar zu den echten oder den eingebildeten Skandalen? Ist die Wendigkeit Horst Seehofers ein Ärgernis oder schlicht genial? Sind die Piraten noch zu retten oder werden sie mit ihrem Narrenschiff mit Mann und Maus untergehen? Und die Linke? Die will Ihnen und mir alles wegnehmen, was über die halbe Million hinausgeht, hundertprozentig. Gemein. Zum Glück haben wir noch eine halbe Woche Zeit, uns all die Fragezeichen weg zu trinken. Um ein Land mit solchen Narren muss niemandem bange sein.
Pappnasen
Aschermittwoch. Ja, gähn. Das hatten wir schon zig Mal, auch in dieser Sendung. Nun ist es aber so, dass auf die närrische Zeit unweigerlich Ernüchterung folgt, und ein Aschekreuz auf die Stirn. Hier geht es noch immer um Politik, ganz gleich, was für einen Kater wir haben. Und da interessiert uns vor allem, wie sich die Kandidaten nach der Sause ihrer Nominierung fühlen. Oder wie die Aschermittwochsrede eines, sagen wir, Joachim Gauck, wohl klänge. Nun, so weit wird es nicht kommen. Wir bereiten uns nur gebührend auf die Fastenzeit vor. Prost!
Jazz und Politik, 09.02.2013
- Wir Sexisten. Anmerkungen zu einer allfälligen Debatte (Barbara Kostolnik)
- Eine Sau durchs Dorf treiben? Wir tun einfach unsere Arbeit (Ingo Lierheimer)
- Piraten, Linke, FDP. Der Narren haben wir nun wirklich genug (Achim Wendler)
- Mein Name ist Hase - und Igel. Wie sich Horst Seehofer selbst überholt (Anton Rauch)
- Dann doch lieber Faschingsprinz. Vom Elend des Kandidaten (Wolfgang Vichtl)
- Meine ganz persönliche hundsgemeine Aschermittwochsrede (Rainer Volk)
Redaktion und Moderation: Lukas Hammerstein
Musikauswahl: Roland Spiegel

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