Bayern 2 - Jazz & Politik

Schulden machen Moral und Unmoral der Besitzenden

Alles dreht sich ums Geld, den Euro. Schwindelnd hohe Summen erzählen fast immer nur von Schulden. Europa, die einzelnen Staaten, Städte und Gemeinden, die Bürger sind hoch verschuldet. Fast alle. Ist es nicht Zeit für einen ketzerischen Gedanken? Schafft die Schulden ab.

Von: Lukas Hammerstein Stand: 29.12.2012

Ohne Kredite bräche die Wirtschaft zusammen. Die Krise hat es wieder mal gezeigt. Gläubiger geben ihr Geld, der Schuldner sucht damit sein Glück. Dumm nur, wenn er es nicht zurückzahlen kann. Kritiker des wild gewordenen Kapitalismus raten zu einem globalen Schuldenschnitt.

5.000 Jahre

5.000 Jahre Schulden und Schuldknechtschaft

Der amerikanische Rebell und Occupy-Vorreiter David Graeber hat ein Buch geschrieben, das auch hierzulande einschlug wie eine Bombe und zum Bestseller wurde: "Schulden. Die ersten 5.000 Jahre". Darin erzählt er die Geschichte von Schuldnern, Schuldtürmen, Pleitestaaten und Weltbanken, von der Moral beziehungsweise Unmoral der Märkte. Vor 5.000 Jahren wurde der Kredit erfunden. Für Graber ist die Geschichte eine Geschichte der Schulden - der Schuld- knechtschaft. Eine Geschichte, die von Ausbeutung und Sklaverei und davon handelt, dass Schulden immer die Herrschaft der Mächtigen zementieren helfen.

Der Autor zielt in seinem süffig geschriebenen Traktat von vielen hundert Seiten auf nichts weniger als die Abschaffung des Kapitalismus. Die Moral der Schulden sei eine Unmoral, der Primat der Ökonomie müsse gebrochen werden. Das sind steile Thesen, denen auch ein Journalist wie Frank Schirrmacher verfallen - er spricht von einer Befreiung, von Revolution. Grund genug, Graeber zuzuhören.

Schulden sind Schulden

Geht ein Staat unter, heißt das noch lange nicht, dass auch seine Schulden verschwinden. Das Kapital hat ein das Gedächtnis eines Elefanten. Die Deutschen haben das gleich zwei mal nach beiden großen Kriegen erlebt, die sie angezettelt hatten. Schulden sind negatives Geld und leben länger als mancher Schuldner und Gläubiger.

Ruhrgebietsbesatzung 1923: Wegen ausstehender Reparationszahlungen an die Siegermächte des I. WK ziehen französische Truppen in Essen ein.

Dass Kredite zurückzuzahlen sind, ergibt sich schon aus der Vereinbarung - dass der eine sein Geld gibt, weil der andere verspricht, es irgendwann zurückzuzahlen. Wieso sonst sollte einer sein Geld verleihen? Dafür, dass er ein Risiko eingeht - das Geld nie wiederzusehen -, bekommt er Zins und manchmal Zinseszins. Das ist die Logik der Wirtschaft, aber auch guter Brauch zwischen den Menschen. Was mir der Nachbar leiht, bekommt er natürlich wieder.   

Lob der Schulden

Suizid wegen Schulden - Alltag in Griechenland

Man kann alles natürlich auch ganz anders sehen: Die Reichen verleihen ihr Geld doch nur, um noch reicher zu werden. Manch verzweifelter Schuldner bringt sich um, andere setzten sich hin und wurden berühmt. So konnten sie wenigstens wieder zahlen.

Mancher Pleitestaat rutscht nur noch tiefer in die Rezession, wenn er alles in Heller und Pfennig zurückzahlen soll. Ist das alles nicht furchtbar unmoralisch? Soll der Reiche nicht auch etwas abgeben, der Gesellschaft etwas zurückgeben? Sollten wir bis über die Ohren verschuldete Menschen und Staaten nicht einfach in Freiheit entlassen? Fragen über Fragen und jede Menge Zinseszins.

Die Themen im Einzelnen

  • Schulden. Ein revolutionäres Buch von David Graeber (Graeber/Sprecher: Axel Wostry)
  • Schulden, einige Horrorgeschichten nicht nur aus Sicht der Gläubiger (Rainer Volk)
  • Schulden sind zurückzuzahlen. Verteidigung des armen Gläubigers (Frank Müller)
  • Lob der Schulden (Knut Cordsen)

Redaktion und Moderation: Lukas Hammerstein
Musikauswahl: Roland Spiegel


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